Malente : Schabernack im weißen Talar

Sieben  ehemalige Messdiener trafen sich, aus Nostalgie teilweise im Ministrantengewand, in der St.-Marien-Kirche: (von links) Falk Ritter, Horst Salzborn, Gerd Grunenberg, Horst Groeger, Winfried Klemp, Peter Nelke und Jörg Montag.
1 von 3
Sieben ehemalige Messdiener trafen sich, aus Nostalgie teilweise im Ministrantengewand, in der St.-Marien-Kirche: (von links) Falk Ritter, Horst Salzborn, Gerd Grunenberg, Horst Groeger, Winfried Klemp, Peter Nelke und Jörg Montag.

Sieben ehemalige Ministranten erinnerten sich an ihre Zeit in der St.-Marien-Gemeinde vor mehr als 50 Jahren.

shz.de von
03. Juni 2014, 04:30 Uhr

Das war schon außergewöhnlich im protestantischen, hohen Norden: Nicht nur, dass zwölf Jugendliche Anfang der 50er, Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Katholiken einer Minderheit angehörten, sie engagierten sich dazu noch als Messdiener in der Malenter St.-Marien-Gemeinde. Über 50 Jahre später kamen nun sieben der damaligen Ministranten erneut in Malente zusammen.

Viele leben noch in Malente oder der näheren Umgebung. Allerdings sind nicht mehr alle Mitglieder der katholischen Kirche. Mit ihrer Zeit als Messdiener aber habe das nichts zu tun, im Gegenteil: „Es war eine besondere Gemeinschaft zwischen uns, ein sehr enger Zusammenhalt“, erinnert sich Dr. Falk Ritter, Organisator des Treffens. So eng war der Zusammenhalt, dass die Ministranten damals sogar eine eigene Pfadfindergruppe gründeten, als Gegenpart zu den evangelischen Pfadfindern. „Meine Mutter hatte uns extra blaue Hemden genäht. Dazu trugen wir dann Lederhosen“, erinnert sich Horst Salzborn schmunzelnd. Ganz klassisch aber sah das Gewand der 10- bis 15-Jährigen während der Messe aus: weißer Talar mit steifem Kragen.

„Damals wurde die Messe noch auf Latein gehalten und der Pfarrer stand mit dem Rücken zur Gemeinde“, schildert Winfried Klemp. Die idealen Voraussetzungen für Schabernack: Denn dass die jungen Ministranten sich während des Gottesdienstes den ein oder anderen Schluck Messwein genehmigten, das bekamen zwar die anderen Ministranten mit, nicht aber Pater Josef Honisch. Dem entging auch, dass seine jungen Helfer regelmäßig versuchten, durch besonders eifriges Weihrauchschwenken die älteren Damen in der ersten Kirchenbank benommen zu machen. „Das ist uns aber nie gelungen“, gibt Horst Groeger (vom Pater regelmäßig mit „Gregor“ angesprochen) zu. Überhaupt, das Weihrauchfass: Einmal, so erinnert sich Falk Ritter, seien die glühenden Kohlen aus dem Fass gefallen und quer über den Kirchenteppich gekullert. „Todesmutig habe ich die Kohlen dann mit bloßen Händen wieder eingesammelt.“ Und tatsächlich: Beim gemeinsamen Besuch der St.-Marien-Kirche entdeckten die früheren Messdiener keine Brandlöcher im Boden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen