zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 12:18 Uhr

Salzburger Kaffee-Kultur in Eutin

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Marco Scharge und Anne Neumann sind die neuen Eigentümer des Weber-Cafés

Schon in diesem Sommer könnte ein Hauch von Salzburg und Prag der 20er Jahre durch Eutin wehen. Zumindest, wenn alles nach Marco Scharges Plan läuft. Seit fünf Monaten ist der Rastorfer gemeinsam mit seiner Frau Anne Neumann neuer Eigentümer des Weber-Cafés – dem Geburtshaus Carl Maria von Webers – in der Lübecker Straße 48. Sechs Jahre lang stand die einstige Bäckerei und Konditorei der Familie Schade leer. Jetzt soll das Weber-Café in neuem Glanz erstrahlen. Mit ihrer 15-jährigen Gastronomie-Erfahrung wird Anne Neumann das Zepter in die Hand nehmen. „Das ist Annes Ding“, erklärt Marco Scharge. „Mein Part wird eher der kaufmännische im Hintergrund.“

In der Uckermark geboren zog der 39-Jährige nach seiner Ausbildung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandel 2012 nach Kiel. „Dort habe ich meine Anne kennengelernt“, sagt Scharge lächelnd. Zwei Jahre später zogen die gebürtige Delmenhorsterin und der Baustoffhandel-Mitarbeiter in Rastorf bei Preetz zusammen. Doch hegten sie den Traum einer eigenen Immobilie samt Gastronomie, erklärt Marco Scharge. „Also haben wir im Internet recherchiert, rumgefragt, sind rumgefahren und haben uns Land und Leute angeguckt.“ Nachdem die Eigentümerin Irene Schade im vergangenen Jahr verstorben war, fiel das denkmalgeschützte Haus in den Verantwortungsbereich der Erbengemeinschaft. Diese bot das Haus über das Internet zum Verkauf an. „Wir waren einige Male hier, um uns das Haus anzusehen. Im September haben wir dann alles unter Dach und Fach gebracht.“

Seit einem Monat saniert Marco Scharge die Wohnung im Obergeschoss in Eigenregie. Ab Februar soll die dreiköpfige Familie unter dem Dach wohnen können. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun, denn mit einigen Sanierungsmaßnahmen des vergangenen Jahrhunderts kann sich der neue Eigentümer nicht anfreunden: „Die Wände waren mit Styropor beklebt und einfach übertapeziert. Die Decken waren mit Platten abgehängt und es wurden Trockenbauwände in die Räume gestellt, so dass alles sehr niedrig und verwinkelt war.“ Mit professionellen Handwerkern im Freundeskreis weiß Marco Scharge auch die Elektrik, Heizung und diverse Zimmerarbeiten des Weber-Geburtshauses in fachkundiger Hand. „Im nächsten Bauabschnitt konzentrieren wir uns dann voll auf das Café und die Küche.“ Eine grobe Orientierung bei der Inneneinrichtung böten dabei die 20er und 30er Jahre, erklärt der Groß- und Außenhandelskaufmann. „Es wird ganz klassisch mit viel Licht, Stühlen und Tischen, Vorhängen, ein bisschen Dekoration und vielleicht Polstermöbeln.“

Das Angebot des Weber-Cafés soll ein Frühstücksangebot und tagsüber kleine Snacks und Backwaren gegen den kleinen Hunger umfassen. Außerdem planen Marco Scharge und Anne Neumann einen Mittagstisch. „Es wird wechselnde klassische Gerichte wie man sie von zuhause kennt, wie Gulasch oder Rinderroulade, aber auch vegetarische und vegane, geben.“ Außerdem wird Anne Neumann während der Öffnungszeiten von 8 bis 18 Uhr Kaffee, Kuchen und Torte anbieten. Wichtig sind Marco Scharge und seiner Frau, dass sich die Gäste wohl fühlen: „Es soll wie eine gute Stube sein, die Menschen sollen hier eine gute Zeit verbringen.“ Außerdem möchten die Neu-Eutiner den hiesigen Kulturschaffenden mit dem wiedereröffneten Weber-Café eine Bühne bieten: „Wir können uns vorstellen, abends Lesungen oder kleine Ausstellungen hier zu veranstalten.“ Ein Kontakt zu dem Eutiner Kunstkreis bestehe schon. „Es heißt ja auch ,Kaffeekultur‘, also Kaffee und Kultur“, erklärt Marco Scharge.

Wenn sein Plan aufgeht und das Veterinäramt und der Brandschutz das fertig sanierte Gebäude abgenommen haben, kündigt Scharge an, könnte der Café-Betrieb mit Anne Neumann und einer weiteren Vollzeitkraft schon im Juni beginnen. Doch damit enden Marco Scharges Pläne noch nicht: Auch eine Bäckerei und Konditorei soll in dem Gebäude noch ihren Platz finden. „Und wir möchten Koch- und Backkurse anbieten. Dafür bieten sich die große Küche und die Backstube im Haus an“, so Scharge. Und auch für den Hinterhof hat er schon Pläne. Diesen möchte der gebürtige Templiner langfristig in einen kleinen Stadtgarten verwandeln, „in dem die Gäste dann im Sommer sitzen und ihren Kuchen essen können.“

Marco Scharge und Anne Neumann freuen sich auf ihre Zukunft in Eutin. „Wir haben uns die Stadt und die Leute angeguckt, und es hat auf Anhieb gepasst“, sagt Marco Scharge. „Hätte das Haus in einer anderen Stadt gestanden, hätten wir es nicht genommen. Hier ist die Luft noch etwas freier, und die Menschen sind klasse.“

zur Startseite

von
erstellt am 01.Feb.2017 | 15:24 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen