zur Navigation springen

Arbeitsmarkt in Ostholstein : Schlusslicht beim Lohnniveau

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Landesweit liegt das Einkommen in Ostholstein am niedrigsten. Der Fachkräftemangel ist in einigen Branchen auch hier angekommen

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Der Mangel an Nachwuchskräften wird seinen Höhepunkt zwar erst in vielen Jahren erreichen. Doch auf dem Arbeitsmarkt in Ostholstein zeigen sich bereits jetzt Anzeichen eines Fachkräftemangels. „Die Betriebe stellen sich die Frage: Finde ich eigentlich die Arbeitskraft, die ich gerade will“, erklärte der Lübecker Arbeitsagenturchef Wolfgang Werner gestern bei einem Rückblick auf das Jahr 2013. Er sprach daher von „strukturellen Diskrepanzen, die den Abbau der Arbeitslosigkeit verringert haben“.

Die Zahl der Beschäftigten stieg 2013 um 0,5 Prozent auf 53 862 (1993: 53 308) und damit auf das höchste Niveau der vergangenen 20 Jahre. Allerdings hätten Arbeitslose davon nur teilweise profitiert, weil ihre Profile oftmals nur unzureichend zur Arbeitskräftenachfrage passten. „Das Risiko, arbeitslos zu werden, war nach wie vor gering“, sagte Werner. Aber: „Wer arbeitslos wurde, hatte es schwerer, wieder einen Job zu finden.“ Das gelte etwa für die in Ostholstein starke Branche des Hotel- und Gaststättengewerbes.

Das werde sich auch in diesem Jahr nicht ändern. So
erwartet Werner zwar Zuwächse an Arbeitsplätzen
im Gesundheitswesen, bei der Altenpflege sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Doch: „Hier fehlen die passenden Arbeitskräfte, so dass neben der üblichen saisonalen Bewegung nur mit einem verhaltenen Rückgang der Arbeitslosigkeit zu rechnen ist.“

Die Arbeitslosenquote verharrte 2013 bei 6,5 Prozent und blieb damit unter dem Landes- und Bundesschnitt (jeweils 6,9 Prozent). Die Zahl der Arbeitslosen stieg geringfügig um 50 (0,8 Prozent) auf 6489. Dabei verzeichnete die Arbeitsagentur mit 2443 Arbeitslosen einen Anstieg um 4,1 Prozent. Karsten Marzian, Chef des Jobcenters Ostholstein, verbuchte in seinem Bereich dagegen die niedrigste Arbeitslosenzahl seit der Arbeitsmarktreform 2005. Hier sank die Zahl der Arbeitslosen um 1,2 Prozent auf 4046.

„Wir werden auch 2014 sehr stark auf Mobilitätshilfen setzen“, kündigte Marzian an. Seit Mitte 2013 habe das Jobcenter mehr als 200 Arbeitslose beim Erwerb des Führerscheins oder der Anschaffung eines Autos unterstützt. So gebe es für den Führerschein durchschnittlich 1000 Euro Zuschuss, für ein Fahrzeug 1500 bis 2000 Euro. Das sei überdurchschnittlich erfolgreich, sagt Marzian: „Über 70 Prozent derer, die wir gefördert haben, hatten ein halbes Jahr danach noch eine Beschäftigung.“ Bei der beruflichen Weiterbildung liege diese Quote lediglich bei 40 Prozent.

Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich in einigen Berufen bereits zu Gunsten der Arbeitnehmer verschoben. In nichtmedizinischen Gesundheitsberufen standen in Ostholstein beispielsweise nur noch rechnerisch 1,1 Arbeitslose je gemeldeter Stelle zur Verfügung. „Das ist im Grunde gar nichts“, sagte Werner. In den Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik waren es rechnerisch mit 1,2 Arbeitslosen kaum mehr. Auch in Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufen, Lebensmittelherstellung und -verarbeitung oder Gartenbauberufen gibt es immer weniger Bewerber pro Stelle. Die Folge: In den vom Bewerbermangel betroffenen Branchen dauert es sehr lange, offene Stellen zu besetzen. In den nichtmedizinischen Gesundheitsberufen stieg die Dauer 2013 gegenüber dem Vorjahr um 4 auf 102, in den Berufen der Mechatronik, Energie und Elektronik sank sie um 12 auf immer noch 78 Tage und bei den Gartenbauberufen stieg sie um 28 auf 67.

Vielleicht trägt diese Entwicklung ja dazu bei, das Lohnniveau zu heben. „Ostholstein ist in Schleswig-Holstein der Kreis mit den niedrigsten Einkommen“, erklärte Werner. So verdient ein Ostholsteiner, der eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle hat, mit einem mittleren Bruttogehalt nur 2391 Euro, landesweit sind es jedoch 2680 Euro. 3,7 Prozent (Land: 2,8 Prozent) verdienen weniger als 1000 Euro, 26,7 Prozent (21,8) zwischen 1000 und 2000 Euro. Über 4000 Euro verdienen dagegen nur 10,5 Prozent. Landesweit sind es mit 18 Prozent deutlich mehr.

Im Vergleich zu älteren Erhebungen habe Ostholstein schon ein wenig aufgeholt, sagte Werner. Doch einen großen Sprung erwartet er nicht. Dafür gebe es zu wenig verarbeitendes Gewerbe und auch nicht genügend Arbeitsplätze für Hochqualifizierte.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen