Schönwalde : „Reste-Ritter“ kämpfen gegen Lebensmittelverschwendung

Marmeladen und Chutneys der „Reste-Ritter“ überzeugten die Besucher des Vortrages zu Lebensmittelverschwendung und möglichen Lösungen mit deren Gründer Moritz Dietzsch (re.). Der hätte von manchem Glas mehr verkaufen können als er im Gepäck hatte.
Marmeladen und Chutneys der „Reste-Ritter“ überzeugten die Besucher des Vortrages zu Lebensmittelverschwendung und möglichen Lösungen mit deren Gründer Moritz Dietzsch (re.). Der hätte von manchem Glas mehr verkaufen können als er im Gepäck hatte.

Der Vortrag der Kieler Lebensmittelverwerter, die Brotaufstriche und Dips dabei hatten, kam bei den Zuhörern gut an. In der Kirchengemeinde Schönwalde regten die Lebensmittelretter zum überlegten Umgang an.

shz.de von
03. September 2018, 17:08 Uhr

18 Millionen Tonnen Lebensmittel werden laut Studie des World Wide Fund For Nature (WWF) jährlich vernichtet. Jeder Bundesbürger wirft 82 Kilogramm Lebensmittel in die Mülltonne. Gegen diese Zahlen ziehen die „Reste-Ritter“ aus Kiel zu Felde. Gründer Moritz Dietzsch stellte das Projekt der drei Geografie-Studenten am Sonnabend in der Kirchengemeinde Schönwalde vor.

Der Ort des Vortrages kam nicht von ungefähr. Der 22-jährige Frankfurter absolvierte sein Freiwilliges Ökologisches Jahr am Bungsberg und leitet noch immer den Stamm der VCP-Pfadfinder am Ort. In beiden Funktionen beschäftigte er sich schon vor dem Studium in Kiel mit dem Thema Lebensmittelverschwendung.

Ähnlich ging es seinen Kommilitonen Nick Eßwein (24) und Oke Hansen (24). Als sie die Aufgabe bekamen, ein globales Problem durch unternehmerisches Handeln anzugehen, gründeten die drei die „Reste-Ritter“ und kochen seitdem regelmäßig aus aussortiertem Obst und Gemüse Marmeladen und Chutneys.

Dabei geht es den Unternehmensgründern aber um mehr als leckeren Brotaufstrich. Sie wollen das Bewusstsein im Umgang mit Lebensmitteln nachhaltig verändern und veranstalten dazu auch „Schnibbelpartys“, auf denen gerettetes Obst und Gemüse gemeinschaftlich verarbeitet und verzehrt wird. Eine „coole Location“ und ein DJ mit angesagter Musik machen daraus ein Event. „Wir müssen sehen, wie wir an die Leute rankommen, die nichts von dem Thema wissen“, begründet Dietzsch das ungewöhnliche Herangehen.

Das vergangene Wochenende verbrachten die Studenten in einem Zelt der Wacken-Foundation beim „Werner-Rennen“ in Hartenholm. Neben dem Verkauf von einigen der vielen 100 Gläser Brotaufstrich aus ihrem Lager geht es um Informationen. 61 Prozent der zehn Millionen Tonnen in Deutschland vermeidbaren Lebensmittelabfälle stammen aus privaten Haushalten. „Das sind statistisch 250 Euro pro Person im Jahr“, macht Dietzsch den Nutzen jedes Einzelnen beim bewussten Umgang mit Lebensmitteln deutlich. Es gehe aber nicht nur um das Produkt an sich, sondern auch um die Ressourcen, die ohne Nutzen verbraucht werden.

„All diese Infos wird man am besten über Events los“, erzählt Dietzsch. Das Trio hat inzwischen einen Kieler Großhändler als Partner gewinnen können. Von dort gibt es regelmäßig Obst und Gemüse, das den Ansprüchen von Handel und Gastronomie nicht gewachsen ist.

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