Plön / Dodau : Schule und Landwirtschaft – ein spannungsgeladenes Verhältnis

Referent Matthias Iseke-Vogelsang und Telse Biss vom Gut Friedrichshof bereicherten die Erntedankfeier der Lanfrauen aus Plön und Umgebung.
Referent Matthias Iseke-Vogelsang und Telse Biss vom Gut Friedrichshof bereicherten die Erntedankfeier der Lanfrauen aus Plön und Umgebung.

Punker und Ex-Schulleiter Matthias Iseke-Vogelsang hielt Vortrag zur Erntedankfeier der Landfrauen aus Plön und Umgebung.

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18. Oktober 2018, 16:30 Uhr

Die rund 70 Landfrauen aus Plön und Umgebung, die sich am Dienstag zur Erntedankfeier im festlich dekorierten Gut Friedrichshof in Dodau trafen, mussten vermutlich wohl zwei Mal hinschauen. Gast des Nachmittags war nämlich der ehemalige Schulleiter Matthias Isecke-Vogelsang, der als stilechter Punk daher kommt. Doch schon nach den ersten Gesprächen stellten die staunenden Landfrauen sehr schnell fest, dass man Menschen nicht sofort in Schubladen stecken sollte.

Die Besitzer vom Bauernhofcafé am Dodauer Forst, Telse und Georg Biss, hatten die Räume für die etwa 70 Gäste liebevoll und aufwändig vorbereitet und dekoriert. Gemüse und Früchte der Region waren in Körben zu sehen.

Die Vorsitzende der Landfrauen, Antje Jandrey, blickte in ihrer Begrüßung auf das Jahr 2018 zurück, das für viele Menschen wunderbar gewesen sei. Touristen hätten Strände und Landschaften genossen, Strandkorbvermieter oder Eisdielenbesitzer hätten besonders große Umsätze gemacht. Jandrey: „Diese Freude können Landwirte mit ihren Sorgen um Felder und Vieh allerdings nicht teilen.“

Diese Gedanken nahm Pastor Ulrich Gradert auf. In einer plattdeutschen Andacht stellte er den Bezug auf die Aussagen des Neuen Testaments her, dass trotz aller Nöte und Sorgen auf das gute Wollen Gottes vertraut werden dürfe. Auch im Hinblick auf andere Menschen und Länder dürfe auch daran gedacht werden, dass ein Glas nicht nur halb leer, sondern auch halb voll sei. Auch hierfür sei das Erntedankfest ein geeigneter Anlass.

Nach einer gemeinsamen Kaffeetafel mit hausgemachten Torten hielt Matthias Isecke-Vogelsang seinen Vortrag. Der ehemalige Leiter der Gotthard-Kühl-Schule in Lübeck behandelte das nicht immer einfache, manchmal auch spannungsgeladene Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Schule. Er berichtete den Zuhörerinnen eindrucksvoll aus eigenen Erfahrungen, dass Missverständnisse und gegenseitige Vorwürfe häufig aus Unkenntnis auf beiden Seiten entstehen.

Aufgabe von Schule sei es, sich mit den gegenwärtigen Bedingungen von Landwirtschaft vertraut zu machen und dies Schülerinnen und Schülern praxisorientiert nahezubringen. Dazu trügen schulische Projekte bei, wie die Pflege von Bäumen, die Anlage eines Schulgartens oder die Vermittlung von Praktika in sogenannten „grünen“ Berufsfeldern. Selbstkritisch sprach er an, dass landwirtschaftliche Themen in den Lehrplänen der Jahrgangsstufen 5 bis 7 unterrepräsentiert seien. Andererseits sollte Landwirtschaft offensiv in Schulen ihre Ansätze, Orientierungen und Zukunftsperspektiven verdeutlichen und vertreten. Es sei bemerkenswert, dass er selbst in 28 Jahren Leitungstätigkeit nie einen Vertreter aus der Landwirtschaft in Schulleiterdienstversammlungen erlebt habe. Es gebe gute Ansätze, die weiterzuentwickelt werden müssten.

Isecke-Vogelsang betonte, dass Landwirtschaft aber auch deutlich machen müsse, dass Feld und Vieh nicht nur den Zweck des Kapitalerwerbs habe, sondern Landwirte aufgerufen seien, für die Bewahrung der Schöpfung einzutreten, damit eine gerechte, lebensbewahrende Welt zukünftig erhalten bleibt. Er berichtete aus seinen Erlebnissen in Schwellenländern und ärmeren Regionen.

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