Rosafarbene Schreitvögel

In der Natur: Flamingos in der Camargue. Fotos: Jürgensen/dpa
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In der Natur: Flamingos in der Camargue. Fotos: Jürgensen/dpa

    Flamingos – Blickfang in jedem Zoo / Ihr Markenzeichen   ist der abwärts geknickte Schnabel     

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17. Oktober 2018, 11:27 Uhr

Warum sich ein afroamerikanisches Gesangsquartett 1952 in Chicago den
Namen „The Flamingos“ zulegte, ist kaum erklärlich, auch nicht durch ihren Musikstil „Doo-Wop“, der Nonsens-Silben verwendete und als „Street-Corner-Musik“ bezeichnet wurde.

Bei dem Besuch eines Zoos gehört der fesselnde Besucherblick einer Vogelart, die durch ihre Zeichnung und ihr auffälliges Verhalten ein „Eye-catching“ besonderer Art bedeutet. Die wunderschöne Rotfärbung des Gefieders der Flamingos basiert auf ihre sehr spezialisierte Ernährungsweise, die sich in ihrem markanten Schnabel widerspiegelt. Sie suchen hauptsächlich im brackigen Salzwasser planktonische Algen sowie Salinenkrebse, die rosa pigmentiert sind und viel des roten Farbstoffes Karotin enthalten, der in der Leber der Vögel umgewandelt wird und für die Gefiederfärbung verantwortlich ist – beim Ausbleiben dieser Nahrung in Zoos muss der Schönheit „nachgeholfen“ werden.

Die Wissenschaft ist sich heute noch nicht einig, welchen Verwandtschaftsgrad die sechs Flamingo-Arten eigentlich besitzen – sind sie Verwandte der Gänse oder den Watvögeln zugehörig? Wir nehmen aber zur Kenntnis, dass es weltweit Rosa-, Kuba-, Chile-, Zwerg-, Anden- und Jamesflamingos gibt. Sie kommen im gesamten amerikanischen Kontinent, an den Ufern des Mittelmeeres sowie in Afrika und Südwestasien vor; auch in Deutschland brüten seit 1982 nunmehr 40 Paare Flamingos – im münsterländischen Zwillbrocker Venn, nahe der deutsch-niederländischen Grenze, das die Vogelschutzgruppe Eutin-Bad Malente (VSG) im Jahr 2010 besuchte. Ein besonderes Kennzeichen aller Flamingoarten ist der abwärts geknickte Schnabel, mit dem sie Kleinlebewesen aus dem Schlamm filtrieren – und zwar mit feinen Lamellen am Schnabelrand und mit ihrer Zunge.

Zur Brutzeit versammeln sich Flamingos in Kolonien, die einige Tausend Individuen umfassen können. Wir erinnern uns an Berichte über gewaltige Zahlen von Zwergflamingos an den Natronseen Afrikas. Die fortpflanzungsfähigen Vögel, die in der Regel über fünf Jahre alt sind, machen sich mit einer    lebhaften Gruppenbalz auf die Suche nach einem Partner. Die Nistplätze liegen dicht an dicht, oft nur 20 Zentimeter voneinander entfernt. Aus Erde und Schlamm erbauen die Tiere dem Wasserstand angepasste, konische Erhöhungen von 50 mal 50 Zentimetern (Breite mal Höhe), und das Weibchen legt ihr einziges Ei obenauf. Beide Partner brüten abwechselnd einen Monat lang.

Eine große, weithin bekannte Brutkolonie des Rosaflamingos befindet sich in
Südfrankreich, in der berühmten Camargue. Der europäische Brutbestand (Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und Frankreich) betrug in den vergangenen Jahren um 57 000 Paare, so dass die allgemeine Bestandsentwicklung als positiv zu bezeichnen ist. Die Brutbestände am Mittelmeer nehmen sogar stark zu, worauf auch die Ausbreitung bis nach Italien zurückzuführen ist. Die jagdliche Verfolgung dieser Vögel ist heute weitaus geringer als bisher, was wohl auch der Grund für diese Entwicklung sein dürfte.

Während Flamingos für den Stand auf zwei Beinen Muskelkraft benötigen, können sie mit nur minimaler Anstrengung auf einem Bein balancieren. Wenn das eine Bein angehoben wird, verschiebt sich der Körperschwerpunkt auf das andere Bein. Ein zusätzlicher „Arretiermechanismus“ – wie in der Ausgabe der OHA-Vogelkunde vom 28. November 2017 „Balanceakt auf einem Bein“ beschrieben – sorgt für die nötige Stabilität. Und das selbst im Schlaf.

Weitere Infos unter www.

vogelschutzeutin-badmalente.de

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