Eutin : Schluss am Schlossplatz

Das Ende des Museums Kreis Neustettin am Schlossplatz zeichnet sich ab: Rita Kennel wird die Tür Ende Dezember schließen.
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Das Ende des Museums Kreis Neustettin am Schlossplatz zeichnet sich ab: Rita Kennel wird die Tür Ende Dezember schließen.

Das Heimatmuseum schließt Ende Juni und muss bis Jahresende raus sein. Die Sammlung des Neustettiner Kreisverbandes wird verteilt.

shz.de von
30. Mai 2018, 12:25 Uhr

Nach 26 Jahren am Schlossplatz wird Schluss sein. Das Heimatmuseum Kreis Neustettin hat keine neue Bleibe gefunden. Die Sammlung wird aufgelöst. Das Museum verabschiedet sich am 30. Juni mit einer Feier.

„Dieser Beschluss ist uns nicht leicht gefallen, doch angesichts der Tatsache, dass die Räume des Museums zu räumen sind, gab es keine andere Wahl“, sagte Gesine Reinstrom, Vorsitzende des Neustettiner Kreisverbandes. Der Verein trägt das ehrenamtlich geführte Museum. Da keine erschwingliche Lösung gefunden werden konnte, beschlossen die Mitglieder am 21. April schweren Herzens die Auflösung der Sammlung. Der Verein bleibt vorerst bestehen, wie Reinstrom sagte. Die Mitgliederzahl von gut 40 sinke.

Ursprünglich hätte das Museum bis zum 31. August ausziehen müssen (wir berichteten). Doch die Stadt gewährte dem Verein auf dessen Bitte hin, eine Fristverlängerung bis zum 31. Dezember. Diese Terminverschiebung gebe ihnen Luft, nahezu alle Exponate in anderen Einrichtungen unterzubringen.

Gemäß der Vereinssatzung müsse alles an das Pommersche Landesmuseum in Greifswald gehen, das wolle aber nur einzelne Exponate haben. Deshalb werden, Reinstrom zufolge, die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, der Pommersche Greif in Züssow bei Greifswald und das Dorf- und Schulmuseum Schönwalde große Teile des Bestands übernehmen.

Das Schriftwerk des Heimatmuseums wird in den Bestand der Stiftung Martin Opitz übergehen. Deren Bibliothek will die Personendaten digitalisieren, und im Sinne der Gemeinfreiheit (70-Jahres-Frist) Interessierten zur Einsicht öffnen, wie Reinstrom erklärt. Was nicht nach Herne komme, nehme der Pommersche Greif. Das Museum in Schönwalde am Bungsberg wolle die landwirtschaftlichen und Haushaltsgeräte haben. An den genutzten Möbeln zeige ein maritimes Museum Interesse. Reinstrom freut sich, dass die Bundesstiftung Flucht, Vertreibung und Versöhnung den Bestand im Juni sichten wird.

Reinstrom wirkt seit 2016 federführend im Verein mit. 2017 wurde sie offiziell zur Vereinsvorsitzenden gewählt. Seitdem hat die 74-Jährige zahlreiche Hebel in Bewegung gesetzt, damit das Heimatmuseum eine Zukunft hat. Die Angebote, die der Verein erhalten habe, hätten Miete kosten sollen, die er sich aber nicht leisten könne. Umso dankbarer sei er über die mietfreie Zeit, die ihm die Stadt in der bevorzugten Lage schenkte. „Wir finanzieren uns allein durch Spenden“, sagte Reinstrom.

Andere Raum-Anfragen verliefen im Sande mit dem Hinweis, dass die Zeit von Heimatstuben vorüber sei. Ein Museum erlange seine Daseinsberechtigung durch viele Besucher, die bei der Erlebnisgeneration nicht mehr zu erwarten seien. Der Verein hatte 2017 der Stadt sein neues Konzept präsentiert: Das Aufbereiten und Präsentieren historischen und heutiger Fluchterfahrungen.

Reinstrom, die im Kreis Neustettin (heute Szczecinek) geboren und in der Lüneburger Heide aufgewachsen ist, rechnet mit der Schließung. „Doch noch hoffen wir auf ein Wunder und würden in dem Fall sofort eine Kehrtwende machen.“

Das Heimatmuseum Kreis Neustettin erinnert im Marstallgebäude am Schlossplatz an den früheren Kreis Neustettin in Hinterpommern, Polen. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten dort mehr als 85 000 Einwohner. Etliche von ihnen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Schleswig-Holstein ein Zuhause. Die Bevölkerung Eutins verdoppelte sich dadurch für einige Jahre. Eine Gruppe von ihnen lebte mehrere Jahre im Schloss Eutin.

Der Verein will sein Haus nicht sang- und klanglos schließen. Er lädt zum öffentlichen Abschied des Kreis-Neustettiner Heimatmuseums am 30. Juni um 14 Uhr an den Schloßplatz 1 ein.




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