Sana-Übernahme: „Es ist eingeschlagen wie eine Bombe“

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23. Oktober 2018, 13:29 Uhr

Nicht nur die Mitarbeiter der Sana-Kliniken zeigten sich überrascht, auch die Politik schien überrumpelt, dass der Schweizer Krankenhausbetreiber Ameos zum Jahreswechsel die Sana-Kliniken Ostholstein übernimmt (wir berichteten). „Wir wussten gar nichts“, sagte Burkhard Klinke, Fraktionsvorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion. „Es ist eingeschlagen wie eine Bombe.“ Von der Übernahme der Sana-Kliniken erfuhren auch die Fraktionen des Kreises nach eigenen Angaben erst aus der Sana-Pressemitteilung am Montag. Eine „Geringschätzung der politischen Gremien“ nannte Timo Gaarz, Fraktionsvorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, diesen Umstand. Er verspricht sich vom neuen Träger Ameos indes eine bessere Kommunikation.

Verständlich, dass die Causa Ameos gestern auch im Hauptausschuss des Kreistages Thema war. Landrat Reinhard Sager (CDU) erklärte, dass der neue Krankenhausbetreiber in sämtliche Pflichten und Rechte eintrete. Nach seinem Kenntnisstand soll das Krankenhaus in Eutin saniert und die Mitarbeiter von Ameos übernommen werden. Was mit dem Standort auf Fehmarn passiert sei unklar: Ein Gutachten habe empfohlen, die Inselklinik durch eine ambulante Einrichtung zu ersetzen. Ob Ameos dies umsetze, müsse man abwarten, sagte Sager.

„Es hätte durchaus schlechter für Ostholstein kommen können,“ erklärte Timo Gaarz. Über den neuen Krankenhausbetreiber könne er nicht viel sagen: „Wir warten ab, was auf uns zukommt.“ Der neue Träger solle eine faire Chance erhalten. Er habe allerdings zur Kenntnis genommen, dass die Mitarbeiter den neuen Krankenhausbetreiber Ameos kritisch betrachten, sagte Gaarz.

Unterdessen wurden in den sozialen Medien negative Stimmen über die Übernahme der Sana-Kliniken deutlich. „Schlimmer geht immer“, kommentierte Jutti Zühlke. Michaela Fratzelhuber geht von schlechteren Arbeitsbedingen aus: „Weniger Geld und mit Sicherheit Stellenabbau.“ Auch Paulsen Peter befürchtet eventuelle Kürzungen des Gehaltes und negative Veränderungen der Arbeitsverträge. „Die Geschwindigkeit, mit der sich die Spirale generell im Gesundheitswesen abwärts dreht, dreht in Ostholstein um ein vielfaches schnelles!“

Auch der Kreisvorsitzende der SPD Ostholstein, Niclas Dürbrook, äußerte sich auf der Facebook-Seite des OHA: „ Jetzt zeigen sich erst im vollen Ausmaß die katastrophalen Folgen der Privatisierung, die von CDU, FDP und Grünen durchgepeitscht wurde.“ Im Hauptausschuss kritisierte Landrat Reinhard Sager die Äußerung von Dürbrook. Der polemische Charakter des Kommentares sei nicht angebracht, erklärte Sager. Dürbrook verteidigte seine Wortwahl und äußerte Bedenken, ob bei einer Aktiengesellschaft die medizinische Versorgung im Vordergrund stehe. „Es gab keine andere Möglichkeit, um die Versorgung in Ostholstein sicher zu stellen“, sagte Dr. Joachim Rinke, Fraktionsvorsitzender der FDP-Kreistagsfraktion, über die Privatisierung der Krankenhäuser vor 15 Jahren.

„Wir wissen alle nicht, was auf uns zukommt,“ sagte Monika Obieray, Fraktionsvorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion. Im Februar soll nach dem Beschluss der gestrigen Sitzung Michael Diekmann, Vorstandsmitglied bei Ameos, in den Hauptausschuss eingeladen werden, um weitere Informationen über die geplante Entwicklung zu erhalten.

Am Montag war bekannt geworden, dass sich die Sana-Kliniken AG als Anteilseigner aus der Region zurückzieht. Der Verkauf steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Kartellamts. Die Standorte Eutin, Oldenburg, Fehmarn und Middelburg/Süsel würden entsprechend den versorgungspolitischen Vorgaben fortgeführt, hieß es in der Pressemitteilung der Sana-Kliniken Ostholstein.

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