Hutzfeld : "Schuleica" statt Französisch

Gemeinsam mit Diakon Andreas Hecht arbeiten die Harms-Schüler für die Schuleica.  Foto: Michael Kuhr
Gemeinsam mit Diakon Andreas Hecht arbeiten die Harms-Schüler für die Schuleica. Foto: Michael Kuhr

Die Jugendleitercard ist an der Hutzfelder Heinrich-Harms-Schule zum Schulfach geworden.

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26. Oktober 2011, 11:45 Uhr

Hutzfeld | Die Jugendleitercard als ordentliches Schulfach mit regulären Zensuren: Ein in Schleswig-Holstein bislang einmaliges Experiment hat seine Bewährungsprobe offenbar bestanden. Davon ist Andreas Hecht, evangelischer Jugenddiakon in der Region Eutin, Bosau, Malente und Neukirchen überzeugt. Ort ist die Heinrich-Harms-Regionalschule in Hutzfeld.

Wenn 15- bis 16-jährige Schüler hier ihre "Juleica" machen wollen, müssen sie die Schulbank drücken. Die Jugendleiter-Ausbildung ist reguläres Wahlpflichtfach und gleichgesetzt mit anderen Angeboten wie Technik-Kurs, Französisch oder Fußball. Bislang hat es damit keine Probleme gegeben, sagt Hecht.

Rund 2 000 Jugendleitercards werden pro Jahr in Schleswig-Holstein ausgegeben. Vorher haben die jungen Menschen bei Jugendverbänden wie Sportjugend, Evangelischer Jugend oder Kreisjugendring in der Regel einen einwöchigen Lehrgang in den Ferien hinter sich gebracht. Sie haben sich dann etwa mit Jugendrecht, Gruppenleitung, Spielgestaltung und Konfliktlösung auseinander gesetzt. Zum Schluss gibt es die Card - selbstverständlich ohne Zensuren.

Das ist in Hutzfeld anders. "Benotung ist in der Schule üblich", sagen übereinstimmend Schulleiter Albrecht Dudy und sein Stellvertreter Rainer Siemers. Der hatte vor vier Jahren die Idee zum Projekt Jugendleitercard als ordentliches Schulfach. Anlass war eine Anfrage von Hecht nach einer Zusammenarbeit von Schule und evangelischer Kirche in der Region. "In Bosau bekam ich mit Angeboten der kirchlichen Jugendarbeit kein Bein an Deck", erinnert sich Hecht. Da suchte er die Kooperation mit der Schule.

Bis zu 40 junge Menschen haben seit dem Start vor vier Jahren mitgemacht und ein Jahr lang 90 Minuten pro Woche Unterricht im Fach "Schuleica" absolviert. Dazu kommt noch ein Wochenendseminar. Derzeit sind zehn Jungs im Kurs, Mädchen sind aktuell ausnahmsweise nicht dabei. Der christlich-kirchliche Aspekt steht zwar nicht im Mittelpunkt, wird aber auch nicht verschwiegen, betont Hecht. Rituale und ihr Sinn werden besprochen, Gebete und Andachten könnten dann auch Thema werden.

Das stößt auf unterschiedliche Reaktionen. "Obwohl Andreas Diakon ist, spricht er nur über Kirche, wenn wir nachfragen", sagen Moritz (16) und Felix (15), die im jetzigen Kurs mitmachen. "Kirche nö" lautet eine andere knappe Reaktion. Mit den Noten haben die Schüler offenbar kein Problem. "Die Benotung war fair und kam wie von einem normalen Lehrer rüber", so die ehemalige Teilnehmerin Saskia. Die bislang schlechteste Zensur war eine "Vier", erinnerte sich Hecht, der in der Schule mit 400 Schülern "voll integriert ist". Bislang gab es überwiegend "Zweien" und "Dreien" im Fach "Schuleica".

Mit den Noten in der Ausbildung für die Jugendleitercard kann sich dagegen der Geschäftsführer des Landesjugendrings Schleswig-Holstein, Jens Peter Jensen, nicht anfreunden. Die "Juleica" dürfe sich nicht zu sehr dem schulischen Alltag annähern, sagt er. Diese Gefahr sieht Lehrer Siemers nicht. Themen wie im "Juleica"-Unterricht kommen sonst in keinem anderen Schulfach vor, betont er. Das sieht die Leitung der Schule An den Auewiesen in Malente offenbar genau so. Hier hat Hecht nach den Sommerferien einen ersten Unterricht mit 19 Mädchen und Jungen gestartet.

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