Landgericht Lübeck : Relativ milde Strafe für Eutiner Dealer

Das Landgericht Lübeck kürzte am zweiten Verhandlungstag das Verfahren gegen einen Eutiner Koch mit einer Übereinkunft aller Beteiligten ab.

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21. Juli 2011, 12:00 Uhr

Lübeck | Drei Jahre und acht Monate Haft: der wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge angeklagte Eutiner Koch Kai K. ist mit dem Urteil des Landgerichtes Lübeck gestern glimpflich davongekommen. Sein Glück war eine Übereinkunft aller Prozessbeteiligten, die das Verfahren mit nur zwei Verhandlungstagen und einem Kripobeamten als einzigem Zeugen kurz gehalten hat. Auch der Haftbefehl wurde gestern aufgehoben.

Die Kröte scheint noch zu zappeln, an der Oberstaatsanwältin Heike Schulz schlucken muss: Bis zu 15 Jahre hat der Gesetzgeber für Verbrechen dieser Art vorgesehen - "pro Tat!", betont sie in ihrem Plädoyer. 16 Fälle hatte sie ursprünglich in ihrer Anklage aufgelistet, letztlich fallen nur sechs ins Gewicht, die zu einer Gesamtfreiheitsstrafe zusammengefasst werden. Es sind die, die K. eingeräumt hat oder die ihm nachgewiesen werden können.

Statt Drogen im knappen Zentnerbereich stehen jetzt noch 3500 Gramm Marihuana und 650 Gramm Amphetamine für einen Straßenverkaufswert von 25 000 Euro zur Debatte. Dass auch diese Menge keineswegs als "gering" einzustufen ist, macht die Staatsanwältin allein für die beschlagnahmte Menge aus zwei der Taten deutlich: "Damit hätten 6500 Leute einen Tag lang außer Gefecht gesetzt werden können."

Der 42 Jahre alte K. hört entspannt, was die Anklage Revue passieren lässt: Zugfahrten, entweder selbst unternommen oder in Auftrag gegeben, meist von Eutin nach München, teils mit Halt in Hamburg, um Drogen entgegenzunehmen oder abzugeben. Die ausgefeilte Logistik, die Anklage und Gericht zu erkennen meinen, ist indessen nicht zu beweisen, und Kai K.s Rechte werden von einer Phalanx von gleich drei Anwälten wahrgenommen. Die Verteidigung verliest eine Erklärung, in der die stabilen und regelmäßigen Kontakte zu seinem zwölf Jahre alten Sohn ebenso aufgelistet sind wie die Geldsorgen nach dem Niedergang mit zwei Gaststätten und der Wille, bis zum Haftantritt bei der Mutter zu wohnen und in deren Pension auszuhelfen. Selbst eine Stelle als Koch könnte K. antreten, das geht aus dem Schreiben eines potenziellen Arbeitgebers hervor. Zu seinen Gunsten spricht, dass er nicht vorbestraft ist und entsprechend empfindsam auf die Untersuchungshaft reagiert.

Von K. selbst kommt kein Wort. "Sie haben sich nicht die Ehre gegeben, mit uns zu sprechen", merkt die Staatsanwältin süffisant an und formuliert ihren Zweifel an den guten Vorsätzen K.s. Mit ihrem Antrag auf Aufrechterhaltung des Haftbefehls scheitert sie jedoch.

Das Gericht unter Vorsitz Kai Schröders bezweifelt ebenfalls, mit dem Urteil die kriminelle Karriere des Angeklagten erschöpfend gewürdigt zu haben. Aber: "Lübeck ist eine hoch belastete Strafkammer, und längere Verfahren wollen wir nicht", erklärt Schröder verfahrensabkürzende Übereinkunft mit Anklage und Verteidigung. Den Haftbefehl hebt er auf, um K. die Möglichkeit zu geben, dass "ein erheblichen Teil der Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird". Dass der Richter nicht an einen "Ausrutscher" in die Kriminalität glaubt, wird bei Dichte der Taten, Geschäftswegen, Dirigieren von Komplizen und Drogenmengen klar: "Wenn man die Akten liest, könnte man auf andere Gedanken kommen."

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