Salomon kündigt Ausstieg an

Höhepunkt der „Ära Frank Salomon“ war der Gewinn des Meistertitels in der Oberliga Schleswig-Holstein.
Höhepunkt der „Ära Frank Salomon“ war der Gewinn des Meistertitels in der Oberliga Schleswig-Holstein.

Manager und Trainer von Vorjahresmeister und aktuellem Spitzenreiter der Fußball-Oberliga, Strand 08, fühlt sich im Stich gelassen

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04. November 2018, 21:27 Uhr

Das Vorhaben Fußball-Regionalliga in Timmendorfer Strand ist gescheitert. Trainer und Manager Frank Salomon erklärte frühzeitig einen Verzicht auf eine mögliche Teilnahme an der Aufstiegsrunde und gab gleichzeitig bekannt, dass er zum Saisonende aussteigen wird. Sein Trainerkollege Daniel Safadi verließ den aktuellen Tabellenführer der Oberliga mit sofortiger Wirkung und übernahm bereits am Freitag das Traineramt beim Landesligisten FC Phönix Lübeck.

Sportlich läuft es für den NTSV Strand 08 in dieser Saison nach Plan. Souverän führt die Mannschaft die Tabelle an, hat sich frühzeitig für das Hallen-Masters qualifiziert und den Herbstmeistertitel gesichert. Trotzdem sitzt der Frust bei Salomon und Safadi tief. Sowohl seitens der Gemeinde als auch des eigenen Vereins spüren sie keinerlei Unterstützung für den Leistungssport in Timmendorfer Strand. In der vergangenen Saison sicherte sich Strand 08 nach einer beeindruckenden Serie den Meistertitel in der Oberliga-Schleswig-Holstein. Als sich der Erfolg im Januar abzeichnete und die Meldung zur Regionalliga erfolgen musste, warben Salomon und Safadi bei den Gemeindevertretern um Unterstützung für einen möglichen Regionalligaaufstieg. „Die Gemeinde hat damals 300 000 Euro für den Umbau der Strand-Arena genehmigt“, so Salomon. Trotzdem folgte aus Vernunftgründen der Verzicht auf eine Regionalligameldung. Die Infrastruktur war nicht ausreichend, das finanzielle Risiko war aus Sicht der Verantwortlichen zu groß. Im zweiten Anlauf sollte der Aufstieg mit größerer Unterstützung und besseren Voraussetzungen realisiert werden.

Entsprechend stellten Salomon uns Safadi die sportlichen Weichen und bastelten an einer regionalligatauglichen Mannschaft. Das gelang, Strand 08 befindet sich erneut auf Meisterschaftskurs, aber an den Rahmenbedingungen hat sich in den vergangenen zehn Monaten nichts getan. Als Beispiel nennt Salomon den Bau eines Kunstrasenplatzes, für den er bereits seit mehreren Jahren kämpft: „Wir mussten im letzten Winter nach Siems ausweichen, da in Timmendorfer Strand einfach nicht an einen Trainings- oder gar Spielbetrieb zu denken war. Im Januar haben wir diese Problematik deutlich angesprochen. Das Thema Kunstrasen sollte angegangen werden, es ist aber rein gar nichts passiert.“ Salomon hat kein Verständnis für diese Haltung: „Wir dachten, dass sich nach dem ersten Regionalliga-Verzicht etwas bewegen würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Trainingsbedingungen sind eine Katastrophe, wir müssen uns den Trainingsplatz mit Faustballern und Hockeyspielern teilen.“

Kritik üben Salomon und Safadi auch an der Pflege der Strand-Arena. Der Platz ist in einem schlechten Zustand, wird nicht richtig gepflegt und gemäht: „Selbst zu den Spitzenspielen haben wir einen Acker vorgefunden, gemäht wird, wenn wir ein Auswärtsspiel haben, das ist absurd.“ Das Trainergespann ist auch von der Kommunikation seitens der Politik enttäuscht. So wurde von der Gemeinde ein Arbeitskreis „Sportstätten“ einberufen, in dem es unter anderem um das Projekt Regionalliga gehen soll. Salomon und Safadi wurden dazu nicht eingeladen. „Die Bedingungen in Timmendorfer Strand lassen einfach keine Regionalliga zu“, ärgert sich Salomon.

Auch von Seiten des Vereins fehlt Salomon die Rückendeckung: „Vor 14 Tagen haben wir ein klärendes Gespräch mit dem Vereinsvorsitzenden und dem Sportwart geführt. Für den Verein macht es keinen Unterschied, ob es sich um die Oberligamannschaft oder die B-Klassen-Mannschaft handelt. Leistungssport ist denen egal.“ Safadi hat nach dem Gespräch seine Konsequenzen gezogen und erklärt, dass er zur Winterpause aufhört. Da die Trainerposition bei Phönix Lübeck vakant war, entschloss er sich zum sofortigen Wechsel, um mit den Lübeckern den Aufstieg in die Oberliga ins Visier zu nehmen. Salomon will dagegen das Projekt Timmendorfer Strand sauber zu Ende bringen: „Das bin ich den Spielern schuldig.“

Seit 2009 steht Salomon beim NTSV Strand 08 in der Verantwortung, hat die Mannschaft nach einem zwischenzeitlichen Abstieg zurück in die Schleswig-Holstein-Liga geführt, die Oberliga-Qualifikation geschafft und schließlich den Landesmeistertitel gewonnen. „In dieser Zeit hat sich vieles positiv entwickelt“, blickt Salomon zurück.

Er will alles dafür tun, dass die Mannschaft zusammenbleibt und die Saison wenn möglich mit der Titelverteidigung gekrönt wird: „Das wäre ein schöner Abschluss.“ Einen Ausverkauf im Winter will der Trainer vermeiden. Der frühe Zeitpunkt, Fakten zu schaffen, war für Salomon wichtig. Spieler, aber auch die konkurrierenden Mannschaften wissen somit, woran sie sind und können planen.

Frank Salomon lässt seine Fußball-Zukunft noch offen, betont aber, dass es noch keine aktuellen Pläne gibt: „Es ist nicht einfach etwas aufzubauen, wenn einem die Unterstützung fehlt. Das mussten wir hier erfahren, dass gilt aber auch in anderen Vereinen. Aus meiner Sicht hätte auch Arend Knoop in Eutin mehr Unterstützung verdient. Daniel Safadi und ich haben sehr viel Zeit und Energie investiert. Mich für einen anderen Verein zu engagieren, ist derzeit kein Thema.“

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