Eutin : Rucksack voller Hasch „verloren“

19-jähriger Eutiner wollte erst einer Verurteilung als Drogendealer entgehen, rang sich aber dann doch zu einem Geständnis durch.

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14. Februar 2018, 14:26 Uhr

In die Rubrik „Dumm gelaufen“ dürfte der Vorfall gehören, der einem 19-jährigen Eutiner eine Verhandlung gestern im Amtsgericht eingebracht hat: Er hatte im April seinen Rucksack verloren – mit persönlichen Papieren darin, aber auch mit fast 100 Gramm Cannabis.

Amtsrichter Otto Witt verurteilte den jungen Mann zu 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Vorher gelang dem erfahrenen Juristen, die Prozessökonomie zu fördern und damit Geld und Arbeitszeit zu sparen.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war klar, dass dem jungen Mann, der zurzeit an einer berufsvorbereitenden Schulungsmaßnahme teilnimmt, das Rauschgift gehörte. Bei so viel Haschisch mit einem Schwarzmarktwert von rund 1000 Euro geht der Gesetzgeber nicht mehr von einer „geringen Menge für den Eigenbedarf“ aus.

Doch der junge Mann war nicht gewillt, sich wegen Drogenhandels verurteilen zu lassen. So räumte er vor Gericht zwar den regelmäßigen Konsum von Marihuana ein, er habe aber nicht damit gehandelt. Im übrigen habe er im Oktober vergangenen Jahres das letzte Mal gekifft und befinde sich aktuell wegen Drogen- und übermäßigen Alkoholkonsums in einer ambulanten Therapie.

Zur Geschichte mit dem Rucksack berichtet der 19-Jährige, dass er am 5. April mit Bekannten zusammen am Kleinen See gefeiert und dabei seinen Rucksack verloren habe. Er habe das relativ schnell gemerkt und ihn auch gesucht, aber nicht gefunden. Eine Nachfrage beim städtischen Fundbüro ein paar Tage später sei ebenso erfolglos geblieben. Nach einigen Wochen dann, so seine Erinnerung, sei er über den Fund des Rucksacks informiert worden, auch über dessen brisanten Inhalt – verbunden mit der Einleitung eines Strafverfahrens.

Entdeckt worden war der Rucksack nicht in der Nähe des Kleinen Sees, sondern auf einem Parkplatz an der Lübecker Landstraße. Er habe keine Ahnung, so der Angeklagte, wie sein Rucksack dorthin gekommen sei, und noch weniger, wer 100 Gramm Cannabis hinein getan habe.

Zur Bestätigung seiner These, dass ihm die Drogen nicht gehört hätten, hatte der 19-Jährige seine Bekannten als Zeugen benannt, mit denen er am besagten Tag unterwegs war. Allerdings hatte er, wie Richter Otto Witt feststellte, dem Gericht keine Adressen übermittelt, weshalb sie nicht offiziell als Zeugen geladen werden konnten.

Über die Mobilfunk-Plattform Whatsapp habe er seine Bekannten an den Termin der Verhandlung erinnert und sie gebeten, zu kommen, schilderte der junge Mann. Indes: Es war keiner der vermeintlichen Zeugen da.

Da der Angeklagte den Besitz des Rauschgiftes nicht zugebe, die Beweisaufnahme mit Hilfe von Zeugen an einem weiteren Verhandlungstag erfolgen, stellte Amtsrichter Witt fest – und bot „außerhalb des Protokolls“ einen Weg an, wie man ohne diesen Aufwand zu einem Ende des Verfahrens kommen könne, das auf beiden Wegen vermutlich gleich aussehen werde: Angesichts der Entwicklung, die der junge Mann mit Schulung und Therapie genommen habe, drohten ihm bei einer Verurteilung 50 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Verwarnung nach dem Jugendstrafrecht.

Nach einer Sitzungspause und einer Beratung mit seinem Anwalt rang sich der 19-Jährige doch dazu durch, den Besitz des Rauschgiftes zuzugeben. Otto Witt verwarnte den bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen junge Mann, der nach seinem Hauptschulabschluss noch keinen Beruf erlernt hat, zu den 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit, verbunden mit dem Hinweis, dass ihm bis zu vier Wochen Arrest drohten, wenn er diese Auflage nicht erfülle. Witt erließ dem 19-Jährigen auch noch die Verfahrenskosten. Sowohl der Verurteilte als auch die Vertreterin der Anklage erklärten, dass sie das Urteil akzeptieren, womit es rechtskräftig ist.

Der Richter verband mit der Strafzumessung die Anerkennung für den Versuch des 19-Jährigen, sein Leben in den Griff zu bekommen. Seit seinem 16. Lebensjahr habe er regelmäßig Alkohol konsumiert, berichtete der junge Mann, der laut Aktenlage auch unter psychischen Problemen und psychosomatischen Erkrankungen leidet. Mit dem Verzicht auf Alkohol und Drogen habe er ja begriffen, wo er ansetzen müsse, stellte Witt fest.

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