Aus dem Gericht : Rekrut musste Stock als Waffe gebrauchen

Ein junger Rekrut der 7. Inspektion der Marineunteroffizierschule (MUS) musste einen Stock als Waffe im Gelände Hohensasel nutzen.

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07. April 2011, 11:21 Uhr

Plön | Mehr noch: Er musste den Stock nach der Übung putzen und in der Waffenkammer unter der Nummer "Drölf" abgeben. Für den heute 23-Jährigen war es eine "peinliche Situation". Trotzdem wurde der gleichaltrige angeklagte Vorgesetzte ohne Auflagen freigesprochen.

Bei der Verhandlung vor dem Plöner Amtsgericht prallten gestern mangelnder Verstand des ehemaligen Rekruten und fehlende Reife des Vorgesetzten zusammen. Der Fall lag auch schon fast zwei Jahre zurück. Der athletische Christian K. war in der Grundausbildung der Vorgesetzte des eher schüchtern auftretenden Kai P., der gerade versuchte, als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden. Er wollte nicht auf Menschen schießen müssen. Bis zu einer Entscheidung durfte er nicht mit einer Waffe hantieren.

Um beim ersten Ausbildungstag unter dem Motto "Bewegungsarten im Gelände" auf dem Truppenübungsplatz Hohensasel für Kai P. eine Waffe zu imitieren, gab ihm Christian K. einfach einen etwa einen Meter langen Stock als Ersatz in die Hand. "Ich wollte den Rekruten nicht ausgrenzen", sagte der ehemalige Vorgesetzte zur Begründung. Über die Reaktion der anderen Rekruten sagte K. mit fester Stimme: "Wir kiechern nicht, wir sind Soldaten." Den Stock hätte Kai P. jedenfalls als seine Waffe später auch mit Lappen pflegen und in die Waffenkammer einlagern müssen. "Die ,Waffe hätte er später auch bei anderen Übungen nutzen können", sagte K. der Amtsrichterin.

Der junge P. habe alles so ohne Gegenwehr hingenommen. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass es ihm unangenehm war." Der arbeitssuchende Kai P. zeigte sich vor Gericht schwer erinnernd, sehr ruhig, schüchtern und zeitweise stumm. Es sei alles schon lange her, sagte er und weiter: "Befehl ist Befehl - das ist alles." Es sei auch nicht Kriegsdienstverweigerer geworden, sondern habe sich sogar länger bei der Marine verpflichtet.

Der Staatsanwalt sprach von einer ziemlichen "Verarsche", wollte aber zusammen mit der Amtsrichterin das Verfahren ohne Auflagen einstellen. "Es ist beim Zeugen offenbar kein bleibender Eindruck des Geschehens entstanden", sagte die Richterin. Per Handschlag entschuldigte sich der Vorgesetzte bei seinem ehemaligen Rekruten, der dann erhobenen Hauptes den Gerichtssaal verließ. Die Kosten trägt die Landeskasse.

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