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Plön/Preetz : Schüsse aus Gewehr auf Straßenschilder

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Amtsgericht Plön verurteilte Preetzer gestern zu einer Bewährungsstrafe

Die Anklage wog schwer. Sie warf einem 26-jährigen Preetzer vor, sich Ende 2012 einen Schlüssel zum Keller eines Hauses in Preetz verschafft zu haben. Dort soll er ein Kleinkalibergewehr, Kal. 22, eingewickelt in einer Decke sowie fünf Schachteln Munition gefunden und mitgenommen haben. In Laufe der nächsten Wochen bis Mitte Dezember soll er dann aus dem Fenster seiner Wohnung in Preetz auf Straßenschilder geschossen und dabei auch ein Auto und ein Restaurant getroffen haben.

Insgesamt listet die Anklage 34 Schüsse auf. Beim ersten Mal habe der 26-Jährige statt des Stopp-Schildes die hintere Beifahrertür eines Autos getroffen, das gerade abbiegen wollte. Zum Glück wurde dabei niemand verletzt. Schon einen Tag später verfehlte er wieder sein Ziel und schoss in den Fensterrahmen eines Lokals, danach durchschlug eine Kugel die Frontscheibe und landete im Gastraum – auch ohne Menschen zu verletzen.

Immer wieder soll der Angeklagte in den folgenden Tagen aus seinem Fenster auf Schilder gefeuert haben. Mal traf er sie, mal nicht. Dann flog die Sache auf, als er insgesamt 23 Schüsse in seiner Wohnung abgab – ins Bad, in die Decke, die Wände und auf Türrahmen. Hinzu kam eine Anklage wegen schwerer Körperverletzung am Kieler Hauptbahnhof.

So richtig erinnern konnte sich der geständige Angeklagte gestern nicht. „Ich habe in dieser Zeit sehr viel getrunken, ein bis zwei Flaschen Wodka am Tag.“ Warum er das gemacht hat, weiß er heute nicht mehr. „Ich weiß nur, dass ich geschossen habe. Heute würde er die Taten als „einfach nur hirnverbrannt“ bezeichnen.

Die Prügelei vor dem Kieler Hauptbahnhof, wo das Opfer von acht Leuten grundlos zusammengeschlagen wurde, streitet er dagegen ab. Doch die Aussagen der Zeugen sind deutlich, die Beweislast wiegt schwer. So schildert das 23-jährige Opfer, dass es eben der Angeklagte war, der ihm den letzten Schlag ins Gesicht versetzt habe.

Richter und Staatsanwalt glauben ihm. Doch: warum hat der Angeklagte das alles gemacht? Alkohol war offenbar wiederholt im Spiel, aber auch Vorerkrankungen mit insgesamt drei Aufenthalten in Heiligenhafen. Der Angeklagte selbst macht zeitweise einen eher verwirrten Eindruck. Einen Schulabschluss und Beruf hat er nicht. Gutachter bescheinigen ihm eine zum Teil gestörte Persönlichkeit, aggressives Verhalten und eine dissoziale Störung seiner Umwelt gegenüber. Der Amtsarzt sorgte deshalb schon für eine Einweisung zur stationären Behandlung. Geprägt sei sein Verhalten auf ein Aufmerksamkeits-Defizit und eine Hyperaktivität, gepaart mit depressiven Störungen. Es sei ein „planloses Leben von der Hand in den Mund“, beschreibt es der Gutachter in seinem Bericht.

Lange erörtert das Gericht die Möglichkeit einer verminderten Schuldfähigkeit. Letztlich sieht aber der Staatsanwalt den Diebstahl und den damit verbundenen Gebrauch einer Waffe und der Munition ohne Erlaubnis und auch die gefährliche gemeinschaftliche Körperverletzung als erwiesen an. Er fordert zusammengefasst für alle Anklagepunkte ein Jahr und sieben Monate Haft auf Bewährung für den Angeklagten. Dem schließt sich letztlich auch der Richter an. Für ihn sind die Tatvorwürfe eindeutig erwiesen. Eine Schuldminderung durch die Persönlichkeitsstörung des Angeklagten sieht er nicht. Den Alkoholkonsum zur Tatzeit will er nicht ausschließen. Sein Urteil: ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung unter der Auflage, dass der Angeklagte nun engen Kontakt zu seinem Betreuer sucht, der sich um seine Angelegenheiten kümmern soll.

 

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erstellt am 20.Aug.2015 | 19:30 Uhr

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