EUTIN : Schloss wird zur Großbaustelle

Das Schloss bleibt weiterhin geöffnet – auch wenn die Bauarbeiten anderes vermuten lassen. Fotos: Alexander Steenbeck
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Das Schloss bleibt weiterhin geöffnet – auch wenn die Bauarbeiten anderes vermuten lassen. Fotos: Alexander Steenbeck

Nach Schäden im Gebäude: Fundamente werden neu gegründet, Risse saniert.

shz.de von
06. Dezember 2018, 18:10 Uhr

Es ist die größte sichtbare Baustelle seit den vergangenen Jahren am Schloss: Für die Stabilisierung der Grundmauern ist jetzt der Startschuss gefallen. „Wir müssen das Schloss auf ein solides Fundament stellen“, sagte Schlossherrin Brigitta Herrmann am Donnerstag bei der Vorstellung der anstehenden Arbeiten.

2,1 Millionen Euro hat das Land aus dem Infrastrukturmodernisierungsprogramm bereit gestellt. Den Löwenanteil – 1,9 Millionen Euro – fließen in die Gründung. Mit dem Restbetrag werden die Risse im Schloss saniert. Diese waren entstanden, da der Wassergraben für Bauarbeiten im Jahr 2007 zu lange leer gestanden hatte. „Da der Gegendruck des Wassers fehlte, hat sich das Fundament begonnen zu bewegen“, sagte Burkhard Beck-Broichsitter, Bauberater des Schlosses. Die Risse seien aber nicht sofort, sondern über einen längeren Zeitraum entstanden.

Da damals der Graben nicht wie geplant drei Wochen, sondern drei Monate trocken gelegt war, hatte das Schloss ob der entstandenen Schäden inzwischen gegen ein Firmenkonsortium prozessiert. Angesichts von Gerichtskosten und Co. „ist dabei aber wenig übrig geblieben“, sagte Beck-Broichsitter. Deshalb sei die Stiftung Schloss auch so froh über die Landesmittel. „Ohne die könnten wir jetzt gar nicht sanieren“, sagte Herrmann.

Da das Schloss von einem Wassergraben umgeben ist, gestalten sich die Bauarbeiten nicht einfach. Um mit den Spezialmaschinen an das Fundament des auf Lehm, Steinen und Eichenpfählen gegründeten Gebäude zu gelangen, kommen mit Sand und Steinen befüllte Plastiksäcke zum Einsatz. Jeder einzelne wiegt bis zu 1,5 Tonnen. Daraus ist bereits ein Damm quer durch den Schlossgraben gebaut worden. Die Säcke dienen auch als Gegendruck, damit das Schloss nicht noch mehr ins Wanken gerät – denn: „Die Grundsicherheit des Schlosses ist gefährdet“, konstatierte Beck-Broichsitter. Mit einem Bohrgerät werden bald rundherum in einem Abstand von 50 bis 80 Zentimetern Löcher ins Fundament gebohrt. Dann wir eine so genannte Bindemittelsuspension injiziert, damit dann das alte Material herausbefördert. Anschließend werde in die Löcher Spezialbeton gefüllt.

Während der Bauarbeiten könne es zu Lärm kommen, so Beck-Broichsitter. „Man wird sich aber noch auf dem Marktplatz unterhalten können“, sagte Beck-Broichsitter augenzwinkernd. Da auch von der Seite des Schloss-Parkplatzes her gearbeitet wird, fallen dort 35 der 100 Parkplätze weg. Zudem ist die Zuwegung mit schweren Stahlplatten abgedeckt, um Schäden durch Lkw-Verkehr zu verhindern.

Wenn die Arbeiten im März 2019 beendet sind, „muss der Gebäudekörper erstmal zur Ruhe kommen“, so Beck-Broichsitter. Bevor dann die Risse saniert werden können, vergeht wohl noch ein Jahr. Ab 2020 soll das Mauerwerk saniert werden, denn in der Zwischenzeit könnten sich weitere Risse bilden. Doch Beck-Broichsitter gibt Entwarnung: „Das Schloss wird schon nicht nicht umkippen.“

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