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Ostholsteiner Anzeiger

20. September 2017 | 09:43 Uhr

Malenter Grundschule : Schule wie vor 100 Jahren

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

In der Grundschule haben die Schüler der 3b mit ihrer Klassenlehrerin Silvia Richter das in Vergessenheit geratene Schulmuseum wieder neu eingerichtet

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2014 | 17:00 Uhr

Wer die Klasse 3b im Schulmuseum der Malenter Grundschule beobachtet, merkt sofort: Die Schüler sind richtig stolz auf diesen Raum, der sich im Obergeschoss des Schulgebäudes in direkter Nachbarschaft zur Schulaula befindet. Das ist kein Wunder. Denn unter Leitung ihrer Klassenlehrerin Silvia Richter, die auch Konrektorin der Schule ist, haben die 24 Schüler kräftig mit angepackt, um das Museum einzurichten. „Wir haben fast alles selbst bestimmt, was hier reinkommt“, berichtet der neunjährige Julian.

Ein altes Klavier, ein großes Rechengerät, eine alte Tafel, historische Fotografien, alte Landkarten, antike Bücher, eine Schreibmaschine und eine Petroleumlampe gehören zu den Gegenständen, die dem Raum musealen Charakter verleihen. Die meisten von ihnen fristeten jahrelang in einem kleinen Abstellraum unbeachtet ihr Dasein. „Das wussten auch viele Lehrer nicht“, berichtet Justus (9). Bis Silvia Richter die Idee hatte, es im Rahmen eines mehrwöchigen Unterrichtsprojekts zum Thema „Schule früher“ fächerübergreifend wiederzubeleben. Schulleiter Uwe Borchers war sofort einverstanden, hatte er doch selbst schon mit dem Gedanken gespielt, das Museum zu reaktivieren.

Hausmeister Uwe Löwe und der 15-jährige Christoph Nagel, der gerade ein dreiwöchiges Praktikum bei ihm absolvierte, halfen mit. Sie schleppten etwa die historischen Schulbänke vom Dachboden, von denen glücklicherweise noch ein kompletter Satz erhalten war. Hier sitzen nun die Drittklässler und fühlen sich ein bisschen so, wie sich ihre Groß- oder Urgroßeltern gefühlt haben müssen.

Manche Kinder haben sich zum Fototermin für die Zeitung passend gekleidet und ihre Haare mit Gel in die passende Form gebracht. Auch Klassenlehrerin Silvia Richter hat sich züchtig gekleidet, und ihre Schüler bestehen darauf, dass sie einen Stock in der Hand hält. Das verleiht Autorität: Sobald Unruhe in die Klasse kommt, reicht ein kurzes, aber scharfes: „Ruhe!“ Alle schweigen dann
sofort und nehmen Haltung auf ihrer harten Schulbank an.

„Man sieht, dass das früher viel strenger war“, findet Lucia und Jara (beide 9) pflichtet bei: „Früher hat man eine gehauen bekommen und heute bespricht man das.“ Lucia gefällt die heute Form der Konfliktlösung deutlich besser: „Ich finde es gut, dass sich die Regeln verändert haben“, sagt sie, genauso wie Emelie (9): „Ich bin froh, dass ich heute lebe und nicht vor 100 Jahren.“

Das Thema Disziplin und Strafen scheint die Kinder zu faszinieren. Es spielte auch in einem Theaterstück eine Rolle, das die 3b vor etwa 100 Verwandten in der Schulaula zum Thema Schulmuseum aufführten und zeigen sollte, wie früher eine Schulstunde ablief. Das Stück hätten die Kinder zu großen Teilen selbst erarbeitet, berichtet Silvia Richter. Sie hätten sich bestimmte Vergehen wie Zuspätkommen oder falsch singen ebenso selbst ausgedacht wie die dafür fälligen Strafen, etwa, in der Ecke zu stehen. „Dabei wurde auf den Rohrstock gerne verzichtet“, sagte Silvia Richter lachend, die ihre Rolle aber aus Sicht der Kinder zu zurückhaltend spielte: „Die haben gesagt, ich sei noch nicht streng genug – dabei fühlte ich mich schon wie ein Feldmarschall.“

Das frühere Schulmuseum habe irgendwann weichen müssen, weil es immer mehr Klassen gegeben habe, berichtet Schulleiter Borchers. Gesunkene Schülerzahlen haben nun die Wiederauferstehung ermöglicht. Darüber freuten sich nicht nur die Schüler, auch die Eltern und Großeltern, berichtet Silvia Richter: „Die Großeltern sind zu mir gekommen und sagten, sie fühlten sich in ihre Kindheit versetzt.“ Die Eltern seien begeistert gewesen, die Großeltern ergriffen.

 

 

 

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