Sager: Kreisverwaltung macht gute Arbeit

„Ich bin gelassener geworden“, sagt Reinhard Sager über seine Amtszeit als Landrat.
Foto:
1 von 2
„Ich bin gelassener geworden“, sagt Reinhard Sager über seine Amtszeit als Landrat.

Die feierliche Amtseinführung durch Ministerpräsident Torsten Albig hat Reinhard Sager schon vor einem Monat erfahren. Offiziell aber beginnt seine dritte Amtszeit als Landrat in Ostholstein am 2. Juli 2015.

von
03. Juli 2015, 19:30 Uhr

Was war für Sie persönlich die bislang schwierigste Entscheidung im Landratsamt?

Sager: Die geplante, aber nicht finanzierte Gesamtschule als Provisorium nach Ratekau umzusiedeln, womit der Kreis Ostholstein immerhin rund 11 Millionen Euro eingespart hat. Auch die Privatisierungen beim ZVO und die der Kreiskrankenhäuser waren sehr komplex und unter Abwägung zahlreicher Aspekte zu entscheiden. Die Entscheidung für eine gemeinsame Sparkasse mit Stormarn gehört auch dazu; über die Stiftungen hat dies in den letzten Jahren große Vorteile für Ostholstein gebracht, beispielsweise für die Eutiner Landesbibliothek oder den Bungsberg.

Woran denken Sie in ihrer Amtsführung seit 2001 mit großer Zufriedenheit zurück – und woran mit tiefer Enttäuschung?
In meiner Amtszeit habe ich sehr viele leistungsstarke und unterstützende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schätzen gelernt. Es ist nicht immer hinreichend in der Öffentlichkeit bekannt, welche gute Arbeit in einer so facettenreichen Kreisverwaltung gemacht wird. Eine Freude ist es auch, wenn sich Bürgerinnen und Bürger bei mir persönlich melden, wenn es gelungen war, ihnen konkret in einer Sache zu helfen.
Von tieferen Enttäuschungen bin ich bislang gut verschont worden. Was mich allerdings stört, ist Unaufrichtigkeit in der Politik, die einem hin und wieder doch begegnet.

Zweimal wurden Sie direkt gewählt, jetzt hatte der Kreistag unter vier Kandidaten zu entscheiden. Wie haben Sie den Verfahrenswechsel erlebt?
Die Direktwahl war mir lieber, das jetzige Verfahren habe ich aber von Anfang an akzeptiert. Immerhin blieb mir ein zeit- und kostenaufwendiger Wahlkampf erspart. Und das Ergebnis ist mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit wie in 2001 und 2006 und damit für mich sehr erfreulich.

Wird der Kreis Ostholstein bis 2023 die Fehlbeträge im Haushalt ausgleichen und ohne Neuverschuldungwirtschaften können?
Bei einer anhaltend guten Konjunkturlage, niedrigen Zinsen und einer angemessenen Finanzausstattung des Kreises ist dieses Ziel nicht unrealistisch. Zuerst müssen die Fehlbeträge abgebaut werden, sodann die Schulden.

Rechnen Sie so fest wie Ministerpräsident Albig damit, dass Sie gegen Ende Ihrer bis Sommer 2023 währenden Amtszeit erstmals durch den Tunnel nach Dänemark fahren können?
Der konkrete Zeitpunkt der Eröffnung bleibt sicherlich abzuwarten. Ob der Tunnel tatsächlich im Jahr 2023 fertig gestellt werden kann, hängt zudem davon ab, ob es Klagen, beispielsweise von den Natur- und Umweltschutzverbänden, geben wird.

Wie schaffen Sie es, neben dem Fulltime-Job im Kreishaus auch die Aufgaben als Präsident des Dt. Landkreistages zu erfüllen?
Das Präsidentenamt ist ein Ehrenamt. Dies bedeutet, dass die meisten Aufgaben von unserer Hauptgeschäftsstelle erledigt werden. Erforderliche Abstimmungen mit mir erfolgen meist telefonisch oder per E-Mail. In Berlin bin ich eher weniger, und wenn ich unterwegs bin, ist Reisezeit gleichbedeutend mit Arbeitszeit.


Wie nervös sind Sie, wenn Sie in Spitzengesprächen der kommunalen Verbände der Kanzlerin Contra geben müssen?
„Nervös“ und „Contra“ sind hier nicht die richtigen Vokabeln. Dafür aber Respekt und natürlich eine gewisse Anspannung, denn mit der Bundeskanzlerin zu sprechen und kommunale, auch kontroverse Belange vorzutragen, ist ja nicht jeden Tag möglich.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Bundesregierung ihre Ankündigung wahr macht, ab 2018 fünf Milliarden Euro mehr an die Kommunen auszukehren?
Da besteht durchaus Zuversicht. Die Bundesregierung hat vorgeschlagen, mit den fünf Milliarden Euro die Kommunen zielgenau zu stärken und will die Voraussetzungen für eine sachgerechte Fortentwicklung der Aufgaben- und Finanzierungsverantwortung im  Sozialbereich  schaffen. Dies bedeutet, dass alle Kommunen in Deutschland unmittelbar entlastet werden. Das will ich auch.

2016 gibt es einen Wechsel an der Spitze der Polizeidirektion Lübeck. Befürchten Sie dann eine weitere Ausdünnung der Polizeistationen in Ostholstein?
Ganz unabhängig davon, wer den Chefposten bei der Direktion bekleidet, muss gelten: Die Polizei braucht Präsenz in der Fläche. So wie aktuell bei der Wasserschutzpolizei, werde ich mich weiterhin aktiv dafür einsetzen, dass dies so bleibt.


Der demografische Wandel begleitet als Dauerthema von Beginn an Ihre Amtstätigkeit. Sind Sie zufrieden mit dem, was Kreistag und Gemeindevertretungen dazu bisher an Handlungsaufträgen und Weichenstellungen beschlossen haben?
Wir sind aufgrund unserer Arbeit in der Kreisverwaltung gut vorangekommen. Mit der Schulentwicklungsplanung, den bereits geschaffenen Kita-Plätzen und der Kindertagespflege sowie mit der Krankenhausversorgung ist Ostholstein gut aufgestellt. Künftig gilt es, auch die haus- und fachärztliche Versorgung stärker in den Blick zu nehmen, einen bezahlbaren öffentlichen Personennahverkehr in der Fläche und beispielsweise Ausbildungsgänge an unseren Berufsschulen zu sichern.

Sehen Sie, allen Konsolidierungszwängen zum Trotz, doch noch eine Chance, die Elternbeteiligung an den Schulbuskosten ganz zu streichen?
Die Beteiligung der Eltern an den Schülerbeförderungskosten ist Fakt. Man könnte sie aufgeben, wenn an anderer Stelle mindestens gleich hohe Einsparungen vorgenommen oder die Einnahmen des Kreises erhöht werden.

Hätten Sie sich dafür eingesetzt, wenn die SPD dies als eine Voraussetzung dafür gefordert hätte, Ihnen die Stimme bei der Landratswahl zu geben?

Die SPD hat zu keiner Zeit Bedingungen für eine Unterstützung bei der Landratswahl gestellt; Stimmen von dort habe ich aber offensichtlich dennoch bekommen, was mich sehr gefreut hat.

Wie hoch wird Bayern München am 14. August den HSV schlagen?
1. Übermut tut selten gut. 2. Das nächste Spiel ist immer das schwerste und 3. Auch für einen knappen Sieg gäbe es drei Punkte.


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen