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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 17:31 Uhr

Schüler sollen die Natur entdecken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schulleiter Dr. Thilo Philipp setzt auf praktische Umweltpädagogik

An seine Kindheit in Probsteierhagen erinnert sich Dr. Thilo Philipp gern zurück. „Ich bin an einer Au mit Waldbestand groß geworden“, sagt der 53-Jährige. Die enge Beziehung zur Natur, die er damals erlebt hat, will er in seinem neuen Umfeld weitergeben. Im August übernahm Philipp an der Malenter Schule an den Auewiesen das Amt des Schulleiters. Er folgte damit auf Wolfgang Gruchot, der die Gemeinschaftsschule mit derzeit etwa 360 Schülern und 31 Lehrern vor gut zwei Jahren verlassen hatte. In der Übergangszeit leitete Konrektorin Astrid Fock die Schule.

„Es ist wichtig, dass wir den Namen Auewiesen mit praktischer Umweltpädagogik verbinden“, fordert Philipp. Die Malenter Au fließe direkt an der Schule vorbei. Da ergebe sich die Möglichkeit, die Natur kennenzulernen: Was lebe im Wasser und was wachse auf den Wiesen?

Um das schulische Angebot um diesen neuen Aspekt zu erweitern, hat sich Philipp bereits Unterstützung geholt. Ein Umweltpädagoge wolle an der Schule entsprechende Aktivitäten umsetzen. Derzeit schreibe der Pädagoge seine Doktorarbeit über Bio-Diversität an Schulen in Schleswig-Holstein, darunter auch an der Schule an den Auewiesen. „Ziel der Arbeit ist es zu ermitteln, wie wir Schüler so an die Natur heranbringen können, dass sie diese schätzen lernen und wissen, wozu wir sie brauchen und aus dieser Motivation auch schützen“, erläutert Philipp. Er sieht den Gang in die Natur auch „als Ausgleich zur exzessiven Nutzung elektronischer Medien“, die er bei Schülern beobachtet. „Das ist ein ganz wichtiger Aspekt.“ Elektronische Medien nähmen die Kinder heute zu stark in Anspruch und trügen nicht zur ganzheitlichen Entwicklung bei, hat Philipp beobachtet.

Bereits an der Grund- und Hauptschule Wankendorf, die Philipp elf Jahre lang leitete, setzte er stark auf Umweltpädagogik: Die Schüler erstellten dort ein Gebäude aus Weiden und legten mit Hilfe eines Gärtnermeisters einen phänologischen Garten an. Mit seiner Hilfe lassen sich die Jahreszeiten und damit auch Auswirkungen des Klimawandels ablesen. Das ließe sich auch in Malente verwirklichen, wäre aber sehr aufwendig. „Es ist eine Vision, wichtiger sind umweltpädagogische Aktionen in der Natur.“

Philipp selbst plant mit positivem Beispiel voranzugehen: „Ich persönlich werde mit der 9. Klasse im Fach Deutsch anfangen.“ Wie viel Zeit seine Kollegen in die Umweltpädagogik investieren, will Philipp nicht diktieren: „Das möchte ich ganz offen halten. Mir ist wichtig, dass man anfängt.“ Den Unterricht in der Natur sieht Philipp außerdem als Beitrag zur Inklusion: „Das ist der Aspekt, der auch die schwierigen Schüler in den Lernprozess bringen kann“, hofft der Schulleiter.

Von seinem neuen Arbeitsplatz hat Philipp einen guten Eindruck gewonnen. Nicht nur die Lage der Schule, die Arbeitsatmosphäre und das Lernklima seien gut, in den vergangenen Jahren sei auch viel investiert worden: „Die Ausstattung ist wirklich gut. Es gibt nur einen einzigen Schwachpunkt: die Sporthalle.“ Aufpolieren will Philipp den Schulhof, dem es an Spielmöglichkeiten für die fünften bis siebten Klassen mangele, und den am Schulhof angrenzenden Schulwald. Philipp lässt keinen Zweifel, dass angesichts des Wettbewerbs unter den Schulen die Gemeinde als Schulträger weiterhin gefordert ist, um die Schule attraktiv zu halten. In der aktuellen fünften Jahrgangsstufe seien nur 39 Schüler. Da sei die Gefahr, dass Malente als Schulstandort zu klein werde, nicht von der Hand zu weisen: „Diese Befürchtung drängt sich auf.“ Dieses Argument war von den Befürwortern einer Fusion mit der Heinrich-Harms-Schule in Hutzfeld immer wieder vorgebracht worden. Die Fusionsgegner brachten den beabsichtigten Zusammenschluss dennoch Anfang des Jahres per Bürgerentscheid zu Fall.

Die Schule an den Auewiesen habe es verdient, nach der gescheiterten Fusion eine neue Chance zu bekommen, betont ihr neuer Schulleiter. Obwohl in der Fusionsdebatte offensichtlich wurde, dass das Kollegium am liebsten Astrid Fock an der Spitze behalten hätte, hat offenbar auch der neue Schulleiter eine Chance bekommen: „Ich bin hier sehr herzlich und sehr offen aufgenommen worden, ich war sofort drin“, berichtet Philipp. Auch die Zusammenarbeit mit Astrid Fock funktioniere sehr gut. Was sie in den vergangenen Jahren geleistet habe, sei unglaublich. Nun will Philipp der Schule seinen eigenen naturnahen Stempel aufdrücken.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 13:39 Uhr

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