Schritt zwei für autonome Busse

Auf einem Testgelände in Nordfriesland dreht bereits ein autonom fahrender Bus seine Runden.
Auf einem Testgelände in Nordfriesland dreht bereits ein autonom fahrender Bus seine Runden.

Nach Machbarkeitsstudie: Aktiv-Region will heute über Mittel für eine vertiefende Untersuchung beschließen / Eutin beteiligt sich

shz.de von
30. Juli 2018, 17:35 Uhr

Vor kurzem klang es noch wie Science-Fiction, doch der Kreis Ostholstein plant gemeinsam mit drei Kommunen und der Aktiv-Region Schwentine-Holsteinische Schweiz (SHS) den nächsten Schritt in die Zukunft: Der Vorstand der Aktiv-Region will heute, 1. August, ab 18 Uhr bei seiner Sitzung im Süseler Rathaus entscheiden, ob er eine Planung für autonom fahrende Busse fördern will. Die elektrischen Kleinbusse sollen in Eutin, Oldenburg und Umgebung sowie Weißenhäuser Strand Fahrt aufnehmen.

Dafür soll zunächst ein Auftrag an einen Dienstleister vergeben werden, der technische, finanzielle und rechtliche Lösungen zur Vorbereitung des Einsatzes autonomer Busse in den genannten Kommunen ermitteln soll. Die Kosten dafür liegen bei 53 000 Euro. Davon übernehmen die Aktiv-Regionen SHS und Wagrien-Fehmarn jeweils rund 18 000 Euro, rund 8500 Euro zahlt die Weißenhäuser Strand GmbH, insgesamt rund 4500 Euro teilen sich die Kommunen, und etwa 4500 Euro trägt der Kreis Ostholstein. Beginnen soll das Projekt Anfang September. Nach Ausschreibung und Auftragsvergabe sind für die eigentliche Untersuchung vier Monate vorgesehen, so dass Ende März 2019 Ergebnisse vorliegen sollen.

„In einer vorausgegangenen Machbarkeitsstudie ist bereits grundsätzlich festgestellt worden, dass der Einsatz autonomer Busse in den Orten möglich wäre“, erklärte Günter Möller, Regionalmanager der Aktiv-Region. An der ebenfalls von den beiden Aktiv-Regionen geförderten, 25 000 Euro teuren Studie hatte sich auch Eutin mit 750 Euro beteiligt. Der Kreis Ostholstein als Projektträger hatte das Berliner Büro „autoBus“ beauftragt, das Ergebnis liegt seit Jahresbeginn vor.

In der nun geplanten vertiefenden Untersuchung solle der praktische Einsatz autonomer Busse vorbereitet werden. „Bearbeitet werden Fragen zum Fahrzeugsystem, zur Streckeninfrastruktur, zu Personalanforderungen, zu rechtlichen und zu Genehmigungsdetails“, sagte Möller. Im Ergebnis solle die Studie den beteiligten Kommunen und Institutionen eine Grundlage für die Entscheidung zum Einsatz der Busse liefern.

Autonome Busse könnte helfen, den 3. Regionalen Nahverkehrsplan des Kreises umzusetzen, in dem der verstärkte Einsatz flexibler Bedienformen vorgesehen ist. Derzeit werden laut Aktiv-Region 25 Prozent der Verkehrsleistungen als sogenannte Anruflinienfahrten betrieben, besonders, um kleinere Dörfer anzubinden. Dieses Angebot werde kontinuierlich ausgeweitet. Es betreffe Fahrten in den zeitlichen Lücken zwischen der Bedienung mit Linienfahrten (morgens und mittags, Schulverkehr), Fahrten in den Ferien, an den Wochenenden und in Bereichen, in denen die Besiedlung sehr gering ist. Es handelt sich dabei um Fahrten, die entweder die ganze Linie abfahren oder um Fahrten, auf denen nur Teilabschnitte gefahren werden oder neue sinnvolle Touren je nach Abruf. Kurzum: Autonom fahrende, elektrobetriebene Kleinbusse könnten in Zukunft die ÖPNV-Versorgung im ländlichen Raum sicherstellen.

Mit seinen Anstrengungen für das neue Mobilitätskonzept steht der Kreis Ostholstein unterdessen nicht alleine da. Erst im Juni stellte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) im nordfriesischen Enge-Sande den ersten autonom fahrenden Bus für Schleswig-Holstein vor. Dieser dreht dort auf dem Green-Tech-Campus Testrunden. Das vom Bundesverkehrsministerium mit rund 2,3 Millionen Euro geförderte Projekt ist im vergangenen Jahr gestartet und läuft noch bis Sommer 2020.

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