Schlicht, aber mit Elektronik

Mit Kippschaltern werden einzelne Register gewählt, mit den kleineren ihre Kombinationen.
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Mit Kippschaltern werden einzelne Register gewählt, mit den kleineren ihre Kombinationen.

Die Orgel in der Maria-Magdalenen-Kirche in Malente hat eine Setzeranlage, eine frühe Form der Register-Programmierung

shz.de von
18. Juni 2018, 14:06 Uhr

Äußerer Schmuck ist bei der Orgel in der Maria-Magdalenen-Kirche in Bad Malente-Gremsmühlen rar. Das Instrument von 1972 besticht eher in seiner Schlichtheit. Erbaut hat es die Lübecker Orgelbaufirma Kemper (1868 bis 1981). Dunkel gebeizte Lamellen sitzen senkrecht vor dem Hauptwerk mit seinen großen Pfeifen. An der Empore davor sitzt das Rückpositiv, das Werk im Rücken des Organisten.

Die Orgel erinnert Antje Wissemann ein wenig an eine Hausorgel. Die Eutiner Kantorin hatte sich das Instrument ihres Kollegen Henning Rasch im Vorwege der Kirchen-Orgel-Radtour angesehen. Bei der Tour am Sonnabend fuhren 30 Interessierte mit Wissemann und Kirchenführerin Tomke Stiasny von Eutin nach Fissau, Neukirchen und Malente und ließen sich vier Orgeln vorstellen. „Die Mischung aus Kultur und Sport ist gut angekommen“, sagt die Musikerin mit A-Examen.

Nicht so alt und für den ein oder anderen auch nicht so schön wie das Instrument in der Neukirchener Kirche (wir berichteten), verfügt die Kemper-Orgel bereits über ein elektronisches Handregister und eine sogenannte Setzer-Anlage. Mit ihr lassen sich Kombinationen von Registern abspeichern und aufrufen. Für den Organisten fällt damit das nacheinander Auswählen mehrerer Register, zum Beispiel beim Begleiten des Gemeindegesangs zwischen zwei Strophen, weg. Der Spieler drückt stattdessen einfach einen Knopf oder tritt einen sogenannten Piston (Fußhebel) oberhalb des Pedals.

Das Instrument in der Malenter Kirche haut den versierten Organisten nicht vom Hocker: „Kemper-Orgeln klingen ein bisschen wie von der Stange“, sagt Wissemann. So zuverlässig das Instrument bei Gottesdiensten und Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen begleite, es fehle ihm – wie der Fissauer Orgel auch (wir berichteten) – die Grundtönigkeit. Das Innere der Maria-Magdalenen-Kirche ist „als Ort der Traumhochzeit der ‚Immenhof‘-Filme aus den Fünfzigerjahren“ bekannt, teilt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Malente in ihrem Informationsblatt mit. Die ursprüngliche Feldsteinkirche sei vor etwa 800 Jahren gebaut und später mit Ziegelsteinen ausgebessert und vergrößert worden. Der Backsteinturm ersetzte 1893 einen Holzturm von 1600. Bis dahin sei die Kirche ohne Turm gewesen.

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