EUTIN : Respekt und Anerkennung

Seit 2015 arbeiten sie zusammen: Sophia Schutte, Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Eutin (links), und die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer Ute und Jens Saffarrek, Angelika Bickert, Ursula von Schierstedt.
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Seit 2015 arbeiten sie zusammen: Sophia Schutte, Flüchtlingskoordinatorin der Stadt Eutin (links), und die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer Ute und Jens Saffarrek, Angelika Bickert, Ursula von Schierstedt.

Ausstellung, Musik und Gespräche: Das Kreishaus stand im Zeichen der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe.

shz.de von
27. März 2017, 06:00 Uhr

„Danke. Das haben wir geschafft“: Unter diesem Motto stand am Sonnabend ein Nachmittag im Eutiner Kreishaus mit Ausstellung, Musik und Gesprächen. Haupt- und ehrenamtliche Flüchtlingsinitiativen aller ostholsteinischen Kommunen und Ämter dokumentierten ihre geleistete Arbeit. Vertreten waren außerdem Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft Ostholstein/Plön und Jobcenter. Landrat Reinhard Sager und Migrationsmanager Uwe Wille hatten eingeladen, um „Danke“ zu sagen.

Mehr als 3000 Menschen suchten seit 2015 Zuflucht im Kreis Ostholstein. An vielen Orten fanden sich Flüchtlingshelfer zusammen, um die Neuankömmlinge zu betreuen. „Deutschland hat sich von der besten humanitären Seite gezeigt“, sagte Reinhard Sager und nannte weitere Zahlen. Von September bis Dezember 2015 kamen jede Woche 82 Flüchtlinge in den Kreis Ostholstein, insgesamt 1381. Von Januar bis Mai 2016 waren es 715, jede Woche 32. „Es war eine Herausforderung für die Kommunen, und es ist gelungen, alle zugewiesenen Menschen mit einem angemessenen Dach über dem Kopf zu versorgen. Die Vielfalt der Willkommenskultur ist enorm, sie dokumentiert das Engagement“, erzählte Sager beispielhaft von einer spontan gebildeten Willkommensgruppe in Eutin und einem Helferkreis in Ahrensbök. Allen zollte er Respekt und Anerkennung. „Ohne das Engagement hätten wir die Herausforderung nicht schaffen können, und ohne weiteres Engagement wird Integration nicht gelingen“, verwies er auf die Bedeutung der Sprache, um dauerhaft in Ausbildung und Arbeitsplatz zu kommen. „Daran haben beide Seiten ein Interesse.“

Bahaa Al Mohammad aus Aleppo in Syrien ist ein Beispiel dafür, wie aus einem Geflüchteten ein Flüchtlingshelfer wird. Er kam vor anderthalb Jahren nach Eutin. „Nach vier Monaten habe ich den Deutschkursus angefangen“, erzählt der 28-Jährige. Er ist Englisch-Lehrer von Beruf und arbeitet heute wie auch Ayman Alhallak (34) aus Syrien als Schulassistent an den Beruflichen Schulen des Kreises in Eutin, wo er die Lehrkraft im Daz-Bereich (Deutsch als Zweitsprache) unterstützt und auch Englisch unterrichtet. „Ich bin sehr zufrieden, weil ich in meinem Beruf arbeite und Geld verdienen kann“, sagt Al Mohammad. „Auch außerhalb der Schule helfe ich meiner Klasse und organisiere Kulturabende oder Cafés. Viele Leute nehme ich mit an die Voß-Schule, wo ich in einem Kursus Deutsch gelernt habe. Ich muss auch noch viel lernen.“

Mari Hasan kam vor drei Jahren mit den Eltern Farah und Raed und den Schwestern Merna und Rasa aus Syrien nach Eutin. Die damals 13-Jährige vermisste ihre Geige sehr und war überglücklich, als ihr die Flüchtlingshelferin Franziska Roth ein Instrument schenkte. Mit zwei Stücken von Edward Elgar bedankte sich das junge Mädchen musikalisch beim Publikum, am Klavier begleitet von ihrer Lehrerin an der Kreismusikschule Ostholstein, Cornelia Hesse. Die Musiker und Sänger von „Refugees and Friends“ aus Neukirchen bei Oldenburg gaben ebenfalls ein kleines Konzert. Uwe Wille verteilte jeweils einen 200-Euro-Gutschein an die Vertreter der örtlichen Flüchtlingshilfen. Das Geld stammte aus einer Spendenaktion.

2016 habe man 250 Flüchtlinge in Praktika mit dem Ziel einer Ausbildung oder Arbeitsaufnahme vermittelt, 50 in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung oder Ausbildung, erklärte Sabine Bruhns von der Integrationsberatung der Handwerkskammer Lübeck. „Junge Männer möchten alle Kfz-Mechatroniker werden. Daher planen wir eine Ausstellung in Lübeck zu Berufen wie Glaser und Dachdecker, die unter Fachkräftemangel leiden.“

Neue Ansprechpartner für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer im Kreis sind die Sozialarbeiterinnen Kerstin Oetken (Foto li.) und Jennifer Westphal (Foto li.). Sie sind zu erreichen unter Tel. 04521/788532 (Oetken) und 04521/788411 (Westphal).



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