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Eutiner Gymnasiasten helfen Migranten : Schüler-Projekt für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Manou Gomlich und Katharina Stützer, beide in der 12. Klasse, organisieren an der Voß-Schule Deutschkurse, um Migranten zu helfen

Eutin | Seit geraumer Zeit sitzen sich Saud Mohammad und Ayad Musa in einem Klassenraum des Eutiner Voß-Gymnasiums gegenüber und sind ins Gespräch vertieft. Mohammad freut sich: „Jetzt verstehe ich Dinge, die ich zwei Jahre lang nicht verstanden habe“, sagt er mit einem Lächeln.

Der 44-Jährige lebt seit dreieinhalb Jahren in Deutschland, er stammt aus Syrien. Sein Deutsch ist schon ganz gut, doch mit der Grammatik und unterschiedlichen Bedeutungsvarianten einzelner Wörter hat er so seine Schwierigkeiten. Bald schreibt Muhammad einen Sprachtest, dafür will er jetzt etwas tun, und Ayad Musa hilft ihm dabei. Der 18-jährige Voss-Schüler spricht fließend Arabisch und kann Mohammad damit die Feinheiten der deutschen Sprache in dessen Muttersprache erklären.

Es ist einer Initiative von zwei Voß-Schülerinnen zu verdanken, dass Flüchtlinge wie Mohammad die Gelegenheit bekommen, ihr Deutsch aufzupolieren. Die beiden Zwölftklässlerinnen Manou Gomlich (17) und Katharina Stützer (18) leiten das Projekt, das in diesem Monat gestartet ist und auf das der Namensgeber der Schule, Johann Heinrich Voß, sicherlich stolz gewesen wäre.

Die Anregung zu dem Vorhaben und Unterstützung hätten sie von ihrer Relegionslehrerin Dörte John erhalten, berichtet Katharina Stützer. Ein immenses Echo kam aus der Schülerschaft der Voß-Schule. 70 Schüler des 9. bis 13. Jahrgangs meldeten sich, um Deutsch zu unterrichten. „Wir waren richtig erstaunt, wie viele helfen wollen“, sagt Katharina Stützer. Bislang werden sechs Jugendliche und, meist junge, Erwachsene aus Syrien, Guinea und Afghanistan unterrichtet. Es dürfen noch mehr werden. Termin ist jeden Sonnabend von 11 bis 12.30 Uhr in der Voß-Schule.

Bereits dabei sind die beiden Afghanen Dawodi Mostafa (23) und Zaman Ramazani (33). „Das ist wichtig für uns“, beschreibt Dawodi Mostafa die Bedeutung des Projekts für die Migranten und wechselt nun ins Englische, um genauer zu erklären, was er meint: „Das Problem ist, dass wir wenig mit Deutschen zusammen sind“, erläutert der Malenter. Dann sei es schwer, seinen Horizont zu erweitern und Deutsch zu lernen.

Diesen Aspekt haben die jungen Organisatorinnen im Blick. Sie wollen durch den Sprachunterricht nicht nur den Alltag ihrer Schüler vereinfachen. „Unser Ziel ist es, dass wir mit den Migranten auch Ausflüge machen, zum Beispiel mal an den Strand fahren“, erklärt Manou Gomlich und Katharina Stützer hofft: „Es ist unser großes Ziel, dass sich beide Seiten füreinander öffnen.“ Bei einer Spendenveranstaltung für Migranten, die sie erlebt habe, sei noch eine Distanz zwischen beiden Gruppen spürbar gewesen. Die wollten sie abbauen.

Doch zunächst einmal geht es im Unterricht um ganz praktische Dinge wie die richtigen Unterrichtsmaterialien. Dafür greifen die Voß-Schüler beispielsweise auf Spiele oder Bücher zurück. Die Palette reicht je nach Schwierigkeitsgrad vom „Wimmelbuch“ über Diktat-Sammlungen bis zum Rechtschreibtraining. „Wir wollen den Alltag erleichtern, etwa den Einkauf in der Stadt oder mal etwas nach einem Rezept zu kochen“, erläutert Manou Gomlich.

Tipps holten sich die beiden Voß-Schülerinnen von Daniela Averhoff vom Daz-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache), das in der Außenstelle am Kleinen Eutiner See der Gustav-Peters-Schule untergebracht ist, und von Preetzer Schülern, die ein ähnliches Projekt betreiben. Ihre ersten Erfahrungen stimmen Katharina Stützer sehr positiv: „Das reizvolle ist, dass man so viel weitergeben kann und dass es so dankbar angenommen wird.“

Doch auch die Migranten haben Fähigkeiten, die sie weitergeben können, wie Saud Mohammad beweist. Denn er arbeitet beim PSV Eutin als Leichtathletik-Trainer. Zu seinen Athleten gehört auch die begeisterte Dreispringerin Manou Gomlich.

 

 

> Migranten, die sich für den Deutschunterricht interessieren, können sich per E-Mail an die Adresse manou.gomlich@web.de mit den Organisatorinnen in Verbindung setzen.

 

 

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erstellt am 28.Feb.2015 | 14:55 Uhr

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