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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 10:51 Uhr

Rentner bekommt letzte Chance

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heinz R. kommt noch mal mit Bewährungsstrafe davon

Er weiß, dass er etwas falsch gemacht hat – sagt Heinz R. (66) gestern vor dem Eutiner Amtsgericht. Doch an der Glaubhaftigkeit dieser Aussage hat die Staatsanwaltschaft ihre Zweifel.

Der Angeklagte muss sich wegen Fahrens ohne Führerschein in Ratekau und Niendorf in vier Fällen sowie einer Unfallflucht verantworten. Doch sein Führungszeugnis verrät, was die Anklage betont: „Sie sind unfähig, ein Fahrzeug zu führen.“ Seit 1994 finden sich darin fast ausschließlich einschlägige Einträge wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit am Steuer.

Aufgeflogen ist der jüngste Vorfall aus dem vergangenen Herbst, weil Heinz R. mit einem BMW – den seine Frau besaß – einen Skoda im Gegenverkehr so berührt, dass dessen Seitenspiegel beschädigt ist. Statt anzuhalten, gibt der Angeklagte Gas und kann erst vom Geschädigten selbst durch eine kurze Verfolgungsjagd gestoppt werden. Als dieser dann die Polizei rufen will, tritt Heinz R. erneut aufs Gas und fährt davon. „Ich wusste, was mir blühen würde beim Fahren ohne Fahrerlaubnis.“ Erst am Abend des Unfalltags fand die Polizei den Wagen abgestellt. Eine knappe Woche nach dem Unfall wird er erneut beim Fahren ohne Führerschein erwischt. Den hat er in einem Strafverfahren 2013 verloren – die Bewährungszeit lief zum Zeitpunkt der genannten Fälle noch. Auch das sei ihm bewusst, erklärt sein Verteidiger und leitet das Gespräch über die Pflege der betagten Mutter ein. „Dreimal im Monat fahre ich zu ihr. Sie ist 95 Jahre alt, und sie und meine Frau würden wohl am meisten leiden, wenn mir hier heute etwas widerfahren würde.“ Denn bei Straftaten innerhalb der Bewährungsfrist, ist es eigentlich üblich, bei einer weiteren Verurteilung eine Haftstrafe zu kassieren.

Richterin Katrin Leinen entschied sich gestern anders: „Der Angeklagte wird zu sechs Monaten auf Bewährung und 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt.“ Die Bewährungszeit legte sie auf drei Jahre fest, zusätzlich bekommt R. einen Bewährungshelfer. Leinen: „Ich hoffe wirklich, dass Sie Ihre Fehler eingesehen haben und ich die Gefahr mit einem Bewährungshelfer an Ihrer Seite gebannt habe.“ Sie kündigt an, seine Bewährungsauflagen streng zu kontrollieren und geht auf seine betont leidende Familie ein, wenn er einsitzen müsste: „Wenn Sie sich nochmal in ein Auto setzen und einen Unfall bauen, leiden im Zweifel nicht nur Ihre, sondern viele andere Familien. Ich vermerke im Urteil, dass dies wirklich Ihre letzte Chance ist. Nochmal kommen Sie nicht mit einer Bewährungsstrafe davon.“

Heinz R. tut sichtlich erleichtert. Ob das Urteil rechtskräftig wird, hängt nun von der Staatsanwaltschaft ab. Für die Führerscheinprüfung ist er bis 2017 gesperrt. Ob danach noch eine Führerscheinbehörde einer Anmeldung zur Prüfung zustimmt, bleibt fraglich. Heinz R. bekundet: „Ich kann nur versichern, dass ich jetzt im Moment kein Fahrzeug anrühre.“

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erstellt am 14.Apr.2015 | 12:02 Uhr

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