Malente : Reinigungskur für den Dorfteich

Hans Nico Paysen zeigt den Schlammkuchen, den die Siebbandpresse in den Container befördert. Fotos: Schröder
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Hans Nico Paysen zeigt den Schlammkuchen, den die Siebbandpresse in den Container befördert. Fotos: Schröder

Auf dem Benzer Feuerlöschteich ist derzeit ein spezielles Amphibienfahrzeug unterwegs, um den belasteten Schlamm vom Grund abzusaugen.

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11. März 2014, 13:28 Uhr

Benz | Das Gefährt, mit dem Hans Nico Paysen täglich unterwegs ist, kommt aus Schweden, verfügt über ein Verdeck und ist mit Sitzheizung ausgestattet. Allerdings steuert der 59-jährige Flensburger kein schickes Cabriolet. Vielmehr sitzt der Maschinenführer an den Steuerknüppeln eines sehr speziellen Amphibienfahrzeugs. Derzeit ist Paysen auf dem Feuerlöschteich in Benz unterwegs.

An Land wirkt die Maschine mit ihren 1,4 Tonnen Gewicht noch etwas schwerfällig, doch im Wasser zeigt sie, was sie kann. Wenn sich die Antriebsketten in Bewegung setzt sprudelt das Wasser und das mit einem Schwimmkörper ausgerüstete Gefährt zeigt sich erstaunlich wendig. Vorne ist eine Schnecke befestigt, die Paysen hydraulisch auf den Grund des Teichs fährt und diesen aufwühlt. Eine Pumpe saugt den Schlamm an und führt ihn über eine Rohrleitung zunächst in einen Container, von wo er in eine sogenannte Siebbandpresse mit den Ausmaßen eines Lastwagens befördert wird. „Da wird der Schlamm mit einem biologisch abbaubaren Trennmittel vermischt und ausgepresst“, erklärt Paysen. Beim Blick in die Maschine zeigen sich eine Menge Walzen und Förderbänder. Übrig bleibt der Schlammkuchen – eine schwarze, feuchte, kompostähnliche Masse –, die von einem Förderband in einen Container fällt.

Voraussichtlich werden Paysen und sein Kollege Bernd Hoffmann von der Entsorgungsfirma Remondis noch bis Mitte nächster Woche in Benz beschäftigt sein. Dann werden sie rund 150 Tonnen Schlammkuchen aus dem Teich herausgeholt haben.

Zwar könnte man den Schlamm auch einfach absaugen, direkt in Fasswagen pumpen und anschließend auf Feldern verteilen. Doch das verbietet sich in Benz, erklärt Uwe Thies, Mitarbeiter des Malenter Bauamts. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass der Schlamm belastet ist (wir berichteten). „Alle Schadstoffe sind innerhalb der Grenzwerte, nur nicht die Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PaK)“, sagt Thies. Dort werde der Grenzwert um knapp das Vierfache überschritten. Erlaubt wären drei Milligramm pro Kilogramm des als krebserregend geltenden Stoffes, gemessen wurden jedoch elf Milligramm.

Doch wie kommt der giftige Stoff in den Teich? PaK entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Kohle, Öl, Holz oder Tabak. Sie seien nicht nur in Altöl und alten Dachpappen enthalten, sagt Thies. Der Stoff sei vor 1970 auch beim Bau von Straßen aufgetreten. Und in Autoreifen seien PaK noch heute enthalten. Da die Hauptstraße, die K 1, direkt in den Feuerlöschteich entwässert, dürfte sich der Giftstoff mit den Jahrzehnten im Schlamm angereichert haben, aus dem Abrieb der Reifen und möglicherweise herausgelöst aus der Straße. Die Gemeinde habe zwei weitere Feuerlöschteiche untersuchen lassen: Neukirchen und Neversfelde. In beiden Fällen würden alle Grenzwerte eingehalten. Sie sollen im Herbst entschlammt werden. Weitere Löschteiche sollen folgen.

Um den Schlammkuchen aus Benz kümmert sich der Zweckverband Ostholstein (ZVO). Die wasserdichten Container gingen zur Deponie bei Johannistal in der Nähe von Oldenburg, sagt ZVO-Pressesprecher Detlef Lichtenstein. Bei dem Material handele es sich nicht um Sondermüll, sondern um einen belasteten Schlamm, der auf einer Deponie der Klasse 1 beseitigt werden müsse. In Johannistal dürfe Schlamm mit bis zu 250 mg/kg PaK deponiert werden, also erheblich stärker belasteter Schlamm als aus dem Benzer Teich.

Für die Gemeinde Malente ist die Entschlammung eine teure Angelegenheit: 69 000 Euro sind dafür veranschlagt, hatte Bürgermeister Koch berichtet. Für die Maschinenführer Paysen und Hoffmann ist der Benzer Feuerlöschteich dagegen nichts besonderes. Sie haben schon etliche Feuerlöschteiche, Klärteiche und Regenrückhaltebecken entschlammt. Besondere Vorkommnisse gab es in Benz bislang keine. Das ist nicht immer so, weiß Hans Nico Paysen, der den Job schon seit 25 Jahren macht. In Mecklenburg nahe Friedland sei er auch schon mal auf Gewehre, Munition und Handgranaten gestoßen. Nicht so in Benz: Dort verklemmten sich lediglich ein altes Regenrohr und ein paar Steine in der Schnecke ihres Amphibienfahrzeugs.

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