Eutin : Schüler schnuppern Bühnenluft

Mats spielt auch Klavier auf der Bühne im Torhaus.
1 von 3
Mats spielt auch Klavier auf der Bühne im Torhaus.

Festspiele arbeiten mit Wisser-Schule zusammen: Theateraufführung geplant. Es werden in diesem Jahr besondere Rabatte für Schüler eingeräumt.

shz.de von
24. März 2017, 00:35 Uhr

Wie kann es gelingen, die Eutiner Festspiele auch bei der jüngeren Generation als den kulturellen Höhepunkt Eutins bekanntzumachen? „Wir müssen uns wieder in das Bewusstsein der Menschen bringen“, sagt Festspiel-Chefin Sabine Kuhnert. Früher sei der Freischütz fester Bestandteil des Lehrplans gewesen, bevor ein Schulbesuch bei der Sommeroper am grünen Hügel stattfand. Heute dürfen sie selbst Teil der Opernscheune sein – mit dem Theaterprojekt „Alice“ sowie einer künstlerischen Gestaltung zur Operette „Die Fledermaus“. „Mit der bisher einmaligen Kooperation im Land wollen wir die Bande zu den Schulen wieder knüpfen“, sagt Kuhnert.

Vor mehr als einem Jahr war sie gemeinsam mit ihrem Team in Eutins Schulen unterwegs, um Ideen für eine Zusammenarbeit mit den Festspielen vorzustellen. „Die Wilhelm-Wisser-Schule war sofort Feuer und Flamme. Nirgendwo sind wir mit so viel Lust empfangen worden wie hier“, erinnert sich Ulrike Horstmann, Pressesprecherin der Festspiele. Mit gleich zwei Projekten arbeiten Schüler eng mit den Festspielen für den Höhepunkt zur Premiere der Fledermaus am 8. Juli zusammen. Doch nicht nur der direkte Kontakt zur Opernscheune soll Jugendliche wieder zu den Festspielen locken. Auch der besondere Schülerrabatt, der in diesem Jahr erstmals angeboten wird. Denn aus Gesprächen mit Schülern ist bekannt: Der Preis spielt eine Rolle. Eutiner Schüler erhalten beim Kauf von drei Karten in der Kategorie drei und vier für alle Vorstellungen zwei Karten geschenkt. Auch über Facebook sollen Verlosungsaktionen gezielt die jungen Besucher ansprechen. Kuhnert sieht in der Zusammenarbeit eine einmalige Chance: „Viele Schüler wissen vielleicht gar nicht von den Festspielen und diesem wunderbaren Ort. Wir wollen sie über die Projekte und verschiedene Veranstaltung da wieder heranführen.“ Besser als so können junge Menschen nicht ans klassische Schauspiel herangeführt werden und für die Festspiele sei es eine gute Möglichkeit, „Eutin auch etwas zurückzugeben“, so Kuhnert. Ob Probenraum, Material, Garderobe, Kostüme und Maske – die Schüler werden von den Festspielen unterstützt. „Das ist für uns eine große Chance, solche Möglichkeiten haben wir in der Schule sonst nicht“, sagt Sonja Tzschätzsch, eine der beiden Theaterpädagogen der Wisser-Schule, die das Projekt „Alice“ begleiten. Auch Kunstlehrerin Michaela Placzeck, die gemeinsam mit insgesamt 60 Schülern die Gestaltung und Dekoration übernimmt, sieht eine Chance in der Zusammenarbeit: „Wir sind eine Eutiner Schule und Stadt und Festspiele gehören zusammen.“


„Alice“ im Torhaus


Noch halten die jungen Schauspieler des Theaterkurses das Drehbuch zur Sicherheit in den Händen. „Denkt daran, dass ihr langsam und laut zum Publikum gewandt sprecht. Sonst verstehen euch die Zuschauer nicht, sagt Tzschätzsch zu Beginn der Proben. Tzschätzsch und Benjamin Groß sind die beiden Theaterpädagogen der Wisser-Schule. „Wir engagieren uns gern für die Schule und sind im außerschulischen Bereich sehr aktiv“, sagen beide. Sie haben die Schüler über die Kooperationsidee mit den Festspielen abstimmen lassen – auch über die Idee des Stücks „Alice im Wunderland“ , das rund um die Premiere der Operette die Fledermaus im Torhaus gezeigt werden soll. „Viele waren noch nicht bei den Vorstellungen, andere haben sogar schon im Chor der Fest-
spiele mitgesungen“, sagte Tzschätzsch. Eine von ihnen ist Lea (16): „Ich habe Spaß daran, in andere Rollen zu schlüpfen.“ Das besondere an diesem Stück sei von Anfang an die Entstehung mitzubekommen. „Wir haben das Drehbuch geschrieben, die Kostüme ausgesucht und bringen es auf die Bühne.“ Auch die Masken werden von den Schülern unter fachlicher Anleitung gefertigt. Unter
den 20 Kursteilnehmern sind auch Jungs, die Spaß daran haben, auf der Bühne zu stehen. Mats (15) spielt neben seiner Rolle als Ritter auch Klavier auf der Bühne: „Ich finde das abwechslungsreich und hab das Stück im letzten Jahr mit der Schulband begleitete. Aber da waren wir in einer Turnhalle und nicht hier. Das ist schon etwas Besonderes. “


Fledermaus-Deko von Schülern


Wer am 8. Juli zur Premierenfeier der Operette „Die Fledermaus“ in die Opernscheune der Eutiner Festspiele geht, der sollte sein Augenmerk nicht nur auf die Künstler richten. Sondern sich auch einmal die weißen Vorhänge mit den darauf projizierten Schattenrissen genauer ansehen. Denn diese stammen von Sechstklässlern der Eutiner Wilhelm-Wisser-Schule. Gemeinsam mit den Neuen Eutiner Festspielen arbeiteten die rund 60 Schüler der Kunstklassen von Michaela Placzek an dem Projekt „Gestaltung der Operette Fledermaus“. Placzek reizten die vielfältigen künstlerischen Möglichkeiten, die das Thema bietet. Und so entstanden nicht nur Scherenschnitte, sondern auch bunt verzierte Fledermausmasken, Pastellbilder in Wischtechnik und gefaltete Papierfledermäuse. Zu sehen sein werden die Ergebnisse ab Anfang Juni im Foyer und im Kassenbereich der Opernscheune.

Darauf freuen sich die Schüler bereits. Und auch mit dem Thema konnten sowohl Jungs als auch Mädchen etwas anfangen. „Bei den Masken konnten wir uns richtig austoben. Wir hatten Federn und Glitzersteine“, erzählt die 13 Jahre alte Finja. „Es hat richtig Spaß gemacht, so kreativ zu sein.“ Eventuell können die Schüler bald sogar die Kreativität eines professionellen Bühnenbildners erleben. „Ich hoffe, dass ihr auch mal unseren Bühnenmaler treffen und ihm über die Schulter schauen könnt“, kündigte Ulrike Horstmann an.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen