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Vogelfluglinie : Scandlines kämpft um Erreichbarkeit der Fähren auf Fehmarn

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Bei den Plänen zum Bau des Fehmarnbelttunnels sieht sich die Reederei bei der Verkehrsanbindung benachteiligt.

Fehmarn/Kiel | Die Reederei Scandlines sieht sich auf der Vogelfluglinie durch die Behörden in Deutschland systematisch abgekoppelt. Der Vorwurf zielt darauf, dass die Straßenanbindung des Fährhafens wesentlich herabgestuft werden soll, wenn die Hauptverkehrsader auf den künftigen Fehmarnbelttunnel hingeführt wird. Das geht aus den Planfeststellungsunterlagen hervor, die die Tunnel-Gesellschaft Femern A/S mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr erstellt hat.

Die deutsch-dänische Fährgesellschaft Scandlines mit Sitz in Hamburg betreibt zwei kurze Ostsee-Fährrouten zwischen Deutschland und Dänemark – die Linie von Puttgarden nach Rødby und von Rostock nach Gedser.

Die Reederei will ihre Fähr-Route zwischen Puttgarden und dem dänischen Rødby für Autos und Lastwagen auch aufrechterhalten, wenn die feste Beltquerung dereinst eröffnet wird. „Die Autofahrer müssen die Möglichkeit haben, sich unvoreingenommen zwischen Tunnel und Fähre zu entscheiden“, sagt Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. „Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, darf die Zufahrt zu den Fährterminals nicht unnötig erschwert werden.“ So, wie die Entwürfe für die künftige Verkehrsführung auf Fehmarn aussähen, „kann von einer gleichwertigen Anbindung jedoch keine Rede sein“. Die Trassenplanung „greift substanziell in unseren Gewerbebetrieb ein“. Insbesondere bei ankommenden Fähren und dem dann konzentrierten Verkehrsaufkommen sei  die vorgesehene Anbindung nicht leistungsfähig genug.

Scandlines pocht bei seinem Protest nicht zuletzt auf eine Gleichbehandlung mit der dänischen Seite. Ursprünglich hatte auch dort die Absicht bestanden, die derzeitige Autobahn-Anbindung der Fährterminals in eine Landstraße mit mehreren Kreisverkehren umzuwandeln. Dies wurde inzwischen revidiert. „Alle die feste Belt-Querung im dänischen Parlament befürwortenden Parteien haben Verständnis dafür gezeigt, dass wir weiterfahren werden“, resümiert Ustrup Svendsen.

Nach Angaben des Kieler Verkehrsministeriums ist das letzte Wort zur Erreichbarkeit des Fährhafens Puttgarden noch lange nicht gesprochen. Nach Einschätzung von Staatssekretär Frank Nägele  ist es jedoch „jetzt zu früh, eine konkrete Aussage zu treffen, da die zukünftige Nutzung – durch wen und mit welchen Fahrzeugen und Mengen? – noch offen sei. Man könne die Anbindung „auch noch zu einem späteren Zeitpunkt durch eine so genannte Planänderung vor Fertigstellung optimieren“.

Darauf möchte sich Scandlines nicht vertrösten lassen. Das Unternehmen will seinen Einspruch bei den Erörterungsterminen zum Planfeststellungsverfahren Fehmarnbelt geltend machen, die heute in Kiel beginnen. Zum Auftakttermin kamen mehrere Dutzend Gegner des Großvorhabens, Planungsexperten und Vertreter der Projektgesellschaft.

In der dortigen Halle 400 wird bis einschließlich Mittwoch nächster Woche über die gut 3000 Einwendungen diskutiert, die von der Belt-Querung in Deutschland Betroffene geltend gemacht haben. Scandlines bringt dabei zwei alternative Vorschläge zur Anbindung des Fährhafens Puttgarden ein, die es auf eigene Kosten bei Verkehrsplanern in Auftrag gegeben hat.

Aus Sicht der Kritiker, darunter Umweltverbände und die Reederei Scandlines, ist der vorgesehene 19 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland unverhältnismäßig teuer. Zudem befürchten sie Gefahren für Natur und Tierwelt. Die Befürworter setzen auf wirtschaftliche Vorteile durch die schnellere Verkehrsverbindung.

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erstellt am 09.Nov.2015 | 07:56 Uhr

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