Plön : Reitlehrer soll 16-Jährige missbraucht haben

Er war Reitlehrer und soll sich an einer seiner Schülerinnen sexuell vergangen haben. Dann setzte er laut Anklage Detektive auf sie an und soll ihr sogar nach dem Leben getrachtet haben.

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19. Juni 2014, 10:24 Uhr

Plön | Mindestens zwölf Mal soll sich ein Reitlehrer aus dem Kreis Plön an einer seiner Reitschülerinnen sexuell vergangen haben. Als sie sich ihm entzog, schickte er ihr laut Anklage Detektive auf den Hals und trachtete ihr womöglich sogar nach dem Leben. Seit Donnerstag muss sich der 49-Jährige in Plön vor dem Amtsgericht wegen sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung einer anderen jungen Frau, Stalkings und Betrugs verantworten. Laut Anklage ritt die damals 16-Jährige auf dem Reiterhof des Mannes im Kreis Plön. Von ihm soll sie auch ihr Pony erworben haben. 2009 kam es demnach zu einvernehmlichen sexuellen Kontakten. Er soll ihr spezielle Massagen angeraten haben, damit sie sich dem Pferd besser anpassen könne. Als sie sich dann von ihm zurückzog, soll er sie mit Drohungen gefügig gemacht haben wie, ihr Pony würde verkauft.

Erst 2012 gelang der heute 21-Jährigen mit Hilfe ihrer Familie die endgültige Trennung. Doch der 49-Jährige soll Hamburger Detektive auf sie angesetzt haben. Vergeblich soll er auch einen Gastwirt mit Kontakten zum Rocker-Milieu angesprochen haben, um die junge Frau zu töten. Sie ist im Zeugenschutz und wie das andere mutmaßliche Opfer Nebenklägerin. Die Anklage gegen den 49-Jährigen lautet auch auf Stalking und Betrug. So blieb die Rechnung für die Detektei in Höhe von rund 9000 Euro offen. Angeblich wollte er sie von Anfang an nicht bezahlen. Der Angeklagte, der inzwischen von Hartz IV lebt, will an dem Reitunterricht festhalten: „Nur mit Erwachsenen“, wie er vor Gericht betonte und nur, „wenn die Sache hier gut ausgeht“.Dabei besitzt der gelernte Fleischergeselle offenbar keine deutsche Reitlehrerlizenz. „Der Begriff Reitlehrer ist ja nicht geschützt“, sagte er. Seine Qualifikation will er in den USA erworben haben. Einen Beleg dafür blieb er dem Gericht schuldig.

Der Mann zeigte sich als schillernde Persönlichkeit. Laut Anklage fälschte er auch Urkunden, um Investoren für ein Reit- und Messezentrum nahe der niederländischen Grenze zu gewinnen. Die Zusage der EU auf Fördermittel in Höhe von 25 Millionen Euro stand aber nur auf dem Papier. Ein Investor verlor 250.000 Euro in der Hoffnung auf eine Beteiligung an 300 Ferienhäusern. Mit dem Geld soll der zweifache Vater sein Leben finanziert haben.

Zweimal gab der Mann eidesstattliche Erklärungen ab, obwohl er laut Anklage Zugriff auf Vermögen auf mehreren Konten hatte. Als erfolgreiche Stationen seines Lebenslaufes nannte er unter anderem den Einsatz im Management von Damen-Handballvereinen sowie für Lübecker Bäder und die Stadtwerke Neumünster. Eine kaufmännische Ausbildung hatte er demnach aber nie.

Der Prozess wird am 1. Juli fortgesetzt. Insgesamt sind zwölf Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil soll im August fallen.

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