Haesoo Youn sang die Arie „Meine Seele hört im Sehen“ von Georg Freidrich Händel im Schloss.
Haesoo Youn sang die Arie „Meine Seele hört im Sehen“ von Georg Freidrich Händel im Schloss.

Eutin : „Schloss im Kerzenschein“ – ein Fest für alle Sinne

Vier Konzerte erklangen am Sonntagabend in den Räumen des Eutiner Schlosses. Studenten der Musikhochschule Lübeck spielten auf.

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29. Oktober 2018, 16:44 Uhr

Ein – im wörtlichen Sinne – Lichtblick erhellte die durch die Zeitumstellung früher eintretende Dunkelheit am Sonntagabend in Eutin. Die Veranstaltung „Schloss im Kerzenschein“ zog viele Menschen in die wunderschönen Räume des Schlosses. Studenten der Musikhochschule Lübeck unter der Leitung von Professor Manuela Uhl (Gesangsklasse) und Professor Konrad Elser (Instrumentalisten) zeigten ihr Können.

Vier etwa 20-minütige Konzerte erklangen in unterschiedlichen Räumen. Und wer es geschickt anstellte, konnte sogar ein besonders schönes ein zweites Mal genießen.

In der Schlosskirche gab es sechs deutsche Arien von Georg Friedrich Händel. Ursprünglich sollten es neun sein, aber aufgrund der Zeitvorgabe mussten sich die Musikerinnen auf sechs beschränken.

Junge Frauen mit beeindruckend guten Stimmen ließen das Publikum andächtig lauschen. Herausragend die Klarheit, Kraft und Mühelosigkeit von Nicola Meyer, die den Anfang machte. Auch Haesoo Youn überzeugte durch Leichtigkeit und Sicherheit in der Höhe in ihrem Vortrag. Jasmin Delfs überraschte mit einer für ihr Alter sehr reifen Stimme. Begleitet wurden die jungen Sängerinnen von Johanna Bechtel (Violine), Julian Haake (Cello) und Jason Alejandro Ponce Guevara am Klavier.

In dem kleinen Europazimmer drängten sich die Zuhörer, um das Bläsertrio „Klarisono“ zu erleben, das in kurzer Zeit ein breites Spektrum von Mozart bis Benny Goodman, mal im Duett – mal im Trio aufführte. Ungewöhnlich und eine Chance, den Klang der Klarinette in seiner ganzen Bandbreite einmal wirklich zu erleben. So ernteten denn auch Lina Kukulina, Strahinja Pavlovic und Ugné Varanauskaité großen Applaus.

Im gelben Salon spielte Sophia Maiwald die Chaconne aus der Partita Nr. 2 für Violine von Johann Sebastian Bach. Ernsthaft, beinahe entrückt musiziert sie allein vor dem gesamten Publikum, das sie über ihrer Musik, dem Hineinhorchen in die Töne ihres Instruments ganz und gar vergessen zu haben scheint, das aber intensiv und ganz gefesselt zuhört. Schade, dass Menschen, die auf den Gängen unterwegs sind, offenbar nicht bewusst ist, dass die Türen offen sind und so ihre Gespräche und Schritte erheblich stören können. Darauf Rücksicht zu nehmen, hat ja auch irgendwie mit Kultur zu tun.

Im Rittersaal schließlich gab es ein Trio für Klavier, Violine und Violoncello von Ludwig van Beethoven. Die Pianistin Yoko Kuwahara, der Violinist Wan Nyung Han Und die Cellistin Luise Frappier begeisterten ihr Publikum schon durch ihr freudvolles wie professionelles Zusammenspiel. Da gab es ungläubiges Kopfschütteln angesichts des überragenden Könnens der Pianistin, deren Finger mit traumwandlerischer Präzision und Leichtfüßigkeit die schwierigen Läufe bewältigten und auf manchem Gesicht zeigte sich ein seliges Lächeln. Die Freude an der Musik, der Einsatz des ganzen Lebens für die Profession – die 28-jährige Yoko Kuwahara spielt sechs Siebtel ihres Lebens Klavier und auf die Frage, was ihr das Klavier bedeute, zeigt sie spontan auf ihr Herz und antwortet: „Es ist ein Teil von mir“ – teilen sich dem Publikum unmittelbar mit.

Lebendiger kann das Schloss kaum sein: Voll von berührender Musik und interessierten Menschen, Innenhof und Räume fast ausschließlich mit dem warmen Schein von Kerzen beleuchtet, festlich geschmückt und kulinarisch mit schön angerichteten Tellern der Schlossküche bereichert. Da macht es auch nichts, dass viele Gäste während der Darbietungen stehen mussten, weil nicht so viele Stühle wie Horchende da waren. Vielleicht haben ja sogar die adeligen Damen und Herren, die niemals aus ihren Rahmen fallen dürfen, aber stets anwesend sind, das Fest für alle Sinne mit diesen jungen, begabten Musikern in ihren alten Mauern genossen.

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