zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 11:19 Uhr

Rönck spürt Aufbruchstimmung

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Malentes Bürgermeisterin ist morgen 100 Tage im Amt und zeigt sich überrascht von der Begeisterung, die ihr immer noch entgegenschlägt

Ein Dienstzimmer ohne Schreibtisch? Wer gestern Vormittag bei Tanja Rönck zu Gast war, hätte glauben können, die neue Bürgermeisterin habe ihr Amt noch gar nicht angetreten. Doch die neue Verwaltungschefin hat in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit, die sie morgen vollendet, schon mächtig gewirbelt. Fast 260 Termine wird sie bis dahin wahrgenommen haben: Antrittsbesuche beim Landrat und bei Bürgermeistern umliegender Orte, in Schulen, Kliniken und Firmen, bei Polizei und Banken zählen genauso dazu wie 16 Sitzungen gemeindlicher Gremien, drei Dorfschaftsversammlungen und drei Bürgersprechstunden mit insgesamt 22 Besuchern.

Satte 200 Überstunden kamen so seit dem 30. August zusammen: „Zurzeit habe ich keine Kontrolle über meinen Terminkalender“, sagt Rönck. Doch sie klagt nicht, im Gegenteil: „Das ist nicht schlimm, weil es immer noch ein positiver Stress ist.“ Die Begeisterung der Malenter, die sie seit dem Amtsantritt spüre, habe sie nicht erwartet. Dies zeige sich etwa am Engagement der Malenter für den Zukunftsprozess „Unser Malente 2030“ oder einfach daran, dass Malenter vorbeigekommen seien und ihr Blumen auf den Schreibtisch gestellt hätten. Sie spüre eine Aufbruchstimmung in Malente: „Die Leute sagen, es tut sich was, es bewegt sich was.“

Und der fehlende Schreibtisch? Das alte Büromöbel wurde gestern lediglich durch ein neues ersetzt. Es sollte am Nachmittag geliefert werden.

Gefragt nach den ersten großen Entscheidungen ihrer Amtszeit nennt die 47-Jährige als erstes den geplanten Bau der Schwentinebrücke am „Intermar“, dem noch vor ihrem Amtsantritt ein lähmender Streit zwischen Verwaltung und Kommunalpolitik vorausgegangen war. Ebenso auf der Liste stehen der bevorstehende Umbau der Engstelle in der Neversfelder Straße, die Beschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge und zwei Nachtragshaushalte.

Der – defizitäre – Haushalt 2017 steht auf der Tagesordnung der nächsten Gemeindevertretung am 22. Dezember, genauso wie die Zukunft der in Malente seit Jahren umstrittenen touristischen Vermarktung, die Tanja Rönck gerne in neue Bahnen lenken würde. Aus ihrer Sicht hat der langjährige touristische Dienstleister „GLC Glücksburg Consulting“ in Malente keine Zukunft mehr. „Ich bin für eine vorzeitige Kündigung“, bekräftigt sie.

Nach einem Kündigungsbeschluss könnte nach ihrer Vorstellung eine Arbeitsgruppe gebildet werden, die ohne Ladungsfristen „schnell und schlagkräftig“ agiert. Ein Vierteljahr sollte sich das informelle Gremium Zeit nehmen, dann sollten Ergebnisse vorliegen. Ihr selbst, sagt sie auf Nachfrage, schwebe ein Modell vor, wie sie es aus Oldenburg kenne: eine GmbH als 100-prozentige Tochter der Gemeinde, besetzt mit einem Geschäftsführer aus dem Wirtschafts- und Tourismusbereich.

Ein weiteres Zukunftsthema sei der geplante Schulneubau, in den nicht nur die Schule an den Auewiesen sondern auch die Grundschule einziehen könnte. Auch hier erwarte sie von der Gemeindevertretung am 22. Dezember einen Grundsatzbeschluss. Trotz der schwierigen Finanzlage der Gemeinde gibt Tanja Rönck einem Neubau gegenüber einer Sanierung den Vorzug. „Angesichts der Kosten für Sanierung und Inklusion, die auf uns zukommen, sehe ich die Wirtschaftlichkeit.“ Drei bis vier Millionen Euro werde ein Neubau kosten, doch sie hoffe auf Fördermittel, zur Finanzierung bringt die Bürgermeisterin die Idee einer öffentlich-privaten Partnerschaft ins Spiel.

Voll des Lobes äußert sich Tanja Rönck über ihre Verwaltung, einschließlich dem Bauhof: „Es gibt ganz großartige Leute, da geht noch viel“, zeigt sie sich überzeugt. Abgehakt seien für sie Querelen aus dem Wahlkampf, sie reiche jeder Fraktion die Hand, betont Tanja Rönck. Keinen Zweifel lässt sie jedoch daran, dass sie an ihrem Kurs festhalten will, sich nicht dauerhaft auf eine Seite zu schlagen: „Ich leiste mir den Luxus, unparteiisch zu sein.“ Ihr gehe es um die Sache. Das erwarte auch der Bürger.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Dez.2016 | 14:40 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen