Eutin : Roboter erobern die Bücherei

 Beate Sieweke von der Eutiner Bücherei hat Spaß beim Ausprobieren der Roboter Bee-Bot (gelb-schwarz), Dash (blau) und Ozobot (kleine leuchtende Kugeln). Die mehr oder weniger vorprogrammierten technischen Systeme sind Bestandteil der Makerspace-Kisten, die die Büchereizentrale den Bibliotheken im Land zur Verfügung stellt.
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Beate Sieweke von der Eutiner Bücherei hat Spaß beim Ausprobieren der Roboter Bee-Bot (gelb-schwarz), Dash (blau) und Ozobot (kleine leuchtende Kugeln). Die mehr oder weniger vorprogrammierten technischen Systeme sind Bestandteil der Makerspace-Kisten, die die Büchereizentrale den Bibliotheken im Land zur Verfügung stellt.

Mit „Makerspace“ beschreitet die Kreisbibliothek Eutin Neuland. Das spielerische Lehr- und Lernangebot ist für Kindergärten und Schulen gedacht.

shz.de von
23. Mai 2018, 12:50 Uhr

Die Leiterin der Kreisbibliothek Eutin ist hin und weg. Der kugelige Mini-Roboter Dash hat eine Art Lidschlag in seinem Leuchtauge und bekundet sogar, wenn ihm langweilig wird, weil niemand mit ihm „spielt“. Dann ist ein Art Gähnen zu hören. Was bisher eine vorläufige Interpretation von Probeläufen ist, können die zukünftigen Nutzer beim Spiel mit den Lernroboter selbst herausfinden.

Die Programmierer und Anwender werden Kinder aus Kindergärten und Schulen sein. Sie können in der Kreisbibliothek bald erforschen und erfahren, wie Sieweke sagt. In dieser Woche beschäftigen sich noch Siewekes Mitarbeiter mit den Makerspace-Kisten, die mit Platinen, Lego, Mini-Computern und einem Plotter ausgestattet sind. In den folgenden Wochen wird das Team Schulungen besuchen. Bevor dann im Herbst, so hofft es Sieweke, die ersten Kindergartengruppen und Schulklassen mit dem Inhalt der Kisten arbeiten können.

Kinder sammelten mit Hilfe der Platinen, des Legos und der Mini-Computer spielerisch Wissen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, den sogenannten Mint-Fächern, sagt Sieweke. Der Nachwuchs erfahre dabei aber auch zu kombinieren, prozessorientiertes, logisches Denken, kreativ zu sein und sich zu konzentrieren. Es könnten Fantasiefiguren hergestellt, Geschichten erzählt und dargestellt werden. Mit einem der Bausätze werden alltägliche Gegenstände, sind sie denn leitfähig, zu Computer-Maus oder -Tastatur umfunktioniert.

Bei jedem der Bausätze oder Roboter seien immer mehrere Kinder mit einer Aufgabe befasst. Dadurch steigerten sie ganz nebenbei auch noch ihre Sozialkompetenz, nennt Sieweke einen weiteren Lerneffekt.

Lernen müsse nicht immer nur Pauken bedeuten, sagt die Bibliothekarin. Mit „Makerspace“ gehe es spielerisch ganz hervorragend. Die Gesellschaft stelle sich immer mehr auf das lebenslange Lernen ein, dass schon immer ein grundlegender Ansatz der Bibliotheken gewesen sei.

Sieweke selbst schrieb vor 14 Jahren ihre Abschlussarbeit über künstliche Intelligenz in Bibliotheken und stellt nun fest: „Heute kann man Roboter kaufen.“ Für sie sei es selbstverständlich, neue Wege zu beschreiten. Eine technische Hilfe wie „Alexa“ will sich Sieweke dennoch nicht in die Bibliothek holen, „keine vollständige Überwachung“, sagt sie entschieden.

Hinter „Makerspace“ steckt die Büchereizentrale Schleswig-Holstein. Sie will mit ihrem Angebot zum Experimentieren und Programmieren anregen sowie technisches Verständnis und eigenständiges Lernen bei Kindern und Jugendlichen fördern. Direktor Dr. Heinz-Jürgen Lorenzen sieht es als Aufgabe der Bibliotheken an, den digitalen Wandel mit vielfältigen digitalen Angeboten zu begleiten, wie er bei der Präsentation von „Makerspace“ im Februar sagte: „Mit den neuen Makerspace-Boxen können die Öffentlichen Bibliotheken in Schleswig-Holstein einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Schlüsselqualifikationen im Umgang mit neuen Technologien zu vermitteln und sich auf wandelnde Qualifikationsanforderungen in der Arbeitswelt einzustellen.“ Das Kulturministerium hat nach Aussage seines Staatssekretärs Dr. Oliver Grundei die Förderung solcher Innovationen in Bibliotheken vor zwei Jahren angeschoben. Das Ziel sei, die Medien- und Informationskompetenz zu steigern und dadurch die „digitale Spaltung“ zu überwinden.

Beate Sieweke kann es kaum erwarten, das lernwillige Lehr- und Lernmaterial den Kindern in die Hand zu geben. Ihre Gedanke gehen bereits weiter: „Ich kann mir vorstellen, dass unsere Kunden in zehn Jahren Roboter bei uns ausleihen können.“

Schulen und Kindergärten, die mit Makerspace in der Bibliothek arbeiten möchten, erhalten dort mehr Information: Telefon 04521/788740, Schloßplatz 2 in Eutin.

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