Rückenwind für Gutachten zur 380-kV-Trasse

Bettina  Hagedorn
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Bettina Hagedorn

Bundestagsabgeordnete wenden sich an Bundesnetzagentur

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22. Januar 2018, 11:39 Uhr

Weite Teile der bisherigen Planungen hat das Gutachten, das der Kreis gemeinsam mit zwölf ostholsteinischen Kommunen zur geplanten 380-kV-Stromtrasse in Auftrag gegeben hat, auf den Kopf gestellt; gleichzeitig zeigte es auf, dass Erdverkabelung auf weiten Abschnitten der Strecke von Lübeck nach Göhl möglich sei (wir berichteten). Jetzt erhält das Gutachten Rückenwind von zwei SPD-Bundestagsabgeordneten aus der Region: Bettina Hagedorn (Foto oben) und Dr. Nina Scheer (Foto unten) fordern den Präsidenten der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, auf, Stellung zu beziehen. „Wie schätzt die Bundesnetzagentur unter Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse zum Netzausbaubedarf die Planungen bei der Ostküstenleitung und mögliche Anpassungen ein?“, heißt es in dem Schreiben, das dem OHA vorliegt. Im Sinne der Akzeptanz der Energiewende seien sowohl Planungsunsicherheiten als auch offensichtliche Fehlinvestitionen zu vermeiden, heißt es in dem Schreiben weiter. „Umso wichtiger erscheint uns, dass Vorhaben zum Netzausbau mit gesicherten Erkenntnissen in Abgleich gebracht werden“, formulieren es Hagedorn und Scheer.

Die Gutachter, Prof. Dr. J. Lorenz und Prof. Dr. Heinrich Brakelmann, hatten mehrere Kabelvarianten auf der Basis von 110-kV- und 380-kV- Leitungen untersucht, wobei sie sich kritisch mit den derzeitigen Ausbauplanungen zur Tennet-Trasse befassten und alternative Umsetzungsvorschläge machten. Ihr Fazit: Die von Netzbetrieber Tennet geplante Ostküstenleitung sei überdimensioniert und stelle eine überflüssige Belastung dar.

Inzwischen bekräftige sogar ein weiteres Gutachten – das von der Agora Energiewende gGmbH erst kürzlich vorgestellt wurde – das Fazit des ostholsteinischen Gutachtens und stelle die anvisierten Netzausbaumaßnahmen in Frage, so Hagedorn und Scheer. „Zudem wird darin auch die Bundesnetzagentur ausdrücklich zum Handeln aufgefordert“, sagte Hagedorn.

Der Bedarf und die technische Umsetzung der Ostküstenleitung war bereits in der Vergangenheit wiederholt kontrovers diskutiert worden. So war die Trasse zunächst als 380-kV-Freileitung vorgesehen. Im Zuge der Aktualisierung des Bundesbedarfsplangesetzes wurde das Bauvorhaben 2016 als ein neues Pilotprojekt für Erdkabelung eingestuft. 2022 könnte gemäß aktuellem Planungsstand das Gesamtprojekt in Betrieb gehen.

„Fraglich ist, inwiefern bei den Bedarfsplanungen für die Ostküstenleitung aktuelle Bewertungen berücksichtigt werden müssten“, schreiben die beiden Bundestagsabgeordneten.

Hagedorn zeigte sich indes verwundert über die Zurückhaltung des Kieler Umweltministers Robert Habeck. Dieser hatte „recht verhalten auf das ostholsteinische Gutachten reagiert“, sagte Hagedorn, die die Ausarbeitung der beiden Wissenschaftler hingegen als „extrem seriös“ bezeichnete. Und betonte: „Wir brauchen so viel Leitungskapazität wie möglich, aber nur so viel wie nötig.“


Das Gutachten ist online abrufbar unter www.kreis-oh.de/media.




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