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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 22:14 Uhr

Rettung im „Uwe-Seeler-Park“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fußball-Bundesligist Hamburger SV holte sich den entscheidenden Schub vor der Relegation mit dem „Geist von Malente“

Die Lichter beim Hamburger SV drohten auszugehen, Trainer Bruno Labbadia übernahm die Bundesligafußballer, als sie mit dem Rücken zur Wand auf dem 18. Tabellenplatz standen. In Fankreisen regierte der Rechenschieber, da half nur noch das Prinzip Hoffnung. Labbadia erinnerte sich an die Sportschule des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) in Malente und den dazugehörigen „Geist“, der der Legende nach entscheidenden Anteil am Gewinn des Weltmeistertitels 1974 haben soll.

Beim ersten Besuch lag der HSV auf der sportlichen Intensivstation, hangelte sich von „Schicksalsspiel“ zu „Schicksalsspiel“. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Nach und nach trudelten am Mittwochmittag Fans ein, die einen Blick auf Mannschaft und Trainer erhaschen und ihre Solidarität zeigen wollten. Der Abstiegskampf des HSV, der als letztes Gründungsmitglied der Bundesliga überlebt hatte, ließ im Norden keinen kalt. Der Ostholsteiner Kreispräsident Ulrich Rüder erinnert an glorreiche Zeiten mit Trainer Ernst Happel, Manager Günther Netzer, Kapitän Horst Hrubesch und Flankengeber Manfred Kaltz. „Wenn etwas hilft, dann der Geist von Malente“, sagte Ulrich Rüder.

Zwei Handvoll Mitglieder hat der HSV-Fanclub „Ein Herz und ein Seeler“. „Gegen Schalke, das können wir schaffen, aber eigentlich sind wir schon abgestiegen“, sagte der Fanclub-Vorsitzende Timo Hantel. Die Mannschaft genoss bei ihm keinen hohen Stellenwert, dafür aber der Sportchef: „Ich halte von Dietmar Beiersdorfer viel, von den Spielern fällt mir da zurzeit keiner ein!“

Vor den Toren des „Uwe-Seeler-Fußball-Parks“ warteten in der Mehrzahl eingefleischte HSV-Fans, darunter auch der Fanclub „Keller-Arena“. Sascha Schloz erläuterte die Ausstattung der Malenter Arena: „Wir haben zu Hause im Keller ein kleines Stadion mit einer Leinwand eingerichtet, auf der wir die Spiele des HSV verfolgen können.“ Einen Blick auf den Weg zum Uwe-Seeler-Fußball-Park riskierte auch Nachbarin Michaela Mohr, die mit ihren Kindern Melissa Marie und Niklas dem HSV ebenso die Daumen drückte wie ihr Ehemann, der arbeiten musste und die Ankunft der Profis am Abend vor dem Bildschirm im Schleswig-Holstein-Magazin verfolgte.

Mit überraschenden Erfolgen, einem Rückfall in Form der 0:1-Niederlage beim Abstiegskonkurrenten VfB Stuttgart und dem 2:0(0:0) gegen den FC Schalke 04, bei dem Ivica Olic und Slobodan Rajkovic die Tore schossen, zog der Hamburger SV als Tabellen-Fünfzehnter zum zweiten Mal hintereinander in die Relegation ein. Hatten sich die Hamburger in der Saison 2013/14 gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth zum Bundesligaverbleib gezittert, so wurde es gegen den Karlsruher SC noch knapper. Marcelo Diaz schoss die Hamburger mit einem Freistoß zum 1:1-Ausgleich in allerletzter Minute der regulären Spielzeit in die Verlängerung, in der Nicolai Müller mit seinem Treffer zum 2:1 den Bundesligaverbleib des HSV perfekt machte.

Auf dem grünen Rasen ist der Hamburger SV mit zum Teil sehenswertem Fußball wieder konkurrenzfähig geworden. In der Tabelle steht die Mannschaft auf dem zehnten Platz, doch die wirtschaftliche Bilanz ist negativ. Der HSV schloss sein Geschäftsjahr zum fünften Mal in Folge mit einem Minus ab. Vielleicht ist das ein Argument für ein Trainingslager im „Uwe-Seeler-Fußball-Park“, denn das ist vergleichsweise günstig – und hat mit dem „Geist von Malente“ seine positive Wirkung bewiesen.

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erstellt am 28.Dez.2015 | 00:32 Uhr

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