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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 13:54 Uhr

Roter Teppich für Fußgänger

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Wie kann die Lebensqualität in Eutin gesteigert werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Veranstaltung „Happy City“

shz.de von
erstellt am 23.Nov.2015 | 00:32 Uhr

„Der Stadtgraben“, schwärmt Angelika Schlansky, „hat eine tolle Aufenthaltsqualität“. Doch die Vollendung ihres Satzes dürften Freunde einer lebenswerten Stadt wie einen Schlag in die Magengrube empfinden: „...für Autos, nicht für Menschen“. Die Stadtplanerin aus Bremen ist am Sonnabendnachmittag in Eutin zu Gast. Im Ostholstein-Saal des Kreishauses hält sie bei der Veranstaltung „Happy City – Weiterentwicklung durch Gestaltung“ vor etwa 60 Teilnehmern einen Vortrag über Aufenthaltsqualität und Bewegungsfreiheit.

Eingeladen hat die Stadt – gemeinsam mit der Lebenshilfe Ostholstein, an deren Bündnis „Ostholstein erlebbar für alle“ Eutin sich beteiligt. Hintergrund ist die „größte Sanierungsmaßnahme“ der Stadt in ihrer jüngsten Geschichte – ausgelöst durch die Landesgartenschau im nächsten Jahr, gesteuert durch das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Isek). Die Veranstaltung soll dem Ziel dienen, Eutin erlebbar für alle zu machen, Bewegungsfreiheit und Lebensqualität zu optimieren und Prozesse für eine lebendige Stadt zu verankern. „Wie kann sich die Stadt so entwickeln, dass alle zufrieden sein können?“, fragt Bauamtsleiter Bernd Rubelt.

Bevor die Zuhörer selbst in vier Workshops aktiv werden, führt Angelika Schlansky den Anwesenden, darunter neben mehreren Stadtvertretern auch Landrat Reinhard Sager und Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz, noch einige Beispiele für Verbesserungspotenzial vor. Auf einem Schnappschuss in der Königstraße wimmelt es vor Aufstellern, einer steht mitten im Weg. „Ich denke, dass Schautafeln verboten werden sollten. So geht es nicht“, sagt die Planerin. Wer blind sei, bleibe daran hängen.

Die Riemannstraße zwischen Voßeck und Holstenstraße wirke mit ihren vielen Leerständen öde, und Tempo 50 sei hier „absolut unangemessen“. Das Voßeck sei „eigentlich wunderschön“, doch beeinträchtigt von den vorbeifahrenden Autos, und es gebe keine Sitzgelegenheiten. Die Plöner Straße sei zwar „architektonisch wunderschön, aber die breite Asphaltfläche fühlt sich nicht gut an“. Auch der vordere Teil der Albert-Mahlstedt-Straße wirke „öde und leer“.

Ein Perspektivwechsel sei angesagt, fordert Angelika Schlansky. Städte dürften nicht aus der Windschutzscheibenperspektive betrachtet werden. „Es wird Zeit, dass wir dem Fußgänger den roten Teppich ausrollen“, fordert sie. Die Flächen der Stadt sollten nicht in erster Linie dem Parken und Fahren dienen, sondern für das Gehen und sich Aufhalten umgestaltet werden.

Wie das – langfristig – gelingen kann, belegt sie mit eindrucksvollen Bildern aus Kopenhagen. Zwar könnten nicht alle Straßen und Plätze fußgängerfreundlich gestaltet werden, aber es sollte zumindest ein Netz solcher Straßen geben, das die ganze Stadt überziehe. Dafür müsse Schritt für Schritt ein Bewusstsein geschaffen werden, sagt Angelika Schlansky. „Das geht am Besten mit Bürgerversammlungen wie hier.“

Bernd Rubelt zeigt sich im Anschluss an die Workshops, in denen es um Barrierefreiheit, Bürgerbeteiligung, Fußwegachsen und ein Kinderwegekonzept geht, zufrieden: „Wir haben viele Rückmeldungen von Ihnen bekommen.“ Die Ergebnisse der Workshops werde die Stadt ins Internet stellen, kündigt Rubelt an.

Ein Ergebnis formuliert Workshop-Leiterin Lena Middendorf sofort: „Es ist sinnvoll, Experten in eigener Sache zu holen, wenn es um Barrierefreiheit geht“, sagt die Koordinatorin des Projekts „Ostholstein erlebbar für alle“. So könnten Menschen mit Behinderungen direkt äußern, welche Wünsche sie bei der Stadtgestaltung haben.

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