Gemeindewehr Eutin : „Richtlinien für Inklusion fehlen“

Mit der Silbernen Leistungsspange der Schleswig-Holsteinischen Jugendefeuerwehren wurde Timo Jurkschat (links) von Andreas Riemke ausgezeichnet.
1 von 2
Mit der Silbernen Leistungsspange der Schleswig-Holsteinischen Jugendefeuerwehren wurde Timo Jurkschat (links) von Andreas Riemke ausgezeichnet.

Eutins Gemeindewehrführer kritisiert Rahmenbedingungen für die Aufnahme von Behinderten. Die Wehrführer würden mit ihrer Verantwortung allein gelassen, schimpft Heino Kreutzfeldt.

23-24686921_23-77733324_1455900605.JPG von
10. März 2014, 04:00 Uhr

Klare Worte fand Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt in der Hauptversammlung der Gemeindewehr Eutin im Fissauer Gasthaus Wittenburg zu einer jüngst entflammten Diskussion: „Steht zu eurem Wunsch nach Integration und Inklusion und schafft die Voraussetzungen dafür“, appellierte Kreutzfeldt an Politik und Verbände. Bis es es klare Regeln gebe, bleibe die Entscheidung bei Inklusion dem Bauchgefühl überlassen, und das reiche beim Feuerwehrdienst nicht.

Als Eutiner Wehr vor vier Jahren zum ersten Mal vor dieser Problematik gestanden habe, hätten sich weder die Verbände, noch Gleichstellungsbeauftragte verantwortlich gefühlt. Und auch der Versicherungsschutz sei nur nach Einzelfallprüfung möglich.

Ein Wehrführer habe taktische Kenntnisse für seinen Einsatzalltag erworben, jedoch keine psychologischen. Die Wehrführung trage die Verantwortung für die Feuerwehrleute – und diese könne bis vor Gericht reichen, wenn ein Feuerwehrmitglied verletzt oder getötet werde, betonte Kreutzfeldt.

Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Blick auf die Arbeit der drei Eutiner Wehren im vergangenen Jahr. „Die Feuerwehr hat 26 800 Stunden für den Dienst an der Allgemeinheit aufgewendet“, trug der Gemeindewehrführer vor. 8000 Stunden entfielen auf Einsätze, gut 7000 Stunden absolvierten 142 Aktive bei Aus- und Fortbildung. Die Jugendfeuerwehr war insgesamt 12 000 Stunden aktiv, davon 4450 feuerwehrtechnischer Dienst.

335 Einsätzen der drei Ortswehren im vergangenen Jahr waren 35 Einsätze mehr als 2012. Es gab 48 Feuer und 76 Unwettereinsätze, 32 Mal wurden Türen geöffnet. 22 Menschen wurden aus Lebensgefahr gerettet. Von 37 Fehlalarmen wurden 29 durch Brandmeldeanlagen, die anderen durch private Rauchwarnmelder ausgelöst.

Ende 2013 hatten die drei Ortswehren 123 Aktive in der Einsatzabteilung, 32 bei der Jugend und 36 in der Ehrenabteilung. Nach den gesetzlichen Vorgaben sei das zu wenig, sagte Kreutzfeldt, allein die Ortswehr Eutin müsste nominell einen Personalbestand von 140 Aktiven. Zur Vermeidung von Personalmangel vor allem am Tag würden die Ortswehren bei Mittelbränden und Menschenleben in Gefahr zuammen alarmiert.

Bei der Mitgliederwerbund sei neben der Feuerwehr auch die Verwaltung gefordert, indem sie beispielsweise bei Neueinstellungen die Mitgliedschaft in der Feuerwehr zur Voraussetzung mache. Bei der Suche nach einem Mitarbeiter für den Baubetriebshof im Januar sei das erfreulicherweise berücksichtigt worden, bei einem weiteren im Februar aber nicht, monierte Kreutzfeldt.

Notwendig seien auch Gespräche mit Arbeitgebern: Es gebe in Eutin immer noch Chefs, die ihre Mitarbeiter nicht für Feuerwehreinsätze gehen ließen.

Kritisch sah Heino Kreutzfeldt auch die Passivität von Schulen bei der Brandschutzerziehung: Obwohl diese in den Lehrplänen stehe, habe nur eine Eutiner Schule das kostenlose Angebot der Wehr genutzt.

Lob und Dank sagten Bürgervorsteher Dieter Holst, Andreas Riemke vom Kreisfeuerwehrverband sowie Stadtvertreter Matthias Rachfahl (CDU), der Bösdorfer Gemeindewehrführer Volker Horst und der Leiter der Polizeizentralstation Eutin, Michael Martins bekundeten den Willen zu einer weiter guten Zusammenarbeit.

>

Mit der Silbernen Leistungsspange der Schleswig-Holsteinischen Jugendfeuerwehr wurde Hauptlöschmeister Timo Jurkschat ausgezeichnet. Er ist seit 1992 Mitglied in der Wehr leitet seit 16 Jahren Jugendfeuerwehr Eutin. Für seine 25-jährige Mitgliedschaft erhielt Dirk Pedersen das Brandschutzehrenabzeichen in Silber, er wurde zugleich zum Löschmeister befördert. Oberlöschmeister wurden Jörg Böckenhauer und Toni Waschau. Yvonne Weidemann erhielt die Schulterklappen als Hauptfeuerwehrfrau, und ihr Kollege Björn Schramm die eines Hauptfeuerwehrmanns.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen