Schüler erschließen historische Quellen

Ben Heinrich zeigte seinen Mitschülern den Fluchtweg von Hans Heberle, der im Dreißigjährigen Krieg 34 Mal vertrieben wurde.
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Ben Heinrich zeigte seinen Mitschülern den Fluchtweg von Hans Heberle, der im Dreißigjährigen Krieg 34 Mal vertrieben wurde.

Migration als zentrales Thema bei erstem Projekt in der Landesbibliothek

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22. Mai 2018, 16:25 Uhr

Migration gehört weiterhin zu den Themen, die in der Gesellschaft besonders häufig diskutiert werden. Um jungen Menschen einen Einblick in das jahrhundertealte Phänomen der Migration mit ihren Folgen für die Betroffenen zu geben, hat die Forschungsstelle zur historischen Reisekultur in der Eutiner Landesbibliothek zum ersten Mal ein entsprechendes Projekt für Schüler angeboten. Die Idee dazu kam Prof. Dr. Axel Walter im Gespräch mit Jil Gross und Stephan Kober, die als Lehrkräfte am Voß-Gymnasium tätig sind.

21 Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren sollten in Gruppen von drei bis fünf Schülern jeweils einen Text im Original bearbeiten. Alle Autoren berichteten von Flucht und Heimatlosigkeit. Die Gymnasiasten sollten im Anschluss an die Lektüre Plakate basteln und ihre Mitschüler über die Inhalte der zeitgenössischen Quellen informieren. Für die Vorbereitung hatten sie insgesamt acht Schulstunden Zeit.

„Nachdem wir mit den Schülern im Dezember eine Ausstellung mit alten Karten von Eutin besichtigt haben, wurde uns klar, wie viel Spaß die Jugendlichen an diesen außerschulischen Lernort haben“, verriet Jil Gross. „Mit Blick auf den Lehrplan haben wir den Dreißigjährigen Krieg als Schnittstelle identifiziert“, fügte sie hinzu.

Bereits im Unterricht hatten sich die Schüler mit den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges beschäftigt. „Aber es war nochmal etwas ganz besonderes, aus erster Hand etwas über die Einzelschicksale zu erfahren“, sagte Ben Heinrich (16), der zusammen mit Bjarne Petzold (16) und Ronja Hüttmann (15) Auszüge aus dem Tagebuch des Schuhmachers Hans Heberle gelesen hatte. „Wir haben die Fluchtstrecke in Karten im Internet eingetragen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange er damals unterwegs war“, ergänzte Bjarne Petzold. „Insgesamt ist Hans Heberle in 30 Jahren 34 Mal geflohen. Das war sicherlich kein leichtes Leben“, wusste Alex Walther zu berichten, der auch in Zukunft mit Schülern zusammenarbeiten möchte. „Die jungen Menschen sind sehr motiviert“, fasste er zusammen.

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