Eutin : Schilf-Sterben geht weiter

Hinter dem noch intakten Zaun wachsen gesunde Schilfbestände im Großen Eutiner See heran.
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Hinter dem noch intakten Zaun wachsen gesunde Schilfbestände im Großen Eutiner See heran.

Wissenschaftliche Untersuchungen nicht fortgesetzt. Gefährliche Fallen auf dem Großen Eutiner See.

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29. Juni 2014, 08:00 Uhr

Schilf ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens auf dem Wasser. Es dient nicht nur der wirksamen Befestigung der Ufer. Schilf ist auch wichtiger Lebensraum für Fische, Insekten und Vögel. Doch der einst durch Versuche von Wissenschaftlern der Universität Hamburg mit Pflöcken und Draht eingebaute Schilfschutz verwittert. Die „Baustellen“ auf dem Wasser belegen jedoch heute, dass der Schutz des Schilfes auf diese Art wirksam ist, meint Eutins Fischwirtschaftsmeisterin Sabine Schwarten.

Prof. Dr. Kai Jensen von der Universität Hamburg leitete von 2005 bis 2009 die Forschungen am Großen und Kleinen Plöner See, Dieksee, Kellersee und Großen Eutiner See. Eingebunden waren Wissenschaftler der Universitäten Hamburg, Kiel und München. Die Kosten von zusammen rund einer halben Million Euro wurden von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie „Leader plus“ aus EU-Fördergeldern finanziert.

Sie stellten in einem Abschlussbericht fest, dass ein seit Jahrzehnten regulierter Wasserstand der „wichtigste Grund für den teilweise dramatischen Rückgang der Schilfbestände ist“. Neben den weitgehend festen Pegelständen stellten die Experten eine wachsende Beschattung von Ufern durch Baumbestände aber auch Wellenschlag und Treibholz als schädlich für Schilf fest. Und auch der Fraß durch Graugänse trage zum Schilfsterben bei - besonders im Großen Eutiner See.

Fünf Jahre dem dem Ende des Projektes ragen an einigen Stellen im Großen Eutiner See nur noch gefährlich wirkende Fragmente aus Pfosten und Draht aus dem Wasser. „Das Holz und die Drahtreste sind gefährlich für meine Fischerei“, fürchtete Sabine Schwarten, dass ihr Zugnetz in Mitleidenschaft gezogen werde. Besonders gefährlich seien die wissenschaftlichen Rückstände jedoch für Badende oder Tretbootfahrer, die plötzlich stoppten und so stehende Passagiere verlieren könnten. Die Spitzen des Drahtes könnten schlimme Verletzungen hervorrufen.

Zu beobachten ist, dass das Schilf hinter den maroden Zäunen auch nicht mehr wächst. „Hier haben Gänse seit dem vergangenen Jahr wieder das Regiment übernommen“, hat Sabine Schwarten beobachtet. Sie belegt damit die Untersuchungen, dass auch Gänse das Schilf abfressen und damit zurückdrängen. An einer anderen Stelle des Sees wird das Schilf weiterhin wirksam durch intakte Zäune geschützt und wächst natürlich meterhoch am Uferstreifen aus dem Wasser. Sabine Schwarten: „Hier hat sich ein gesunder Jahreszyklus entwickelt.“

Leider fühle sich keiner für den Erhalt der damals eingebauten Schilfzäune verantwortlich. Kreis und Land, so Sabine Schwarten, weigern sich beharrlich – bis etwas passiert.

Sabine Schwarten kritisiert, dass es ein Gutachten für eine halbe Million Euro gab, aber am Ende keinen Handlungsrahmen. „So verpuffen die Ergebnisse“, meint sie. Schilf biete Rückzugsmöglichkeiten für Aale, die zu den bedrohten Fischarten zählen. Anderen Fischen fehlten Laichreviere und Vögeln die nötige Deckung. Das Gutachten habe nichts erreicht, es sei nach dem ersten nicht der zweite Schritt gegangen worden.









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