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Ostholsteiner Anzeiger

20. Oktober 2017 | 00:15 Uhr

Malente : Röhling tritt den Rückzug an

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zu viel Gegenwind: Vorsitzender der Bürgerinitiative gegen Kiesabbau und Motocross-Lärm gibt Amt auf und will Kreuzfeld verlassen.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 14:30 Uhr

Die Enttäuschung war Rolf Röhling anzumerken. Der Mitgründer von „Pro Mensch, pro Natur, pro Tierwelt – gegen weiteren Naturabbau im Zentrum der Holsteinischen Schweiz“ hat sich nicht nur vom Vereinsvorsitz zurückgezogen. Bei der Jahresversammlung mit 16 Mitgliedern am Montagabend im Fährhaus Niederkleveez erklärte er auch, seinem jahrzehntelangen Wohnort den Rücken kehren zu wollen. „Ich werde Kreuzfeld verlassen, wenn ich meine beiden Häuser verkauft habe“, kündigte der 66-Jährige an.

Seine 46 Mitglieder starke Bürgerinitiative wehrt sich vor allem gegen eine Ausweitung des Kiesabbaus und gegen Lärm- sowie indirekt auch Staubbelästigungen, die durch den Betrieb der Motocross-Strecke des Motorclubs Malente (MC Malente) in der Kiesgrube verursacht werden. Damit entfachte Röhling Gegenwind, der ihm zuletzt offenbar enorm stark ins Gesicht blies.

Vor allem der MC Malente wollte es nicht hinnehmen, dass Röhling auf der einen Seite gegen die Aktivitäten des Vereins Front machte, während er auf der anderen Seite als Vorsitzender des Kreissportverbands (KSV) Ostholstein auch Interessenvertreter der Motocross-Freunde sein soll. „Ich bin vom Vorsitzenden Horst von Hörsten enorm in meiner ehrenamtlichen Arbeit in die Enge getrieben worden“, erklärte Röhling. Er wolle jedoch das Amt des KSV-Vorsitzenden nicht aufgeben.

Doch auch die Betreiber des Kies- und Schotterwerks Kreuzfeld hätten ihm zugesetzt. Diese betreiben wie berichtet eine Änderung des Flächennutzungsplans, um Kies auf einer neu hinzugekauften Fläche abbauen zu können, die von der Gemeindevertretung bereits abgesegnet wurde und nun noch weiterer Genehmigungen bedarf. „Familie Wandhoff belastet mich in etlichen Berichten“, erklärte Röhling, ohne näher ins Detail zu gehen. Besonders getroffen habe ihn, dass sein Verhältnis zu Hans-Peter Wandhoff unter den Auseinandersetzungen gelitten habe. „Das bedauere ich sehr.“ Hans-Peter Wandhoff betreibt unabhängig von Johann-Peter und Volker Wandhoff eine Kiesgrube in Sieversdorf.

Röhlings bitteres Fazit: „Ich ziehe jetzt den Kürzeren, das muss ich so eindeutig sagen.“ Doch zwinge ihn auch die Gesundheit zum Rückzug. Ein Nachfolger für das Amt des Vorsitzenden fand sich nicht. Als Stellvertreter bestätigten die Mitglieder Rüdiger Mahnicke (Niederkleveez) im Amt, als Kassenwart Günther Kruse (Oberkleveez).

Kruse wies darauf hin, dass der Vereins erhebliche Kosten habe. Die Anwaltskosten hätten im vergangenen Jahr bei 2550 Euro gelegen, weitere 833 Euro seien in ein Lärmgutachten geflossen. Doch ein Großteil der Anwaltskosten aus dem Jahr 2016 seien noch gar nicht abgerechnet. Deshalb sei man auf Spenden angewiesen, machte Mahnicke deutlich. Das Problem: Der Verein kämpft seit Monaten mit dem Finanzamt um die Anerkennung der Gemeinnützigkeit. Bis diese nicht gegeben ist, können Spenden nicht steuerlich abgesetzt werden.

Verstärken will der Verein seinen Kampf gegen den Motocross-Lärm, kündigte Mahnicke an. „Da werden wir die Behörden vor uns hertreiben.“ Helfen sollen dabei auch Protokollierungen, die Lärmbelästigungen genau dokumentieren sollen. Kritik übte Mahnicke an einer abwiegelnden Haltung der Verwaltung: „Jede Behörde versucht erst mal zu sagen, wir sind nicht zuständig. Das ist das, was wir erleben“, rügte Mahnicke. Das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) und die Gemeinde Malente schöben sich gegenseitig die Verantwortung für das Thema Motocross-Anlage zu, die nach Auffassung des Vereins bereits bei ihrer Gründung hätte genehmigt werden müssen und nun von der Gemeinde stillgelegt werden müsste.

Möglicherweise kommt demnächst Bewegung in die Sache. Denn am 20. April solle es bei der Gemeinde ein Gespräch am Runden Tisch geben, kündigte Röhling an. Das habe ihm der MC-Vorsitzende von Hörsten mitgeteilt. Unter bestimmten Bedingungen werde die Bürgerinitiative daran teilnehmen, sagte Röhling.

Einen Teilerfolg vermeldete Mahnicke in Sachen Kiesabbau. Auf Druck der Bürgerinitiative habe der Kreis zugesagt, dass das Kieswerk das bewaldete Flurstück westlich des Holmer Wegs erst abbauen dürfe, wenn der Kreis die Genehmigung für eine Waldumwandlung erteilt habe. Das bedeute, dass hier Ausgleichsmaßnahmen festgesetzt würden. Möglicherweise könne man bei dieser Genehmigung auch mit einer Klage durch den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ansetzen, sagte Mahnicke.

Hoffnungen auf den Kreis setzen die Kiesabbau-Gegner auch in einen anderen Punkt. Dieser habe erklärt, dass der Kies zunächst in der bereits genehmigten Waldfläche abgebaut werden müsse, führte Mahnicke aus. Dann seien aber nach Aussage der Anwältin des Vereins die gesamte F-Plan-Änderung hinfällig. Denn eine Änderung „auf Vorrat“ sei nicht zulässig.

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