Sana-Chef Abel will schnell liefern

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Spätestens in zehn Wochen sollen dem Gesundheitsministerium Zahlen vorliegen, aus denen hervorgeht, ob ein Klinik-Neubau in Eutin sinnvoll ist.

shz.de von
11. Januar 2018, 15:24 Uhr

Kann die Eutiner Sana-Klinik noch saniert werden oder ist ein Neubau des erst 2002 fertiggestellten Krankenhauses mit 197 Betten sinnvoller? Diese Frage wollten die Sana-Kliniken Ostholstein so schnell wie möglich klären, versprach Geschäftsführer Klaus Abel gestern im Sozialausschuss des Landtags, der sich erneut mit der Situation der Sana-Kliniken im Kreis befasste.

„Wir liefern die Zahlen und können hoffentlich in acht bis zehn Wochen Neuigkeiten vermelden“, erklärte Abel. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sagte zu, das Ministerium werde auf den Sozialausschuss zukommen, sobald die Fachleute in seinem Hause die Zahlen geprüft hätten. Derzeit geht Sana von 70 bis 75 Millionen Euro Sanierungskosten aus, ein Neubau werde mit 83 Millionen Euro veranschlagt, sagte Abel. Er nannte als Zeithorizont für eine Sanierung 2025, für einen Neubau 2023/24.

Zwei Stunden lang befasste sich der von Werner Kalinka (CDU) geleitete Ausschuss mit der Thematik. Neben Abel kam auch Ostholsteins Landrat Reinhard Sager zu Wort. Der Kreis hält nach seinen Worten einen Minderheitsanteil von 5,2 Prozent an den Sana-Kliniken Ostholstein, aber nur, damit die Mitarbeiter weiter bei der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) versichert bleiben könnten. Aus dem operativen Geschäft halte sich der Kreis völlig heraus.

Abel präsentierte dem Ausschuss defekte Rohrleitungen, um das Problem der Klinik – über 100 Rohrbrüche bei Trinkwasser und Heizungsleitungen seit 2004 – zu illustrieren. Manche Leitung sei bereits beim Einbau beschädigt worden, andere schwächelten an gelöteten Rohrverbindungen. Außerdem führe schlechte Materialqualität zu Korrosion. Anfang 2004 habe Sana das Haus übernommen. Bis 2009 seien 22 Schäden registriert worden, deren Volumen habe aber unter 16 000 Euro gelegen. „Das waren also nur kleine Schäden“, betonte Abel.

Der damalige Chef der Ostholstein-Klinik, Andreas Tecklenburg, habe den Neubau geplant. Im Jahr 1999 sei beschlossen worden, die „Deutsche Anlagen-Leasing“ als Generalunternehmer mit dem Bau zu beauftragen, was zuvor bundesweit nur einmal praktiziert worden sei. Der Generalunternehmer habe mit der „Ostholstein-Kliniken Neubau Eutin“ und zwei weiteren Firmen eine Arbeitsgemeinschaft gebildet.

Die Bauabnahme sei am 6. September 2002 erfolgt und trage die Unterschrift des damaligen Klinik-Chefs Günter Zwilling. Schon damals seien offenbar Mängel wissend in Kauf genommen und verrechnet worden, schloss Abel aus dem Abnahmeprotokoll. Bei einer juristischen Prüfung sei 2011 festgestellt worden, dass sämtliche Gewährleistungsansprüche verjährt seien. Abel: „Als die massiven Wasserschäden auftauchten, war es leider zu spät.“ Großschäden von 2013 und 2014 in Höhe von drei Millionen Euro seien mit Hilfe der Versicherung saniert worden. Von 2015 an habe Sana über eine Million Euro in die Trinkwassernetze investiert. „Es ist nicht so, dass man da geschlafen hat, sondern 10 bis 15 Prozent des Trinkwassernetzes wurden saniert“, bekräftigte der Klinik-Chef.

In der Folge hätten die beauftragten Firmen dann aber erhebliche Brandschutzmängel wie vergessene Schottungen, fehlende oder zu dünne Brandschutzwände entdeckt. „Die Firmen haben dann gesagt, wir können das nicht mehr weiter sanieren“, schilderte Abel. Brandsachverständige hätten eine bauliche Lösung der Mängel als unmöglich angesehen. Deshalb habe Sana im November 2016 einen Baustopp verhängt, 2017 seien die Kostenschätzungen für eine Sanierung dann bekanntlich explodiert.

Man wisse zurzeit nicht, was an Feuchtigkeit und Belastungen in den Wänden stecke. „Wir leben zurzeit in einer Kapsel, in der die Patientenversorgung durch Latex-Tapeten und PVC-Beschichtungen sicher ist“, sagte Abel. Manches Ausschussmitglied fühlte sich durch diese Schilderung an eine „tickende Zeitbombe“ erinnert. Aufgrund von Luftproben sei man derzeit sicher, dass es keinerlei Einschränkungen für Patienten und Mitarbeiter gebe, versicherte Abel. Wie lange noch? Das wollte er nicht vorhersagen.

Der Klinik-Chef musste sich teils erneut Vorwürfe anhören. Wolfgang Baasch (SPD) sprach von „Missmanagement“, weil die Geburtshilfe in Oldenburg trotz der Schäden nach Eutin verlegt worden sei, Marlies Fritzen (Grüne) warf Sana vor, trotz bereitstehender Fördermittel nicht mit dem Bau eines für die Sanierung nötigen Bettenhauses begonnen zu haben, was Abel angesichts der unsicheren Situation zurückwies. Kalinka fasste die Lage so zusammen: „So viel steht fest: Wir haben ein echtes Problem.“ Birte Pauls (SPD) zeigte sich „fassungslos und genervt“. Sie warf Sana vor, Gewinne einzustreichen, Verluste aber dem Staat aufbürden zu wollen. Dem entgegnete Abel, Ostholstein sei für Sana „von Beginn an ein Verlustgeschäft“. Jährlich setze Sana eine bis anderthalb Millionen Euro zu.

Tatsächlich müsste Sana Sanierungen auf eigene Kosten vornehmen, während der Staat Investitionen, wie einen Neubau, trüge. Das gehe aus dem Krankenhausfinanzierungsgesetz des Bundes hervor, erläuterte Staatssekretär Matthias Badenhop.

Trotz aller Unsicherheiten, einen Klinik-Notstand in Ostholstein befürchtet das Gesundheitsministerium offenbar nicht. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die ganze Klinik nicht mehr nutzbar ist“, sagte die stellvertretende Leiterin der Abteilung Gesundheit, Silke Seemann. Sie gehe davon aus, dass die Situation beherrschbar sei.

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