Eutiner Aufklärungsbataillon : Rückkehr mit Ansage

Ein Portrait des ersten Kommandeurs, Oberst Werner Hermann, und sein bis heute geltender Leitspruch ziert das Büro von Tobias Aust. Fotos: achim Krauskopf
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Ein Portrait des ersten Kommandeurs, Oberst Werner Hermann, und sein bis heute geltender Leitspruch ziert das Büro von Tobias Aust. Fotos: achim Krauskopf

Tobias Aust: Der neue Kommandeur gehörte dem Eutiner Bataillon viele Jahre an.

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26. Juni 2018, 13:44 Uhr

„Er wird mal als Kommandeur zurückkommen“, bemerkte ein Unteroffizier vor neun Jahren bei der Verabschiedung von Tobias Aust aus dem Bataillon. Er sollte recht behalten: Anfang April hat der Oberstleutnant das Kommando über das Aufklärungsbataillon 6 „Holstein“ übernommen. Für ihn die Erfüllung eines Wunsches.

Der Sohn eines Unteroffiziers, 1977 in Lüneburg geboren, ging nach dem Abitur 1997 zur Bundeswehr. Die Panzeraufklärer in Ebern und Eutin waren ersten Stationen. Vier Jahre Studium der Staats- und Sozialwissenschaften von 2000 bis 2004 in München schloss er als Lehrgangsbester ab.

Als stellvertretender Kompaniechef der Panzeraufklärungskompanie 400 kam Aust 2004 für zwei Jahre wieder nach Eutin, wurde danach Adjutant des Kommandeurs in Neubrandenburg. Als die Eutiner im Frühjahr 2006 mit einem großen Kontingent unter dem Kommando von Stefan Leistenschneider in das nordafghanische Kundus verlegten, reiste Aust mit und saß in der Operationszentrale. Mit Blick auf einen da bereits absehbaren Einsatz als Kompaniechef in Afghanistan habe er sich vorbereiten und das Land kennen lernen wollen, erzählt er. Im Winterhalbjahr 2007/08 führte Aust eine gemischte Aufklärungskompanie, die in Masar-E Sharif stationiert war, einen großen Teil der Zeit aber in Kundus operierte. Das deutsche Feldlager war dort mehrfach unter Raketenbeschuss geraten.

Aust, der sich innerhalb wie außerhalb der Kaserne hohen Respekt und große Anerkennung erworben hat, verließ Eutin 2009 Richtung Bonn, absolvierte nach einem Jahr im Ministerium 2010 bis 2012 seine Generalstabsausbildung in Hamburg, ging anschließend wieder zwei Jahre nach Bonn. Eine einjährige Fortbildung in England, die Leitung des Stabes bei der Panzergrenadierbrigade 41 in Neubrandenburg, ein Einsatz im Kosovo und eine viermonatige Fortbildung in Rom waren die letzten Stationen vor der Rückkehr nach Eutin.

Diese verknüpfte er mit einem weiteren erfreulichen Ereignis: Aust heiratete seine Lebensgefährtin. Beide sind eine Wochenendbeziehung gewöhnt. Tobias Aust hat eine Wohnung mitten in Eutin gemietet, während seine Frau in Hamburg bleibt. „Ich möchte hier möglichst viel mitnehmen“, sagt der 40-Jährige, der die gute Einbindung des Bataillons in die Region kennt, schätzt und auch weiter pflegen möchte. Eine seiner ersten Entscheidungen: Der Hilgendorff-Pokal, ein militärisch-sportlicher Wettkampf der Kompanien, fand vor ein paar Tagen in Bad Schwartau statt und nicht auf dem Standortübungsplatz.

Der besondere Reiz der neuen Aufgabe: In seinem Metier tätig zu sein, als Aufklärer mit Leib und Seele. Dabei verschweigt Aust nicht, dass die Rahmenbedingungen in Hinsicht auf Ausstattung und Infrastruktur der Kaserne „schwierig“ sind.

„Aber es gehört zu den Eigenschaften dieses Bataillons, sich auf seine Fähigkeiten zu besinnen und aus allem das Beste zu machen“, sagt Aust, der nicht umsonst ein Portrait des ersten Bataillons-Kommandeurs, Oberst Werner Hermann, in seinem Büro hat mit dem bis heute geltenden Leitspruch: „Kinners: Wir sind nicht besser als die Anderen, wir sind nur anders.“ Aust ergänzt: „Wir machen einfach unser Ding. Und das möglichst gut.“

Zu den Herausforderungen für das Bataillon wie für die ganze Bundeswehr gehöre, sich wieder auf Fähigkeiten der Landesverteidigung zu besinnen. Die in den vergangenen 20 Jahren erworbenen Erfahrungen bei Auslandseinsätzen seien dabei wenig hilfreich: „Im Ausland geht es meistens darum, Präsenz zu zeigen. Bei der Landesverteidigung müssen Aufklärer ziemlich genau das Gegenteil können: sich perfekt tarnen.“

Neben einem Dauerauftrag in Afghanistan, wo das Bataillon in den kommenden drei Jahren ständig mit etwa 20 Soldaten vertreten sein wird, gehe es an die Vermittlung vieler klassischer Aufklärer-Fähigkeiten. Aust: „Mein Ziel ist, dass wir zuverlässiges Auge und Ohr der Panzerbrigade sind.“

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