Malente : Schöffengericht als Streitschlichter

Ein Zimmermann und ein Hausbesitzer gerieten wegen einer Dachreparatur in Malente nachhaltig aneinander. Das Gericht schaffte es, die beiden zu versöhnen.

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28. Mai 2015, 17:00 Uhr

Beleidigung, Bedrohung, Erpressung und ein undichtes Garagendach: Das waren die Zutaten eines Strafprozesses gestern vor dem Eutiner Schöffengericht. Ein 51-jähriger fahrender Zimmermann und sein Kontrahent, ein 49-jähriger Hausbesitzer aus Malente waren sich in einem seit Jahren schwelenden Streit dermaßen in die Haare gekommen, dass der Vorsitzende Richter Otto Witt seine gesamte Überzeugungskraft in die Waagschale werfen musste, um die Auseinandersetzung zu befrieden.

Am Ende stellte das Gericht das Verfahren gegen den vor Gericht zunächst schweigenden Zimmermann vorläufig ein. Im Gegenzug verpflichtete sich der Mann mit Wohnsitz in Berlin, seinem Kontrahenten in fünf Raten 1500 Euro zu zahlen. Der verzichtete dafür auf eine laufende Schadenersatzklage gegen den Angeklagten, während der Angeklagte wiederum seine Anzeige gegen den Malenter wegen Falschaussage zurückzog.

Das Unheil nahm seinen Lauf, als im Dezember 2012 das Garagendach des Malenters kaputt ging. Zunächst habe eine Firma das Leck mit einer Plane provisorisch abgedichtet. Dann habe er den Zimmermann engagiert, damit dieser das Flachdach repariere – auf Empfehlung eines Bekannten, den er damals noch als väterlichen Freund angesehen habe, wie der Zeuge vor Gericht mehrfach betonte. „Ich war damals gutgläubig – naiv, dumm“, bedauerte der Frührentner, der auf Nachfragen des Verteidigers zu seiner psychischen Verfassung schnell außer Fassung zu geraten drohte.

2000 Euro Anzahlung habe der Zimmermann in bar kassiert. Zwar sei daraufhin auch etwas Material angeliefert worden, und an zwei Tagen habe der Mann auch gearbeitet, das sei es dann aber gewesen. „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Alle Versuche, den Zimmermann zum Weiterarbeiten zu bewegen, seien danach gescheitert. Am Telefon sei er brüsk zurückgewiesen oder angebrüllt worden. Erst im Mai 2013 habe der Angeklagte angeboten, weiterzuarbeiten, wenn denn sein Helfer aus Norwegen zurückkomme. Doch darauf habe er sich nicht mehr einlassen wollen, berichtete der Zeuge: „Ich wollte meine 2000 Euro wiederhaben, weil das nicht seriös ist.“

Da er den Wohnsitz des Zimmermanns nicht habe ermitteln können, habe er seine Ansprüche jedoch nicht anmelden können. Zufällig liefen sich die beiden Kontrahenten ein Jahr später in einem Malenter Getränkemarkt über den Weg. Auf das Geld angesprochen, habe der Angeklagte nur gedroht: „Ich solle mich vorsehen, sonst würde er mich zusammenschlagen.“ Als er im Auto davongefahren sei, habe er ihm noch den Stinkefinger gezeigt. Zu einem weiteren zufälligen Zusammentreffen kam es im Oktober 2014 an einer Bushaltestelle in Schönweide (Gemeinde Grebin), nachdem der Zeuge das Auto des Angeklagten erkannt und ihm hinterhergefahren war. Da habe der Zimmermann gedroht: „Sieh dich vor, ich bring dich um.“

Doch auch der Malenter war in seinen Äußerungen wohl nicht zimperlich: „Drecksau“ und „mieser gewissenloser Verbrecher“ zitierte Verteidiger Dr. Hendrik P. Fröber aus E-Mails, während der Urheber dieser Äußerungen seinerseits erklärte, zuerst mit Worten wie „Mistsau“ und „Nazisau“ bedacht worden zu sein.

Eine gegenseitige Entschuldigung für die Beleidigungen und die Rückzahlung der 2000 Euro, darauf könne er sich einlassen, erklärte der Zeuge auf Nachfrage von Richter Witt, womit die Sache für ihn aus der Welt geschaffen werden könne. Als Witt den Verteidiger darauf ansprach, brachte der zunächst nur ein entgeistertes „Was?!“ über die Lippen.

„Was ich vermeiden möchte, ist, dass aus dieser Geschichte eine Sache wird, die noch mehr Geld kostet“, erklärte Witt. Etwa eine halbe Stunde dauerte es, dann hatten sich die Parteien nach einigem Hin und Her doch noch geeinigt. Beide Männer entschuldigten sich noch im Gerichtssaal für ihre Äußerungen. Auch die Staatsanwaltschaft stimmte der Einstellung des Verfahrens gegen den Zimmermann zu. Sie sah in der Einigung offenbar die beste Möglichkeit, den Rechtsfrieden wieder herzustellen und weitere Prozesse zu vermeiden.

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