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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 05:30 Uhr

Romely Pfund: Die Frau am Pult

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Sie ist die erste Dirigentin in Eutin und blickt zufrieden auf die „Freischütz“-Premiere

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2016 | 00:02 Uhr

„Das haben wir ganz gut gemeistert, denke ich“, sagt Dirigentin Romely Pfund bescheiden nach der „Freischütz“-Premiere bei den Eutiner Festspielen. Mit ihr steht die erste Frau am Pult – nach 65 Jahren Festpiel-Geschichte. Dass es dann noch mit Webers „Freischütz“ klappt, sei schon etwas Besonderes.

Die berühmte Oper von Carl Maria von Weber habe sie seit ihrer Jugend begleitet und sie nun in Eutin, „unter schönen Bedingungen inmitten der herrlichen Natur“ aufführen zu können, freue sie. Nur dreieinhalb Wochen sei insgesamt Zeit für die Proben gewesen. „Wir haben unglaublich konzentriert und intensiv gearbeitet und waren dann wirklich ganz wild darauf, zu präsentieren, was wir können“, sagt Romely Pfund. Die einzige Sorge, die Premiere könne wegen Gewitter abgesagt werden, bestätigte sich glücklicherweise nicht. „Schon bei einer meiner ersten Proben in Eutin habe ich gelernt, dass man hier auch bei Regen ganz prima spielen kann“, sagt Pfund. „Willkommen in Eutin“, habe ihr da jemand zugerufen, als sich das Ännchen ein Regencape überwarf, und es dann mit der Arbeit weiterging. „Es hat mich gefreut, dass das hier üblich ist, denn das Publikum möchte natürlich auch etwas geboten bekommen für sein Geld.“

Mehr als 1200 Konzerte und über 50 verschiedene Musiktheaterproduktionen hat die mehrfach ausgezeichnete Romely Pfund bisher dirigiert sowie unter anderem elf Jahre als Generalmusikdirektorin für dei Bergischen Symphoniker verantwortlich gezeichnet – und dabei einen großen Vorsatz gelebt: „Es geht um Musik und nicht um Macht.“ Zu ihrem Beruf gehöre es, den Komponisten und dessen Geschichte zu kennen, ebenso die neuesten Erkenntnisse aus der Musikwissenschaft und sich dann mit dem Team die Musik zu erarbeiten: „Ich versuche die Arbeit mit den Menschen zu machen. Da kommt unheimlich viel Kompetenz der einzelnen Musiker auf mich zu und mit ihnen zusammen, versuche ich das Beste daraus zu machen.“ Das Glücksgefühl, das dann folge nach so einer Aufführung, sei unbeschreiblich. Auch am Freitagabend hat Romely Pfund so ein Glücksgefühl verspürt. „Es haben wirklich alle großartige Arbeit geleistet und sich von dem Wetter nichts anmerken lassen.“ Dirigent sein, sei nicht nur ein hochkomplexer intellektueller Beruf, sondern auch einer zu dem ein Handwerk gehöre, das gut beherrscht werden müsse. Ein Stück wie den „Freischütz“ zweieinhalb Stunden durchweg zu dirigieren, erfordere eine hohe Konzentration, weil sie die Verantwortung sowohl für die Solisten als auch für das Orchester habe: „Es ist eine Live-Aufführung, da kann jeden Moment etwas passieren, worauf man nicht gefasst ist, das erfordert höchste Konzentration.“ Und die körperliche Anstrengung? „Eine Berufskrankheit ist das Verkrampftsein im Oberkörper. Aber ich versuche seit ein paar Jahren sehr locker zu sein, denn ich habe eine Vielzahl kompetenter Musiker vor mir, die ihre Arbeit verstehen.“ Das Können zusammen zu führen, sei es, worauf es ankomme.

Romely Pfund kommt aus einer Musikerfamilie, die Mutter eine Ballettmeisterin an der Staatsoper Dresden, der Vater studierter Geiger. „Das waren beste Voraussetzungen: Sie zeigten mir die Liebe zum künstlerischen Beruf und die Bedeutung von absoluter Zuverlässigkeit, auf die es zwingend ankommt und die heute gar nicht mehr so selbstverständlich ist“, sagt die gebürtige Dresdnerin.

Pfund studierte an der Carl-Maria-von -Weber-Hochschule in Dresden, lernte im Hauptfach Dirigieren beim berühmten Rudolph Neuhaus und nahm schon vor Beginn des Studiums Unterricht an der Dresdner Staatsoper bei Volker Rohde. Beide führten sie in die Geheimnisse der „Freischütz“-Ouvertüre ein. Neben dem Studium sammelte sie früh praktische Erfahrungen, dirigierte Konzerte, leitete Chöre. Knapp zehn Jahre war Pfund Generalmusikdirektorin der Neubrandenburger Philharmonie. Sie leitete unter anderem das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie und gastierte an der Komischen Oper Berlin sowie an der Deutschen Oper am Rhein. Seit 2013 lebt sie mit ihrem Mann in Lübeck und ist Dozentin an der Lübecker Musikhochschule. Als sie hörte, dass die Neuen Eutiner Festspiele noch einen Dirigenten für den „Freischütz“ – ihre Oper – suchen, war der Kontakt zur Intendantin Dominique Caron schnell geknüpft und klar: „Wir beide wollen zusammenarbeiten.“ Geht es nach Pfund, bleibt ihr Auftritt in Eutin keine einmalige Sache, denn sowohl sie als auch Geschäftsführerin Sabine Kuhnert haben sich schon positiv über eine weitere Zusammenarbeit geäußert.

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