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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 10:36 Uhr

Malente : Schrebergärtner im Aufwind

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Zahl der leeren Parzellen in Malente nimmt wieder ab. Jung und Alt begeistern sich für Obst und Gemüse aus eigenem Anbau.

Malente | Die Sonne scheint, eine dicke Hummel brummt vorbei und im Hintergrund zwitschern die Vögel. Wer in diesen Tagen bei den Malenter Schrebergärtnern vorbeischaut, erlebt ein Frühlingserwachen. Und doch: Die Zeiten, in denen Gartenfreunde warten mussten, bis eine Parzelle frei wurde, sind vorbei. 69 Parzellen hat der Schrebergartenverein Malente, davon sind derzeit acht verlassen.

Inzwischen befindet sich die Anlage allerdings wieder im Aufwind. „Wir haben in den vergangenen Jahren einen Generationenumbruch erlebt“, berichtet Dr. Horst Neumann. Er war von 2004 bis 2011 Vorsitzender und sprang im März erneut in die Bresche, nachdem Harry Lohrke den Vorsitz wieder abgegeben hatte. Zwischenzeitlich war die Zahl der Mitglieder auf 85 gesunken, 14 Parzellen waren verwaist. „Inzwischen haben wir eine Reihe neuer Leute bekommen“, sagt Neumann. 92 Mitglieder sind es inzwischen. „Viele sind gerade in Rente gegangen und wollen was zu tun haben.“ So ging es dem 81-jährigen, promovierten Theologen Neumann, so ging es auch Manfred Becker, Neumanns Stellvertreter im Vereinsvorstand.

Der ehemalige Zivilangestellte der Marine ist seit Mitte 2013 dabei. „Ich bin in Rente gegangen, in eine Mietwohnung gezogen und konnte keinen Rasen mehr mähen“, erinnert sich der 68-Jährige. Über einen Bekannten sei er zu den Schrebergärtnern gekommen und dabei geblieben. Obwohl er keine Gartenerfahrung hatte, baut er jetzt mit Freude Obst und Gemüse an: „Alles, was schmeckt“, sagt Becker. Vorzugsweise Erdbeeren, Bohnen, Porree und Steckrüben. „Ich hatte das Glück, dass mir die Nachbarn geholfen haben.“ Er schätzt neben Sonne und frischer Luft bei der Gartenarbeit auch den Klönschnack. „Jeder kommt mal rein in meinen Garten.“ Bisweilen wird auch gegrillt oder zusammen Kaffee getrunken.

Die Pacht ist auch für weniger Betuchte zu verschmerzen, obwohl die Gemeinde sie vor einigen Jahren deutlich angehoben hat. Ein Quadratmeter kostet 20 Cent – im Jahr. Hinzu kämen 22,40 Euro für gemeinschaftlich genutztes Land.

Man muss nicht bis zur Rente warten, um einen Garten zu bewirtschaften, sagt Annette Soester. Die 49-Jährige arbeitet als Bürokraft, ist seit vier Jahren dabei und hat mit rund 500 Quadratmetern – die kleinsten haben 270 Quadratmeter – eine der größten Parzellen im Schrebergarten. „Für mich ist das Biologische wichtig und das Thema Bauerngarten“, sagt die Gartenbesitzerin. Neben Obst und Gemüse wachsen in ihrem Garten viele Blumen – etwa Bartnelken oder Wicken. „Es ist einfach schön, erholsam, ich kann mich austoben, habe mir das Fitness-Studio gespart“, schwärmt sie.

Und was ist mit den vielen Regeln im Kleingarten? Vielen gilt das Schrebergartentum ja als Hort von Kontrollfreaks, die jeden Grashalm überwachen. „Regeln sind da“, räumt Annette Soester ein, doch „ich empfinde das nicht als ständige Kontrolle“. Vorschriften würden in Malente „mit einem Augenzwinkern“ umgesetzt. Dazu gehört etwa, dass in jedem Garten zwei bis drei Obstbäume stehen sollen und zwar so, dass sie zusammen möglichst wenig Schatten werfen. Die Hütten dürfen nicht größer als 24 Quadratmeter sein, Gartenabfälle müssen kompostiert werden und mindestens ein Drittel der Parzelle muss für Obst und Gemüseanbau zur Verfügung stehen. Und jeder Pächter muss fünf Stunden im Jahr für die Gemeinschaft opfern. Etwa um die Wege in Ordnung zu halten, Rasen zu mähen oder den Vereinseigenen Spielplatz herzurichten.

Für Sven Drewlo ist das alles kein Problem. Der 25-jährige Verkäufer werkelt mit einem Parzellen-Nachbarn gerade an einem neuen Gewächshaus auf seiner Parzelle, die er seit wenigen Wochen gepachtet hat. Seine Eltern hatten einen Schrebergarten und die Eltern seiner Freundin haben noch einen. „Das kennen wir von klein auf“, sagt er. Schon jetzt freut er sich auf frische Gurken, Tomaten und Paprika, die er in seinem Gewächshaus züchten will.

 

 

>  Um für seine Sache zu werben, veranstaltet der Schrebergartenverein Malente am Sonnabend, 20. Juni, einen „Tag des blühenden Gartens“. Außerdem ist der Verein im Internet unter www.schrebergartenverein-malente.de vertreten.

 

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erstellt am 12.Apr.2015 | 12:00 Uhr

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