Schlechtes Zeugnis für Stadtverwaltung

Niederschmetternder Prüfbericht des Kreises Plön über Arbeit in der Stadt Plön

von
03. Juli 2015, 15:28 Uhr

Buchungen ohne Belege, eine teilweise ungenügende Aktenführung, fehlende Erläuterungen, nur „halbherzig ausgefüllte“ Formulare, viel zu hohe Vermögensbewertungen und eine zweifelhafte Vorgehensweise bei einer mehr als drei Jahre verspäteten Inventur. Das sind nur einige Angaben zur Situation der Stadt aus dem alarmierenden Prüfbericht des Kreises Plön. Den hatte eine wenig erfreute Landrätin Stephanie Ladwig den Plönern vor ein paar Wochen persönlich „auf den Tisch geknallt“.

DieKernaussage des 134 Seiten umfassenden Prüfberichts: „Das Gemeindeprüfungsamt kann keine Aussagen über die aktuelle Finanzsituation der Stadt Plön treffen.“ 2008 habe es den letzten ordentlichen Haushalt der Stadt Plön gegeben. Dann kam die Umstellung auf doppische Haushaltsführung und es passierte offensichtlich nichts mehr. Erst vor ein paar Wochen wurde die dringend nötige Eröffnungsbilanz des Haushaltes 2009 in der Ratsversammlung genehmigt.

Jetzt fehlen noch fünf doppische Haushaltsabschlüsse. „Das Ausmaß ist im Vergleich zu anderen Kommunen nicht mehr vertretbar“, teilte der Kreis mit und forderte bindende Absprachen. Die hatte Bürgermeister Paustian – allerdings ohne Absprache mit der Ratsversammlung – schnell als erste Maßnahme vorgelegt. Es scheint drunter und drüber zu gehen.

Es ist kein Geheimnis: seit 2003 schon kommt die Stadt mit dem Geld im Haushalt nicht mehr aus. Für vier Jahre konnten wegen fehlender Haushalte die Anträge auf Fehlbetragszuweisungen noch nicht einmal geprüft werden. 2011 habe die defizitär wirtschaftende Stadt sogar auf einen Antrag verzichtet. „Die politischen Gremien sollten verbindliche Vorgaben definieren und überwachen“, lautet die Empfehlung des Kreises.

So hat sich Ende vergangener Woche der Personalrat der Stadt bei Thorsten Pfau (SPD) beschwert. Der hatte im Hauptausschuss mit Paustian „abgerechnet“. Der Personalrat wolle nicht mehr hinnehmen, dass auch die Mitarbeiter der Stadt so öffentlich hingestellt würden, dass sie „durch Untätigkeit und fehlende Fachkompetenz eine Mitschuld an der finanziellen Notlage der Stadt tragen“. Sie seien verletzt, getroffen und demotiviert. 
Seite 5
 

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen