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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 01:19 Uhr

Schon acht Neue für die Ortswehr

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf freut sich über Zuwachs / Unterschriften fehlen noch / Gespräch mit dem Bürgermeister

von
erstellt am 04.Jan.2017 | 16:46 Uhr

Die Freiwillige Feuerwehr Majenfelde-Quisdorf hat im 81. Jahr ihrer Existenz den Kampf ums eigene Überleben aufgenommen – und ist auf der Siegerstraße. Gleich sechs potenzielle Kandidaten für den aktiven Dienst in der Wehr und ein „Wackelkandidat“ waren am Mittwoch zu einem lockeren Schnupper-Übungsabend ins Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhaus gekommen. Ein Interessent musste sich wegen Krankheit abmelden.

„Ich bin fast erschlagen und hoch erfreut zugleich“, zeigte sich der 32-jährige Ortswehrführer Benjamin Blöcker überwältigt. Damit hatte sich die viele Arbeit am Ende doch gelohnt. Vier Quisdorfer und zwei Majenfelder wollen mitmachen. Ein Quisdorfer überlegt noch. Tamina Arendt wird in diesem Jahr aus der Jugendwehr zu den Aktiven der Ortswehr Majenfelde-Quisdorf stoßen. Die 17-Jährige übernahm am Mittwochabend bereits selbstbewusst den ersten Ausbildungsabschnitt. Ein am Mittwoch noch erkrankter Interessent steht, so Benjamin Blöcker zufrieden, in den Startlöchern.

Jan Hansen (39), Landwirt aus Quisdorf, folgte dem Notruf der Wehr. Er lebt seit seiner Geburt in Quisdorf. Frau und Kinder gaben nun „grünes Licht“ für seine Mitwirkung in der Feuerwehr. Fuhrparkmanager Dirk Cramer aus Quisdorf ist bereits ausgebildeter Feuerwehrmann, war lange Jahre in Zarnekau dabei und will jetzt in seiner Heimatgemeinde wieder den blauen Rock tragen. Mitgebracht hat er auch seinen 16-jährigen Sohn Aaron, der schon Interesse als Atemschutzträger gezeigt hat. Und Aaron hat seine Freunde Justin Böttcher (16) aus Majenfelde und Lukas Schütz (16) aus Quisdorf mitgebracht. Die Auszubildenden und Schüler wollen zusammen ihre Freizeit sinnvoll gestalten und haben einfach „Lust auf Feuerwehr“. Übrigens: 16-Jährige dürfen mit Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten auch Mitglieder der aktiven Feuerwehr werden.

Mit dabei ist auch der 22-jährige Torben Stegemann aus Majenfelde. „Ich bin Student in Göttingen, hätte aber in den Semesterferien Zeit für unsere Feuerwehr.“ Er will versuchen seine Ausbildung zum Truppmann etwas länger zu gestalten. Der 50-jährige Frank Drückhammer aus Quisdorf überlegt noch. Er hatte vor vielen Jahren die Jugendwehr in Kleinmeinsdorf gegründet, kennt sich aus, ist jetzt aber schon einige Jahre raus aus der Feuerwehr. Als Landwirt habe er leider nur wenig Zeit für die Feuerwehr und wolle nur eintreten, wenn die Ortswehr auch erhalten bleibe und die Feuerwehren in der Gemeinde nicht von acht auf vier reduziert würden, wie von FDP-Gemeindevertretern in die Diskussion gebracht wurde.

Zeit ist für die Neuen allerdings erforderlich – zumindest in den ersten beiden Jahren. Die Ausbildung in Theorie und Praxis zum Truppmann wird etwa 24 Monate dauern.

Nach Austritten und durch Krankheit bedingte Ausfälle waren nur noch 14 Kräfte in der Ortswehr Majenfelde-Quisdorf aktiv. Fünf von ihnen allerdings wohnen schon gar nicht mehr in der Gemeinde Bosau. So sei eine Hilfsfrist von zehn Minuten nach der Alarmierung nur schwer zu erreichen. Und von den verbliebenen neun Aktiven sind tagsüber kaum noch welche in der Gemeinde Bosau anzutreffen.

18 Aktive benötigt eine Einsatzabteilung als Mindeststärke zur täglichen Verfügbarkeit. Gut wären in der Ortswehr neun weitere Mitglieder in der Reserve – also zusammen 27 Einsatzkräfte. 18 würden reichen. Doch nach dem Erfolg des Schnupper-Übungsabends ist die Gefahr einer Umwandlung in eine Löschgruppe, die Fusion mit einer Nachbarwehr oder die Auflösung wohl vom Tisch. Fehlen nur noch die Unterschriften. Die müssen bis 15. Januar vorliegen. Dann ist Stichtag, denn der Kreis Ostholstein hat für den Fall der Ortswehr Majenfelde-Quisdorf Druck gemacht. „Ich habe am 16. Januar ein Gespräch mit Bürgermeister Mario Schmidt und Gemeindewehrführer Andreas Riemke über die Zukunft unserer Ortswehr“, sagte Banjamin Blöcker jetzt hoffnungsvoll.

Noch im Dezember wurden 113 Frauen und Männer zwischen 16 und 60 Jahren aus Majenfelde und Quisdorf von Bürgermeister Mario Schmidt, Gemeindewehrführer Andreas Riemke und Ortswehrführer Benjamin Blöcker angeschrieben (der OHA berichtete). Es wurde auch mit persönlichen Hausbesuchen um einen Eintritt in die Freiwillige Feuerwerh geworben.

„Ich bin hoffnungsvoll, dass es gelingen wird, neue Aktive für die Freiwilligen Feuerwehren in der Gemeinde Bosau und besonders in Majenfelde-Quisdorf zu gewinnen“, sagte Bosaus Bürgermeister Mario Schmidt dem OHA. Er wolle den Prozess in Majenfelde und Quisdorf persönlich begleiten und lobte das hohe Engagement der dortigen Wehrführung.

Die letzte Entscheidung über die Zukunft der Ortswehr Majenfelde-Quisdorf wird auf der Jahresversammlung am Freitag, dem 3. Februar, getroffen. „Dann müssen die neuen Mitglieder schon am Tisch sitzen und beigetreten sein“, sagte Andreas Riemke.

Im OHA-Gespräch reflektierte Bürgermeister Mario Schmidt auch die Klagen aus den Reihen der Bosauer FDP, die Gemeinde gebe jährlich 300  000 Euro für ihre Feuerwehren aus. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre seien jährlich rund 110  000 Euro im Verwaltungshaushalt für die Feuerwehren der Gemeinde Bosau ausgegeben worden. „Hinzu kommen noch rund 15  000 Euro aus dem Vermögenshaushalt für die Beschaffung“, so Mario Schmidt. Er widerlegte damit von Ernst-Günther Schneider (FDP) genannte Zahlen.

Die 300  000 Euro kommen nicht einmal zustande, so Schmidt weiter, wenn man die Anschaffungen der vergangenen fünf Jahre dazu rechne: 2013 der Kauf eines neuen Fahrzeugs für Bosau (191  000 Euro) und 2016 das „neue gebrauchte“ Feuerwehrfahrzeug für Hassendorf (110  000) Euro. Alles in allem zahlte die Gemeinde Bosau im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre rund 185  000 Euro jährlich für ihre Feuerwehren. In diesem Jahr übrigens soll für Gemeindewehrführer Andreas Riemke ein Einsatzleitfahrzeug angeschafft werden. Kostenpunkt: rund 40  000 Euro.

 

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