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Fehlende Fachkräfte : Rente mit 63 bremst Schifffahrt aus – auch in SH

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt: Für die Verwaltung der deutschen Wasserstraßen fehlen Fachkräfte.

Berlin/Kiel | Wegen Personalmangels muss die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den Betrieb auf manchen Flüssen und Kanälen in Deutschland einschränken und Investitionen auf die lange Bank schieben. Das geht aus Dobrindts erstem Fortschrittsbericht zur laufenden Reform seiner Behörde hervor, den der CSU-Politiker in diesem Monat dem Haushaltsausschuss des Bundestags vorgelegt hat.

„Es zeichnet sich ab, dass insbesondere im Betriebs- und Streckendienst eine zum Teil erhebliche Personalunterdeckung besteht“, schreibt Dobrindt. Daher seien dieses Jahr bereits „Kürzungen von Schleusenbetriebszeiten“ nötig geworden. Betroffen waren etwa Kanäle in Berlin, Brandenburg und Niedersachsen.

Auch habe es „Betriebseinschränkungen einzelner Wasserfahrzeuge“ gegeben – allerdings noch nicht bei den Mehrzweckschiffen auf Nord- und Ostsee, die rund um die Uhr im Einsatz sein sollen.

Zudem sorgt sich Dobrindt um eine „auskömmliche Stellenausstattung“ für Neu- und Ausbauinvestitionen: Zwar sei es „oberstes Ziel“, die vom Bundestag bewilligten Stellen für Planer „schnellstmöglich qualifiziert zu besetzen“ – das sind 50 neue Jobs in diesem Jahr und weitere 100 im nächsten und übernächsten. Doch sei die Besetzung schwierig. Denn seine Schifffahrtsbehörde habe „als bundesweite Flächenverwaltung einen natürlichen Nachteil gegenüber sonstigen Arbeitgebern“, da sie „insbesondere in den höheren Funktionen größere örtliche Flexibilität erwarten muss“, schreibt Dobrindt. Auch seien die „monetären Anreize“ zu gering, sprich die Bezahlung für Ingenieure und Juristen zu unattraktiv.

Nicht zuletzt am Nord-Ostsee-Kanal fehlen Experten für den Ausbau. So will Dobrindt nun zwar in Brunsbüttel das zunächst auf Eis gelegte Reparaturdock für Schleusentore errichten lassen. Doch hat er dafür keine Planer. Deshalb wird sich erst mal nichts tun, obwohl schon Baurecht vorliegt.

Noch nicht mal für die längst beschlossenen Baumaßnahmen wie die Verbreiterung der „Oststrecke“ vor Kiel oder die Sanierung der Holtenauer Schleusen sind genug Leute da: Von den 56 erforderlichen Stellen seien „53 besetzt oder im Besetzungsverfahren“, heißt es aus Dobrindts Ressort.

Grund für den Fachkräftemangel in Dobrindts Behörde ist unter anderem die von der großen Koalition beschlossene Rente mit 63. „Gerade beim Strecken-, Betriebs-, Werkstatt- und Fahrzeugpersonal wird von der Rente mit 63 Gebrauch gemacht, da die Beschäftigten in diesen Aufgabenbereichen aufgrund ihrer Lebensarbeitszeit eine abschlagsfreie Rente erwarten dürfen“, schreibt der Minister.

Im vergangenen Jahr hätten so 283 der rund 11.500 fest angestellten Mitarbeiter die neue Regelung genutzt. In diesem und den nächsten Jahren sei mit ähnlichen Zahlen zu rechnen. Daher sei „ein hoher Nachbesetzungsbedarf“ zu erwarten, der „in Anbetracht der Fachkräfteproblematik nur schwer zu decken sein wird“, warnt Dobrindt.

Haushaltspolitiker im Bundestag fürchten allerdings aus einem ganz anderen Grund Verzögerungen bei der Einstellung von Planern vor Ort: Sie werfen Minister Dobrindt vor, dass er neue Stellen für den Aufbau der umstrittenen Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn abzweigen wolle.

„In der Zentrale in Bonn sollen Stellen geschaffen werden, die durch den Wegfall von Stellen in der Fläche bezahlt werden“, kritisiert die schleswig-holsteinische SPD-Abgeordnete Bettina Hagedorn. Das aber werde der Bundestag nicht erlauben.

Dobrindt bestreitet die Absicht allerdings. Neues Personal werde „projektbezogen fast ausschließlich in den zuständigen Wasser- und Schifffahrtsämtern und Neubauämtern eingestellt“, lässt der Minister mitteilen. Das in der Bonner Zentrale vorgesehene technische Personal solle sich dagegen „weitestgehend aus dem Bestandspersonal“ der früheren Regionaldirektionen rekrutieren.

Der Haken ist nur: Aus den aufgelösten Regionaldirektionen, deren Aufgaben die Generaldirektion übernommen hat, will kaum jemand nach Bonn wechseln. Gerade mal 53 Beschäftigte arbeiten bisher in Bonn – von 450, die bei Gründung der Generaldirektion vor zwei Jahren vorgesehen waren.

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erstellt am 21.Sep.2015 | 10:39 Uhr

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