Plön : Sammelleidenschaft endete vor Gericht

Ein Messersammler steckte ein Shirt ein und kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

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20. Oktober 2011, 10:09 Uhr

Plön | Zwischendurch verlor die Richterin ein wenig die Übersicht: Vier Messer hatte sie vorliegen, die alle einmal dem Angeklagten gehörten. Doch ausgerechnet das Messer, das der 35-Jährige beim Preetzer Schusterfest bei sich getragen haben soll, war nicht darunter. Und so wurde der Vorwurf des Tragens eines verbotenen Messers fallen gelassen. Trotzdem wurde der Angeklagte zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe vom Amtsgericht verurteilt. Allerdings wegen Diebstahls mit einer Waffe.

Er sammele Messer, für besonders schöne Stücke spare er auch mal eine Weile, erklärte der arbeitslose Mann. Am 2. März war es wieder so weit, in Kiel hatte er sich ein Einhandmesser, das man mit nur einer Hand öffnen kann, gekauft. Dummerweise aber ließ er es nicht in seinem Rucksack, sondern trug es in der Hosentasche.

Als er dann kurze Zeit später ein Shirt für 4,99 Euro einsteckte, von der Verkäuferin gesehen und von der Polizei gestellt wurde - da wurde aus dem Sammlerstück in der Hosentasche ein Diebstahl mit Waffe. "Ich war ein bisschen verwackelt im Kopf, denn ich hatte gerade neue Medikamente bekommen", erklärte der Preetzer, der über 20 Vorstrafen hat.

Lange habe er Probleme mit Drogen und Alkohol gehabt, schilderte er. Seine Frau und die Geburt der gemeinsamen Tochter hätten ihm geholfen, aus diesem Sumpf herauszukommen. Doch dann kamen die Trennung und ein weiterer Absturz.

Trotzdem sah die Richterin eine positive Sozialprognose bei dem 35-Jährigen und blieb mit ihrem Urteil an der untersten Grenze für bewaffneten Diebstahl. Denn glaubhaft versicherte der Angeklagte, dass er sein Leben ändern wolle. Sein Anker sei seine inzwischen drei Jahre alte Tochter. "Für sie möchte ich mir ein neues Leben aufbauen", sagte er. Er hoffe, das Gericht erkenne, dass er es bei seiner Lebensplanung ehrlich meine. Das tat es: "Ich glaube, dass sie wegen ihrer Tochter keine Straftaten mehr begehen werden", so die Richterin.

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