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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 21:31 Uhr

Schluss mit der Selbstabwertung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Stark besuchter Vortragsabend zum Thema „Resilienz – das Immunsystem der Seele“ in der sh:z-Veranstaltungsreihe „Fit fürs Leben“

Manchmal genügt schon ein kurzes Straffen der Körperhaltung, um sich und die Welt mit besseren Gefühlen wahrzunehmen. „Ich spüre mehr Energie“, sagte eine Teilnehmerin – genau die Selbstbeobachtung, auf die Katarina Weiher bei der von ihr angeleiteten Übung in der Kundenhalle der Sparkasse Holstein gezielt hatte.

Mal schlaff abhängend, mal schaukelnd, mal kerzengerade aufgerichtet – in wechselnden Positionen standen am Dienstagabend rund 160 Besucher minutenlang vor der Leiterin des Osterberg-Instituts. Und spürten bei jeder Veränderung ihrer Haltung in sich hinein, wie sich das auf ihr Selbstgefühl auswirkte – mit dem Ergebnis, dass zahlreiche Teilnehmer meldeten, beim Geradestehen „doch irgendwie besser drauf zu sein“.

Diese Erkenntnis gehörte zu dem vielseitigen Informationsmaterial aus Wort, Bild und Selbst-Erfahrung, das die Erziehungswissenschaftlerin Katarina Weiher und ihr Co-Referent Manfred Gührs zum Thema „Resilienz – das Immunsystem der Seele“ ausbreiteten. Ihr zweistündiger Vortrag in der Reihe „Fit fürs Leben“, die unser Zeitungsverlag mit dem Osterberg-Institut ausrichtet, lockte Zuhörer aus dem ganzen Land nach Eutin.

Bei der Begrüßung gestand OHA-Redaktionsleiter Hartmut Buhmann, dass ihm das Wort „Resilienz“ bis vor Kurzem unbekannt gewesen sei. Aber die damit bezeichnete Fähigkeit, sich von Widrigkeiten nicht unterkriegen zu lassen, sondern zu lernen, sich an den eigenen Fähigkeiten aufrichten zu können, sehe er als eine gesellschaftliche Entwicklungschance.

Die Referenten eröffneten vielfältige Einblicke in das persönliche Wohlfühl-Potenzial, das resiliente Menschen in sich frei setzen können. Dazu gehört vor allem die Abkehr von Glaubenssätzen, die viele von Kindesbeinen als innere Gewissheit mit sich herumtragen, zum Beispiel diesen: „Das schaffe ich nie, dafür bin ich zu ungeschickt.“ Oder: „War ja klar, dass mich mal wieder keiner gefragt hat.“

Manfred Gührs hat für solche permanenten Selbstabwertungen nur ein Rezept: Weg damit, raus aus der Opferrolle! Sprich: „Glaube nicht alles, was du zu denken gelernt hast.“ Denn bei genauerer Überlegung finde jeder heraus, dass ihm doch dieses oder jenes schon gelungen sei. Und dass der Blick auf das, was einen kleinen Schritt nach vorn bringen könne, die realistischere Perspektive sei als das ewige Schwarzsehen. „Umlernen ist möglich, selbst im hohen Alter“, verwies er auf Ergebnisse der Gehirnforschung.

Nachdrücklich plädierten Gührs und Weiher dafür, im Privaten wie im Beruf mit Negativ-Botschaften an andere vorsichtig umzugehen und mehr das Positive zu betonen. Die deutsche Manie, das Schweigen über Leistungen anderer als unausgesprochenes Lob zu werten, sei Gift für konstruktives Miteinander. Auf die Frage, welche Hilfe sich aus der Fähigkeit zur Resilienz angesichts der Weltbrandgefahr ableiten lasse, sagte Gührs: „Natürlich gibt es dafür Grenzen. Aber jeder sollte Verantwortung da wahrnehmen, wo er agieren kann.“ Die Geschichte zeige, dass immer wieder positive Kräfte wirksam würden, die mal ganz klein angefangen hätten.

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von
erstellt am 19.Nov.2014 | 13:37 Uhr

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