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Ostholsteiner Anzeiger

19. Oktober 2017 | 09:45 Uhr

Ehrgeiziges Ziel : Rennrad-Tour als Attraktion

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Andreas Chomatianos hat eine 330-Kilometer-Tour durch Deutschland und Dänemark geplant – und sieht darin touristisches Potenzial

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Andreas Chomatianos hat sich einiges vorgenommen. Früh morgens um 3 Uhr will der leidenschaftliche Rennradfahrer am Sonnabend, 14. Juni, in Plön zu einer außergewöhnlichen Tour aufbrechen. Die ist für ihn nicht nur eine persönliche Herausforderung, sondern birgt aus seiner Sicht auch eine enormes touristisches Pozenzial, das von den Akteuren der Region nur ergriffen werden müsste. Zahlreiche Klinken hat Chomatianos dafür bereits geputzt. Doch dazu später mehr.

330 Kilometer, zwei Staaten und drei Fähren liegen auf seiner rund 20-stündigen Rundreise, die er mit 15 weiteren Radlern absolvieren will. So viele deswegen, weil laut Straßenverkehrsordnung Radlergruppen ab 16 Teilnehmern in Zweierreihen fahren dürfen, wie Chomatianos erläutert. Der Weg führt über Kiel, Eckernförde und Flensburg, wo die dänische Grenze gequert wird, weiter nach Sonderburg und Fynshav. Dort geht es mit einer 50-minütigen Fährfahrt weiter auf die Insel Fünen, wo im Süden die Städte Faaborg und Svendborg durchfahren werden. Weiter geht es auf die per Straße erreichbare Insel Langeland. Eine weitere Erholungspause gibt es für die Radlergruppe bei der 45-minütigen Fährfahrt nach Lolland, wo es über Nakskov nach Rödbyhavn geht. Dort gibt es eine letzte Erholungspause für die Radler. Per Fähre geht es über den Fehmarnbelt nach Fehmarn. Nach der Fahrt mit der Scandlines-Fähre setzen die Akteure zum Schlussspurt an, um am späten Abend wieder in Plön anzukommen.

Für den gemeinen Radfahrer klingt es nach einer ziemlichen Gewaltanstrengung, die sich Andreas Chomatianos da vorgenommen hat. Doch der 65-jährige, ehemalige Ordnungsamtsleiter in Plön ist gut trainiert. Vier Mal ist er bereits die sogenannte Trans-Alp gefahren, bei der die Teilnehmer in einer Woche über 800 Kilometer durch die Alpen fahren und dabei gut 19 000 Höhenmeter überwinden. Wer nun glaubt, Chomatianos sei eine absolute Ausnahmeerscheinung, der irrt. „Die Transalp hat einmal mit 300 Teilnehmern angefangen, mittlerweile fahren 1200 mit“, berichtet er. Es würden gerne noch mehr mitfahren, doch das sei aus organisatorischen Gründen nicht möglich.

Der Plöner hat noch etliche erstaunliche Beispiele, wie viele Menschen Spaß daran finden, in ihrer Freizeit enorme Strecken mit dem Rennrad zurückzulegen. Das erstaunlichste ist wohl die „Vätternrundan“ in Südschweden. Die 300 Kilometer lange Radrundfahrt gilt laut Wikipedia als größte Breitensportveranstaltung der Welt, wenn man die Teilnehmer mit den gefahrenen Kilometern multipliziert. Fast 20 000 Radfahrer gingen 2013 an den Start, von denen die meisten auch ins Ziel kamen. „Unter den Teilnehmern sind allein 1800 Deutsche“ sagt Chomatianos. Sie nähmen nicht nur 155 Euro Startgeld auf sich, um dort mitzufahren, sondern auch die lange Anreise.

Für den Plöner liegt damit auf der Hand: Seine deutsch-dänische Fahrradtour birgt enormes touristisches Potenzial. Doch alle seine Bemühungen, den Verantwortlichen von örtlichen Tourismus-Vermarktern, überörtlichen Tourismusverbänden, Wirtschaftsförderern, Politik und Verwaltung eine Vermarktung seiner „Mittsommer-Inselhopping-Rennradtour“ schmackhaft zu machen, verliefen bislang im Sande. „Ambitionierte Radfahrer werden in Schleswig-Holstein total vernachlässigt“, bedauert Chomatianos. Er ist sich sicher: Gäbe es hier ein gutes Angebot für diese Zielgruppe, wäre dies eine hervorragende Chance, die Region deutschlandweit bekannt zu machen. Zwar stoße er mit seiner Idee überall auf Wohlwollen, doch fehle es an einer Initialzündung.

Er will nicht mehr erleben, was ihm vor einigen Jahren in auf der Romantischen Straße im bayerischen Dinkelsbühl passierte. Dort traf er auf eine zwölfköpfige Gruppe ambitionierter Radfahrer aus Fulda. Als sie über ihre nächsten Reiseziele sprachen, stellte sich heraus, dass ihnen weder die Holsteinische Schweiz noch der Große Plöner See ein Begriff waren. „Aus touristischer Sicht dürfte so etwas nicht sein“, findet Chomatianos.

Dabei müsste seine Radtour ja nicht unbedingt an einem Tag zurückgelegt werden. Er selbst ist die Tour auch schon einmal gemeinsam mit seiner Frau auf dem Tandem gefahren. Übernachtet hat das Paar in Hotels, Privatunterkünften und Jugendherbergen. „So wird daraus eine Jedermann-Tour“, wirbt der Plöner. Auch zu einem Fernradwanderweg könnte man die Radtour ausbauen. Selbst geschichtliche Aspekte ließen sich angesichts des 150 Jahrestags der deutsch-dänischen Schlacht bei Düppel in die Tour einbinden. Und schließlich wäre der länderübergreifende Aspekt der Radtour auch Ideal im Sinne europäischer Förderprogramme wie Interreg.

Doch wie es scheint, hat Mecklenburg-Vorpommern die touristische Nase wieder einmal vorne. Dort startet am 23. Mai erstmals die „Mecklenburger Seenrunde“. Die Veranstalter werben mit einem Premium-Radmarathon über 300 Kilometer und sprechen von einem „eindrucksvollen Radsporterlebnis zwischen blühenden Rapsfeldern und kilometerlangen Alleen“. Die Resonanz zeige das enorme Potenzial ambitionierter Radfahrer für den Tourismus, glaubt Chomatianos. Zu der Veranstaltung hätten sich bereits 4000 Teilnehmer angemeldet.

Mit seinen Ideen für eine Vermarktung seiner Rundtour ist Chomatianos zwar bislang nicht durchgedrungen, von seinen persönlichen Plänen lässt sich der Plöner aber nicht abbringen. Am 14. Juni will er zu seiner Rundtour starten. Zehn Männer und drei Frauen aus Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und Schleswig-Holstein hat er bereits beisammen.


 

> Wer selbst auf den Geschmack gekommen ist und mitfahren will, sollte sich möglichst umgehend bei Andreas Chomatianos melden: unter Telefon 04522/4935 oder per E-Mail an hua-chomatianos@t-online.de. Die Teilnahme kostet inklusive Begleitfahrzeug und Fähren 55 Euro.

 

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