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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 05:18 Uhr

Schöne Bescherung: Baumhaus muss weg

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Familie Kohnke in der Ahornstraße ist die Stimmung zum Fest verdorben / Das liebste Spielgerät der Kinder soll nach Klagen von Nachbarn abgerissen werden

Die bevorstehenden Festtage werden Emily (10) und Janne (6) als ein besonderes Weihnachten in Erinnerung bleiben. Nicht, weil sie etwas Außergewöhnliches geschenkt bekommen, sondern vielmehr weil sie kurz vorher erfahren haben, dass sie von einem geliebten Spielgerät Abschied nehmen müssen.

„Wir haben uns für den Abriss entschieden“, sagt Axel Kohnke (44), und seine Frau Natalie (35) pflichtet bei: „Die andere Lösung wird einfach zu teuer.“

Ausgerechnet in der Adventszeit fiel in der Familie der schwere Entschluss, ein Baumhaus abzureißen. „Die Kinder haben es über alles geliebt. Und ich fürchte, Janne hat es noch gar nicht realisiert, dass es weg muss,“ sagt seine Mutter.

Die Frage um Sein oder Nichtsein hing an einer Baugenehmigung. Ein Antrag mit Erfolgschancen war der Familie zwar von den Behörden in Aussicht gestellt worden – aber die Kosten für Architekt und Verfahren sind den Kohnkes einfach zu hoch: „Das können 1600 Euro werden,“ hat Natalie Kohnke erfahren.

Der Ärger mit dem drei Jahre alten Baumhaus markiert in der Ahornstraße die jüngste Etappe nachbarschaftlichen Drucks, in dem immer wieder das Baurecht als wirkungsvoller Hebel verwendet wird. Erst war es ein Holzschuppen, den Axel Kohnke nach Intervention von einer Nachbarpartei wieder abreißen musste, dann folgte, dass er einen Anbau an der Garage um die Hälfte zurückbauen musste. Danach erst begann die Aktion von immer der gleichen Partei, die sich gegen das Baumhaus richtete – und damit gegen die Kinder, worüber Natalie und Axel Kohnke besonders entsetzt sind. „Dabei halte ich die Kinder immer an, nicht zu laut zu sein und die Nachbarn nicht zu stören“, betonte Natalie Kohnke.

„Ein Baumhaus würde ich grundsätzlich als ein Spielgerät einschätzen,“ sagt Kreisbaudirektor Bernd Straßburger dem OHA. Doch ab gewissen Höhen und Dimensionen sei es kein Spielgerät mehr, sondern ein Bauwerk, das den baugesetzlichen Regelungen unterliege. „Im vorliegenden Fall, bei mehr als 30 Kubikmeter umbauten Raum und der Höhe von etwa fünf Metern, ist das leider so“, stellte Straßburger fest.

Die Konsequenz: Auch für dieses Baumhaus gelten Abstandsregelungen zum Nachbargrundstück. Und es müsste für ein Baugenehmigungsverfahren der Nachweis erbracht werden, dass die Statik stimmt – damit die Kinder nicht mitsamt dem Baumhaus „abstürzen“.

Zum dritten Mal sehen sich jetzt Kohnkes genötigt, den Forderungen der Nachbarn zu folgen. Axel Kohnke: „Die Kinder kriegen natürlich ein neues Baumhaus, kleiner und mit ausreichendem Abstand zum Zaun“. Und er ist gespannt, welche Initiative als nächste von jenseits des Zaunes kommt. Nach den Erfahrungen, die er in den vergangenen vier Jahren gesammelt hat, schwindet seine Hoffnung, dass nun in der nachbarschaftlichen Beziehung Ruhe einkehrt.

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erstellt am 23.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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