Ruhestand für den „Marktmeister“

Hat gut lachen: Plöns Marktmeister Harald Hohbein geht Ende des Jahres in den Ruhestand.
Hat gut lachen: Plöns Marktmeister Harald Hohbein geht Ende des Jahres in den Ruhestand.

Der 63-jährige Harald Hohbein aus Plön wird Ende Dezember selbst zum Marktbeschicker und schenkt Punsch zum Abschied aus

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25. November 2016, 14:59 Uhr

Die Lesebrille im Kragen eingehakt, schwarzer Ordner unter dem Arm – so schlendert Harald Hohbein über den Plöner Marktplatz. Unterhalb der Nikolaikirche stehen 34 Marktbeschicker, die der 63-Jährige besucht. Der Marktmeister organisiert den Wochenmarkt und kassiert für die Stadt das Standgeld. Und die Händler wissen: Harald Hohbein geht Ende des Jahres in Ruhestand. Davon zeugt ein Maßband mit der Zahl der Arbeitstage bis zum Ruhestand – ab heute wird er einstellig: neun Tage „netto“ noch – und der Rest von heute. Harald „Hobi“ Hohbein ist richtig gut drauf.

Geboren in Oberschlesien kam der gelernte Koch und Konditor im Laufe seiner Bundeswehrzeit in Glücksstadt 1973 zur Marineunteroffizierschule nach Plön, machte den Maatenlehrgang und war ein Jahr Ausbilder. „Hier bekam ich ersten Kontakt nach Plön“, erinnert sich Harald Hohbein aber auch an die Zeit, als es in Plön noch sechs Diskotheken gab.

Er lernte auch in Plön seine Frau Dörte kennen, die heute – wie er – bei der Stadt arbeitet, allerdings in der Schulverwaltung. Die gute technische Ausbildung bei der Marine war die Voraussetzung dafür, dass Harald Hohbein nach einem Vorstellungsgespräch bei Rüdeger Mätzig im Mai 1980 als Vorarbeiter bei der damals noch städtischen Müllabfuhr anfing.

Später leitete er die Müllabfuhr, baute die Stadtreinigung aus und übernahm die Hausverwaltung der städtischen Liegenschaften. Seit 2001 ist er für das Marktwesen, die Bewirtschaftung der städtischen Liegenschaften sowie das Versicherungswesen von Stadt, Schulverband, Ascheberg und Bösdorf sowie die Schlossgarage zuständig.

„Ich hatte stets zuverlässige Mitarbeiter und Kollegen“, blickt Hohbein zufrieden auf einen großen Zusammenhalt besonders in der damaligen „Akkord-Kolonne“ der Müllabfuhr zurück. Dabei habe er stets Rückendeckung der Verwaltung gehabt.

Auch als in der Rosenstraße bei der Müllabfuhr und Harald Hohbein als Fahrer aus Versehen einen Hund totgefahren hatte. „Ein anderes Mal musste aus dem Müllfahrzeug ein Zwiebelsack herausgefischt werden“, schmunzelt Hohbein. Darin hatte eine Frau Schmuck im Wert von über 100  000 DM versteckt. Sie hatten das ganze Fahrzeug entleert und den Sack am Ende gefunden. Als „Finderlohn“ habe es für jeden der Mitarbeiter 100 DM gegeben.

Nicht nur Harald Hohbein hat vielen Menschen helfen können, viele helfen auch ihm, dem Kumpel, immer gern weiter: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch wieder heraus“, weiß er nach seinem Arbeitsleben. Ein Radfahrer sei immer wieder vom Schlossberg über den Markt gerast. Als alles Bitten nicht half, er möge das am Markttag vermeiden, hätten Marktbeschicker ihn mit einem Besenstil, den sie durchs Vorderrad steckten, unsanft gebremst. „Da war das auch vorbei“, grinste Hohbein, der als Prellbock der Marktbeschicker zur Verwaltung auch mal wegschauen kann. Es schaffte es, dass der Wochenmarkt bei Beerdigungen nicht früher schließen muss, sondern respektvolle Ruhe herrsche.

Was Harald Hohbein fehlte: „Manchmal fehlt die Anerkennung der Arbeit durch die Politik.“ Das seien Politiker nicht nur am Jahresende den Mitarbeitern der Stadtverwaltung schuldig. Sie seien alle nur so gut, wie ihre Mitarbeiter in der Verwaltung.

Seinen letzten Tag, der 30. Dezember, wird der Marktmeister einen eigenen Stand auf dem Wochenmarkt haben. Mit dem Ausschank von „Kinderpunsch“ will er sich von den Marktbeschickern verabschieden. Die Mitarbeiter verabschieden Harald Hohbein in der nächsten Woche. Und dann? „Gesund bleiben, denn ich habe noch viel vor“, sprüht es aus Harald Hohbein heraus. Er wolle noch viel erleben aber auch „nichts mehr machen müssen“. Er werde Touren mit seiner BMW 1200 RS machen. Zur Freude seiner jüngeren Frau, die noch ein paar Jahre arbeiten muss, falle ihm als Koch Hausarbeit nicht schwer. Und: er will vielleicht wieder als Sportschütze schießen. 

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